Samstag, 5. März 2016

Vom Kellnern

Während ich auf Fotos für die restlichen Einträge über meinen Urlaub warte (schon geschrieben ;) ) dachte ich mir ich verliere mal ein paar Worte über meinen neuen Job hier in Banos der sich mit einem einfachen kleinen Wort beschreiben lässt: Kellnern. 
Ich wurde von der Agentur in das Hostal Plantas y Blanco "verlegt". Es macht mir nicht sonderlich viel aus, ich schlafe seit heute in einem 4er Zimmer, hatte die letzten zwei Tage eines für mich allein aber naja, so einen "Luxus" kann man auch nicht immer haben. Ich bekomme jeden Tag super Frühstück (gutes Brot!!!), Vormittags habe ich frei, habe die letzten Tage immer etwas mit Felicitas, einer super lieben Schweizerin gemacht, am Nachmittag bin ich dann an der Rezeption (viel herumsitzen und teilweise übersetzten), der richtige Job fängt dann gegen sechs an. Meistens bis 11/12 kellnere ich im Restaurant dass zum Hostal dazugehört. Heute ist mein vierter Tag, bisher hatte ich einen gemütlichen Abend mit ein paar Gästen, einen an dem gar nichts los war und dann gestern. Wenn ich eines gelernt habe, ich komme mit Stress unglaublich schwer klar. Gibt es etwas schlimmeres als den "wo bleibt mein Essen" Blicken der Gäste ausgesetzt zu sein? Vor allem wenn man das Gefühl kennt, ich HASSE es auf Essen warten zu müssen. Aber gestern musste ich dann auch die andere Seite kennenlernen, wer zuerst bestellt hat nun einmal Vorrang...

Wir sind zu viert, ich fühle mich zwar richtig schäbig das sagen zu müssen, aber ich habe mir die Namen der beiden Köche nicht gemerkt. Egal, also außer mir gibt es eine andere Kellnerin, Marcella, sie arbeitet seit mehr als 3 Monaten hier. Mutter zweier Kinder, kann mir nicht vorstellen wie schwer das sein muss die am Abend immer alleine zu lassen. Sie kennt sich jedenfalls viel besser aus als ich, hilft mir immer weiter und ist auch so eine total quirlige und liebe Person. 
Dann sind da die beiden Köche, eine kleine, mollige, ein bisschen ältere Frau die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Manchmal erinnert sie mich an meine Oma, einfach nur deswegen weil sie mir ständig etwas zu essen anbietet. Und dann ist da noch der relativ neue junge Koch, arbeitet seit ca 2 Wochen hier, noch ein wenig chaotischer bzw nicht ganz so die Ruhe in Person. Aber schnell, total lieb und vor allem lässt er sich so einfach von Essen begeistern. Einmal hatte ich eine Diskussion mit ihm über Kuchen mit Schlag, ja ernsthaft wir redeten mindestens 3 Minuten nur darüber das Süßspeisen mit einem Klex Schlagobers einfach viel besser schmecken (das kennt man hier normalerweiße nicht). 

Gestern Abend fing es normal an, ein paar junge Leute kamen so gegen sieben, dann noch ein Pärchen 15 Minuten später, dann noch jemand, und noch jemand, und noch jemand.... und plötzlich stapelten sich die Bestellungen ebenso wie das dreckigem Geschirr (Geschirrspüler gibt es nicht) da für deren Abwasch niemand die Zeit hatte. Ich eilte zwischen Küche und Gastraum hin und her, nahm Bestellungen auf, brachte Getränke, erklärte Spießekarten und versuchte zwischendurch noch Tische abzugräumen bzw danach abzugwischen und neu aufzudecken (schwer wenn es kein Besteck mehr gibt :P ). Dann machte ich, wie wohl jeder der noch nie in seinem Leben gekellnert hat einige kleine Fehler a la Getränke vergessen (ja jetzt weiß ich wieso man manchmal 5 Minuten auf ein Bier warten muss) oder Happy Hour falsch erklären. Mein Problem ist wohl auch, dass ich viel zu sehr mit den Gästen mitfühle, wenn jemand 15 Minuten auf eine Vorspeiße warten muss (wenn nicht länger weil zwei Köche und eine relativ kleine Küche richtig viel Stress bedeuten) bekomme ich meistens ein schlechtes Gewissen. Und es gibt kaum etwas unangenehmeres als als Kellner in der Küche zu stehe, den Köchen bei der Arbeit zu zusehen, mit dem Wissen das das Essen für die eigene Tische noch mindestens zehn Minuten dauert, die Gäste aber schon mindestens doppelt so lange warten, und unfähig zu sein irgendetwas zu tun um den Prozess zu beschleunigen. 

Schlussendlich bin ich nicht einmal mehr sicher was mir lieber ist, ein Abend an dem praktisch nichts los ist oder so einer wie gestern, an dem ich um halb eins ins Bett falle und obwohl es Freitagabend ist nicht einmal mehr den Hauch eines verlangens verspüre Fortzugehen oder auch nur ein paar Seiten zu lesen. Wenigstens hatte ich so gestern das Gefühl mir mal mein Zimmer und das viele Essen (vorteil in einem Restaurant zu arbeiten, es gibt viel und super gutes Essen) verdient zu haben. Naja, aber länger als die Woche die ich den Job mache würde ich das nicht aushalten, jedenfalls nicht ohne Bezahlung. 
Mir tut Marcella Leid, normalerweiße ist sie alleine. Aber mit der Einstellung die sie hat (immer happy) muss das halbwegs gehen. Außerdem geht es wahrscheinlich jeden Tag einfacher, sollte heute wieder so viel los sein, weiß ich schon was ich besser machen kann bzw. worauf ich absolut keinen Einfluss habe.

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