Die Sonne brennt, bilde ich mir ein den schützenden Schatten der Rezeption verlassen zu müssen scheine ich zu spüren wie sich meine Haut auflöst, wie Zellen in sekundenschnelle absterben und die leichte Bräune in knalliges rot verwandelt wird. Es ist so grell, dass ich mit zugekniffenen Augen den Weg zum Angestelltenhaus hochhetze, nur um in meinem Zimmer in Schweiß auszubrechen. Mein Körper schreit auf wenn ich meinen kleinen Finger hebe, ein paar Schritte und ich habe das Gefühl zu vergessen was Kälte ist. Die Luft steht, sie flimmert, sie brennt.
Der Fluss lockt aber ich halte mich zurück. Die Strömung ist stark, das Wasser verdreckt, die Mischung aus strömendem Regen und glühender Sonne sorgt für schwirrende Gedanken und mein Körper scheint mit den abrupten kalt/warm Wechsel nicht klar zu kommen.
Ich genieße die Sonne, ich trotze dem Prickeln auf meiner Haut, den Warnlampen die in meiner imaginären Schaltzentrale aufleuchten. Ich stehe da, reglos, für Minuten, auf dem kleinen Stück Wiese zwischen Anlegesteg und Haupthaus, strecke meinen Kopf dem Himmel entgegen, sauge die Sonnenstrahlen mit jedem freien Fleckchen Haut ein und versuche nicht daran zu denken, dass dieser ewig zu scheinende Sommer bald vorbei geht. Das ich in weniger als vier Monaten in einen gänzlich anderen Sommer zurückkehre. Einen in dem die Sonne nicht zentral am Himmel steht, einen in dem es wieder lange Schatten gibt, keine die unter den eigenen Füßen verschwinden. Einen in dem man nicht in den nächstbesten Fluss springen kann oder gar nachts das Gefühl hat vor Hitze zu verglühen. Einen in dem zwanzig Minuten ohne Sonnenschutzfaktor 50+ keine rote Haut bedeuten und das Licht nicht nach exakt 12 Stunden verschwindet.
Ist es ein besserer Sommer?
Ist es ein besseres Leben?
Ich merke wie ich wieder grüble, wie das nahende Ende den Pessimisten in mir hervorlockt. Ich höre mich selbst rufen, dieses alte Ich das die Welt in Schwarz und Weis malt, der Meinung ist, dass weitermachen, den vorhergesehenen Weg gehen, das Ende eines freien Lebens bedeutet. Ich weis es besser, ich weis, dass es Verpflichtungen gibt, das sie nicht falsch sind. Ich verstehe das gewisse Regeln einhalten gut ist, dass man zwar ohne jegliche Vorschriften leben kann, ohne Job, ohne Karriere, aber auch dass das nichts für mich ist. Dennoch ist diese Stimme verlockend, dieses Schwarz malen, dieses den Anderen alles in die Schuhe schieben, dieses die Gesellschaft und unser System verfluchen und so tun als ob man selbst anders ist, etwas besseres ist.
Ich bin nicht besonders, nicht einmalig oder andersdenkend. Ich habe keine herausragenden Fähigkeiten, keine verborgenen Superkräfte oder einzigartige Talente. Ich brauche sie nicht, ich weine nichts nach. Ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass ich mein Leben mag, dass ich mich mag. Ich habe eingesehen, dass ich mich irgendwie auf die Zukunft freue, auf das Studium, Arbeit, Selbstständigkeit, das Leben selbst in die Hand nehmen.
Ich mag es Entscheidungen zu treffen, wenn ich mir die Haut verbrennen will tue ich das. Wenn ich die Sonne auf mir spüren will, egal wie viele Zellen ich abtöte oder welche Lebensjahre ich mir raube, das mache ich das. Ich weis dass ich ein weiteres Zahnrad im Getriebe der Welt werde, ein ganz kleines, das vielleicht nicht einmal vermisst wird sollte es ausfallen, aber wenigstens kann ich mich selbst positionieren. Ich kann mir die Stelle an der ich mich Jahrzehntelang drehen werde aussuchen, ja sogar wechseln. Ich kann meine Nachbarn auswählen, über verschiedene Abteilungen springen und vielleicht sogar in einen ganz anderen Bereich wechseln. Ich habe Entscheidungsfreiheiten die vielen anderen verwehrt bleiben. Dafür bin ich dankbar. Mein Leben ist kein vorausgefülltes Blatt in das ich nur meinen Namen schreiben darf. Nein, ich kann nicht nur die Art und Form aussuchen, sogar die Fragen bestimmen. Das ist es doch was zählt oder?
Ich glaube was ich damit sagen will, ist einfach, dass ich in Ecuador doch das gefunden habe, was mir in den letzten Jahren so unglaublich gefehlt hat. Keine Ideen was ich mit meinem Leben machen will, keine Jobsaussichten oder die Perfektion einer neuen Sprache. Ich musste mich nicht selbst neu erfinden oder meinen Charakter umstellen, nein was mir mein Leben seit ich denken kann in einem falschen Licht gezeigt hat war meine Einstellung.
Die Pessimistin wird nie verschwinden, man kann keinen Teil von sich der einen ein halbes Leben lang begleitet hat einfach so auslöschen, aber ich kann ihr zumindest zeigen, dass es einen andere Weg gibt, dass ich mich selbst nicht so schnell aufgeben darf. Ich hoffe sie hört auf mich.
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