Dienstag, 29. März 2016

Totenkopfäffchen

Heute nur ein paar ganz kurze Worte;
Gestern lag ich so neben der Bar in der Hängematte, mit Kindel in der Hand, wieder einmal in ein Buch versunken (A Dance with Dragons, ich dachte bevor der sechste Band herauskommt...) als plötzlich der Lärm losging. Ein Geraschel und Gekreische, Äste die sich biegen und hin und her geschüttelt werden, Blätter und Gehölz das zu Boden fällt. Ich schaue auf und weis; die Affen kommen.
Jeden Tag zwischen fünf und sechs werden wir von einer kleinen Horde Totenkopfäffchen heimgesucht. Sie tollen in den Bäumen herum, schwingen  von Ast zu Ast, jagen sich durch die Blätterdächer oder scheinen die staunenden Besucher kek Anzgrinsen.
Es ist eines dieser Schauspiele die Touristen den Atem rauben, sie mit ihren Kameras eine halbe Stunde oder mehr an dem Holzgelände gelehnt ausharren lässt und zu jeder Menge "Oh" und "Ah" führt. 
Ich bin schon daran gewöhnt, zumindest soweit man sich als Europäer in Ecuador an in freier Wildbahn lebende Affen die keine zwei Meter vor einem durch die Bäume schwingen gewöhnen kann. Irgendwie reist es mich doch immer mit. Das Nächste Mal mache ich Fotos.

Freitag, 25. März 2016

Ein einfaches Leben

Der Himmel ist bewölkt, die Luft kühl, Sandfliegen umkreisen meine Arme, ein Leben ohne Juckreiz scheint in weiter ferne zu liegen. Es ist ruhig in der Lodge, vier Uhr Nachmittags, eine Gruppe Italiener kommt von der Tour zurück, sie schleichen durch das Gelände, geben kaum einen Mucks von sich und sehen aus als würden sie den Dschungel immer noch für eine Illusion halten. Kasabian begleitet mich durch den Tag, mir ist der Kontrast zwischen der Musik und meinem momentanem Aufenthaltsort bewusst aber nach zwei Wochen erscheint mir die Arbeit in einer Lodge im Amazonas normaler den je.
Man übernimmt die Routine der Angestellten, gewöhnt sich an das tägliche mit sich selbst kämpfen wenn der Wecker einen um 6:20 aus dem Schlaf reist. Aufstehen, anziehen, Gesicht waschen, Tür auf, Treppe den Angestelltenhauses hinunter, Rezeption aufsperren. Schlüssel aus dem Safe holen, Schränke aufmachen, Laptops anschalten, danach Artesanias auslegen, E-Mail checken, der Sonne dabei zusehen wie sie immer höher auf den Himmel steigt bis es um sieben endlich richtig hell ist.

Manchmal langweilt es, natürlich. Es gibt Tage die verfliegen, man merkt nicht, wie sie kommen und gehen, andere ziehen sich, ich sitze in der Rezeption, liege auf meinem Bett oder spaziere durch das Gelände, beobachte meine Uhr und bete der Sekundenzeiger möchte sich doch ein wenig schneller bewegen. Die letzten zwei Tage durfte ich übersetzen, mit zwei Deutsche und Suyu ging es auf eine fünf Stunden Wanderung durch den Dschungel, wir bauten ein Floss und besuchten eine einheimische Familie. Wir hatten Spaß, genug dass ich für meine Dienste neben der normalen Bezahlung sogar einen Abschiedscocktail erhielt, als Gegenleistung gab ich Tipps für die Weiterreise in Ecuador.
Am Wochenente ist Ostern, ich habe erst vor kurzem realisiert wie spät es schon ist, bald darf ich sagen schon seit sieben Monaten in Ecuador zu sein.
Vermisst man mich zu Hause?
Es wird ein Buffet geben, natürlich keinen Osterstritzel oder Geselchtes, aber hart gekochte Eier und Käse, vielleicht ein wenig Schinken, dennoch, ich warte darauf. Auch hier besteht meine Diät aus Hühnchen und Reis, nur dass sich der fehlende Sport bemerkbar macht. Ich bekomme Komplimente für meinen Hüftspeck, danke Ecuador.

Meine Urlaubspläne ändern sich täglich, es geht später los, Mitte April, dafür länger. Zehn Tage ohne Touristen in der Lodge? Das würde mich in den Wahnsinn treiben, da reise ich lieber, wenn es mir erlaubt wird.
Irgendwie wollen die Worte heute nicht. Ich suche und suche nach Geschichten, Eindrücken, Bildern die ich beschreiben kann aber mein Kopf ist leer. Da ist zu wenig, zu wenig Ausergewöhnliches, zu wenig dass ich nach all der Zeit in Ecuador noch nicht kenne. Es ist ein einfaches Leben, aber eines das mir Spaß macht. 

Montag, 21. März 2016

Das Ende der Pessimistin

Die Sonne brennt, bilde ich mir ein den schützenden Schatten der Rezeption verlassen zu müssen scheine ich zu spüren wie sich meine Haut auflöst, wie Zellen in sekundenschnelle absterben und die leichte Bräune in knalliges rot verwandelt wird. Es ist so grell, dass ich mit zugekniffenen Augen den Weg zum Angestelltenhaus hochhetze, nur um in meinem Zimmer in Schweiß auszubrechen. Mein Körper schreit auf wenn ich meinen kleinen Finger hebe, ein paar Schritte und ich habe das Gefühl zu vergessen was Kälte ist. Die Luft steht, sie flimmert, sie brennt.
Der Fluss lockt aber ich halte mich zurück. Die Strömung ist stark, das Wasser verdreckt, die Mischung aus strömendem Regen und glühender Sonne sorgt für schwirrende Gedanken und mein Körper scheint mit den abrupten kalt/warm Wechsel nicht klar zu kommen. 
Ich genieße die Sonne, ich trotze dem Prickeln auf meiner Haut, den Warnlampen die in meiner imaginären Schaltzentrale aufleuchten. Ich stehe da, reglos, für Minuten, auf dem kleinen Stück Wiese zwischen Anlegesteg und Haupthaus, strecke meinen Kopf dem Himmel entgegen, sauge die Sonnenstrahlen mit jedem freien Fleckchen Haut ein und versuche nicht daran zu denken, dass dieser ewig zu scheinende Sommer bald vorbei geht. Das ich in weniger als vier Monaten in einen gänzlich anderen Sommer zurückkehre. Einen in dem die Sonne nicht zentral am Himmel steht, einen in dem es wieder lange Schatten gibt, keine die unter den eigenen Füßen verschwinden. Einen in dem man nicht in den nächstbesten Fluss springen kann oder gar nachts das Gefühl hat vor Hitze zu verglühen. Einen in dem zwanzig Minuten ohne Sonnenschutzfaktor 50+ keine rote Haut bedeuten und das Licht nicht nach exakt 12 Stunden verschwindet.
Ist es ein besserer Sommer?
Ist es ein besseres Leben?
Ich merke wie ich wieder grüble, wie das nahende Ende den Pessimisten in mir hervorlockt. Ich höre mich selbst rufen, dieses alte Ich das die Welt in Schwarz und Weis malt, der Meinung ist, dass weitermachen, den vorhergesehenen Weg gehen, das Ende eines freien Lebens bedeutet. Ich weis es besser, ich weis, dass es Verpflichtungen gibt, das sie nicht falsch sind. Ich verstehe das gewisse Regeln einhalten gut ist, dass man zwar ohne jegliche Vorschriften leben kann, ohne Job, ohne Karriere, aber auch dass das nichts für mich ist. Dennoch ist diese Stimme verlockend, dieses Schwarz malen, dieses den Anderen alles in die Schuhe schieben, dieses die Gesellschaft und unser System verfluchen und so tun als ob man selbst anders ist, etwas besseres ist.
Ich bin nicht besonders, nicht einmalig oder andersdenkend. Ich habe keine herausragenden Fähigkeiten, keine verborgenen Superkräfte oder einzigartige Talente. Ich brauche sie nicht, ich weine nichts nach. Ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass ich mein Leben mag, dass ich mich mag. Ich habe eingesehen, dass ich mich irgendwie auf die Zukunft freue, auf das Studium, Arbeit, Selbstständigkeit, das Leben selbst in die Hand nehmen.
Ich mag es Entscheidungen zu treffen, wenn ich mir die Haut verbrennen will tue ich das. Wenn ich die Sonne auf mir spüren will, egal wie viele Zellen ich abtöte oder welche Lebensjahre ich mir raube, das mache ich das. Ich weis dass ich ein weiteres Zahnrad im Getriebe der Welt werde, ein ganz kleines, das vielleicht nicht einmal vermisst wird sollte es ausfallen, aber wenigstens kann ich mich selbst positionieren. Ich kann mir die Stelle an der ich mich Jahrzehntelang drehen werde aussuchen, ja sogar wechseln. Ich kann meine Nachbarn auswählen, über verschiedene Abteilungen springen und vielleicht sogar in einen ganz anderen Bereich wechseln. Ich habe Entscheidungsfreiheiten die vielen anderen verwehrt bleiben. Dafür bin ich dankbar. Mein Leben ist kein vorausgefülltes Blatt in das ich nur meinen Namen schreiben darf. Nein, ich kann nicht nur die Art und Form aussuchen, sogar die Fragen bestimmen. Das ist es doch was zählt oder? 
Ich glaube was ich damit sagen will, ist einfach, dass ich in Ecuador doch das gefunden habe, was mir in den letzten Jahren so unglaublich gefehlt hat. Keine Ideen was ich mit meinem Leben machen will, keine Jobsaussichten oder die Perfektion einer neuen Sprache. Ich musste mich nicht selbst neu erfinden oder meinen Charakter umstellen, nein was mir mein Leben seit ich denken kann in einem falschen Licht gezeigt hat war meine Einstellung.
Die Pessimistin wird nie verschwinden, man kann keinen Teil von sich der einen ein halbes Leben lang begleitet hat einfach so auslöschen, aber ich kann ihr zumindest zeigen, dass es einen andere Weg gibt, dass ich mich selbst nicht so schnell aufgeben darf. Ich hoffe sie hört auf mich.

Donnerstag, 17. März 2016

Vom Regen

Heute regnet es.
Ein Mix aus einzelnen schweren Tropfen die die dich Blind machen, sollten sie in deinen Wimpern hängen bleiben und kleinen Schauern bei denen zwei Minuten im Freien nasse Kleidung für die nächsten Tage versprechen. Er stört nicht, der Regen. Er sorgt für eine angenehm kühle Luft, es riecht frischerer und sauberer als nach einem Tag voller Sonne. Man kann sich in eine Jogginghose und dünne Jacke kuscheln, fühlt sich nicht schlecht keine Bewegung zu machen und hat den ganzen Tag Lust auf heißen Kaffee oder Tee.
Für die Touristen ist es natürlich nicht die beste Überraschung. Zwar erwartet man im Regenwald hin und wieder feuchtes Wetter, aber die Meisten scheint es doch überraschend zu treffen.
Darum latschen sie trotzdem durch den Dschungel, kämpfen sich mit Gummistiefen durch schlammige Wege, versuchen ihr Gleichgewicht zu halten und das von den Bäumen tropfende Wasser zu ignorieren.
Regen sorgt auch für mehr und brauneres Wasser. Der Fluss steigt, der kleine Steg verschwindet, das Wasser wird schmutzig. Nebenflüsse schwemmen Dreck und Sand an, man erkennt den Grund nicht mehr. Die Strömung wird stärker, ich bekomme ein mulmiges Gefühl wenn sich Touristen einbilden schwimmen gehen zu müssen.
Ob Sonne besser ist?
Ich weiß es nicht. Am besten ist ein bewölkter Himmel, dann verglüht man nicht, muss aber auch nichts wortwörtlich ins Wasser fallen lassen.

Mittwoch, 16. März 2016

Wie es mir geht

Ich vermisse Lars jetzt schon, alleine in der Lodge zu arbeiten kann doch schnell langweilig werden. Außerdem ist es einmal eine super Abwechslung mit jemanden aus Europa (sogar Deutschland) der nochdazu im gleichen Alter ist, seine Zeit zu verbringen. Die Leute in Ecuador sind zwar unglaublich nett aber manchmal gehen mir ernster Gespäche doch ab, außerdem können die jungen Leute hier mit meinem Humor wenig anfangen (umgekehrt genauso) und würden sich nie zu einem Netlifx-Maraton überreden lassen (obwohl so unglaublich lang war es eh nicht, wurde nur spät).
Jetzt hat er Urlaub, für 8 Tage, irgendwie werde ich mich schon beschäftigen aber wie wir heute früh noch gewitzelt haben (egal wie banal der Spruch auch klingen mag) "zu zweit ist man weniger allein".

Ich hatte gerade Mittagspause, weniger weil ich es wollte sondern da es einfach nicht viel zu tun gibt. Momentan sind zwei Gruppen hier, eine vierköpfige Familie aus Deutschland und zwei Italienerinnen mit Guide (sprechen kein Wort Spanisch oder Englisch). Heute ist eine sieben Personen Gruppe aus Holland abgereist, mit denen habe ich die letzten  Tage zwei Touren mitgemacht. Einer der Gruppe, Andrés, ist eigentlich Ecuadorianer und wohnt in Manta (an der Küste), hat angeboten mir surfen beizubringen, sollte ich Lust darauf haben. Vielleicht schiebe ich Quilotoa also noch ein bisschen auf und fahre in meinem ersten Urlaub nach Ayampe, ein kleines, ruhiges Dörfchen in dem es super Wellen geben soll.
Lars ist heute mit ihnen mitgefahren, geht nach Baños, habe ihm gleich ein paar Tipps hinbezüglich Hostals und Agenturen gegeben. Irgendwie doch leicht ironisch, kaum bin ich aus der Stadt weg kommt mein neuer Arbeitskollege dort an. Obwohl, mittlerweile bin ich eigentlich froh aus Baños weg zu sein, im Hostal war es zwar ok aber hier ist es so ruhig und entspannend (wenn auch manchmal langweilig).
Wenn da nur diese dämlichen Sandmücken nicht wären...
Das sind ganz kleine, kaum zu erkennende Tierchen, die man weder sehen noch erschlagen kann (zu klein) einen aber wenn man nicht aufpasst in eine wortwörtliche Buckelpiste verwandeln. Ihr solltet meine Füße sehen (Füße, nicht Beine, ich habe immer lange Hosen an um das Schlimmste zu vermeiden), die letzten zwei Nächte bin ich mitten in der Nacht aufgewacht weil die Stiche so verdammt gejuckt haben, dass ich meine Beine fast aufgekratzt habe.
Dann gibt es noch ein paar Kakerlaken, heute ist ernsthaft eine über mich gelaufen ( als sie meine Schulter erreicht habe konnte ich sie endlich wegwischen). Eine Tarantel habe ich auch schon gesehen, riesiges Vieh, richtig schön haarig. Aber das war es auch schon an Unannehmlichkeiten, außer vielleicht dass ich die Rezeption die nächste Woche immer um halb sieben bis sieben aufsperren muss. Wenn wir wieder zu zweit sind können wir uns abwechseln.

Die anderen Angestellten sind ganz nett aber ich kenne jetzt niemanden so richtig, außer vielleicht Raimiero, unseren Koch. Was der zaubern kann ist einfach göttlich, aber leider gibt es für Touristen und Angestellte verschiedenes Essen. Hin und wieder bleiben Sachen übrig oder er macht absichtlich zu viel, vor allem die Nachspeisen werden uns immer angeboten, aber normalerweise begnüge ich mich hier auch mit einer leicht abgewandelt und etwas luxuriöseren Variante von "Hühnchen mit Reis". Was das Frühstück angeht hat Lars mir eine alternative zum Angestelltenessen gezeigt (wer kann Reis, Fleisch uns vielleicht Spiegelei um 6 Uhr morgens essen?), wir warten immer bis die Touristen essen oder fertig sind und nehmen dann etwas von dem hausgemachten Brot (der Germzopf ist super) oder Omlett, Spiegelei, Müsli, was halt da ist. 

Die Zeit vergeht einerseits schnell, bleibt gleichzeitig aber stehen. Ich fühle mich wie in einer Blase in der die Ausenwelt nicht mehr wichtig zu sein scheint. Jedes Mal wenn ich mit meinen Eltern oder Freunden rede kommen mir ihre Geschichten aus Europa surreal vor, wie kann die Welt so unglaublich abgefucked sein, wie kann so viel schief gehen, wenn ich hier in dieser Oase mitten im Dschungel bin, wie kann ich glaube dass es da drausen richtig rund geht wenn ich hier nur ruhe, frieden und gar langeweile spüre?
Es klingt unglaubwürdig und leicht seltsam, ich weiß aber nach ein paar Tagen hier habe ich das Gefühl langsam in eine Art schlaf zu versinken. Wie ich das genauer erklären soll finde ich schon noch raus, vielleicht fallen mir im Laufe der nächsten Tage bessere Worte ein.
Aber bis dahin kann ich meinen derzeitigen Gemütszustand mit drei kleinen Worten beschreiben die ich viel zu selten von mir gebe: Ich bin glücklich. 
Und das ist gut so.

Samstag, 12. März 2016

Ankunft in der Liana Lodge


Um halb eins startete ich gestern aus Arosemena los, bei strahlendem Sonnenschein und Hitze die mich fast erdrückte. Gibt es etwas besseres als bei 35° in einem vollgestopften Bus zu sitzen?
In Tena musste ich dann erst einemal den richtigen Busbahnhof finden (klingt einfacher als es ist), Ticket kaufen und warten. Ich habe ja die leicht dämliche Angewohnheit immer viel zu früh zu sein, dann wartet man teilweise halt mal zwei Stunden auf einen Bus.

Die Busfahrt war unspektakulär, irgendwann, nach guten 1 ½  Stunden wurde mir erklärt ich sei da und könne aussteigen. Dazu eine kleine Erklärung, ich bin  schon einige Zeit in Ecuador,  war schon öfters im Dschungel unterwegs, habe kleine Dörfer besucht (oder gar dort gelebt) und weis, dass man den Busfahrern normalerweise vertrauen kann. Hätte ich diese Erfahrungen nicht gemacht wäre mir beim verlassen des Busses ziemlich mulmig zumute gewesen.
Einfach gesagt, da war nichts.
Ein Stück Straße im nirgendwo, eine kleine Bushaltestelle und ein Schotterwegs der nach links führte. Als ich meinen Rucksack aus dem Bus holte merkte ich nur wie mich unzählige Menschen aus dem Fenster aus anstarrten, wieso auch nicht, ich würde mich auch fragen was die Europäerin hier, mitten im Nichts, bitte tun will.
Egal, ich machte mir wenig bis gar keine Sorgen, einfach den Schotterwegs hinaufspaziert, und siehe da, zwei Häuser. Dort erklärte man mir gleich ich solle zum “Steg” und dort auf das Kanu warten. Die Anlegestelle war nicht viel mehr als ein Stein zu dem eine Treppe führte. Sehr minimalistisch.
Ich wäre fast in einen Lachkrampf ausgebrochen, die Situation kam mir doch sehr absurd vor. Irgendwie wurde ich aber auch von Vorfreude gepackt, die Vorstellung in eine Lodge im Dschungel zu gehen, einem Ort an dem es zumindest meistens ruhig und entspannt ist... manchmal braucht man das wohl einfach.

Nach zehn Minuten warten sah ich dann in der Ferne ein Kanu, groß, hätten gut 15 Leute Platz gehabt. Eine Frau stieg aus, stellte sich gleich in deutsch vor (hab ihren Namen natürlich sofort vergessen) und verabschiedet sich  wieder. Am Wocheende arbeiten niet viele.
Also ins Boot und gute 10 Minuten Flussabwärts. Die Lodge ist eigentlich sehr luxuriös, zumindest dafür, dass sie doch recht im Dschungel liegt. Es gibt einen großen “Aufenthalts bzw Essraum” der offen aber überdacht ist. Dahinter die Bar, davor die Rezeption. Hier gibt es Internet, aber kein Wifi (Laptop umsonst mitgenommen, kommt in meiner ersten Urlaubswoche wieder nach Arosemena). Auserdem Strom, wir haben im Gegensatz zu den Touristen sogar in den Zimmern elektrizität. Zwei Macs, einen Drucker, jede Menge Mappen, Zetteln und Ordner, Kunsthandwerk das vollkommen überteuert verkauft wird, weiter hinten einen kleinen Raum für Leinetücher, Kerzen und anderen Kleinkram sowie eine wirklich große und schöne Küche. Das Personal habe ich noch nicht vollständig kennengelernt, die Namen zu merken ist wieder einmal eine Herausforderung (auser bei Juan oder Angel, warum können nicht alle so simple Namen haben?). Ich habe ein Zimmer im Angestelltehaus, einfach aber recht schön. Eine super bequeme Matratze, glaube bisher die Beste in Ecuador, ein eigenes Bad, sogar mit fließen und warmen Wasser, zwei Regale, eine Wäscheleine. Die werde ich aber nie benutzen, wie mir erklärt wurde schimmelt hier so ziemlich alles irgendwann (ich hoffe inständig das meine Rucksäcke verschont bleiben) also die Leinen im Freien verwenden.

Auser mir gibt es noch einen anderen Freiwilliges, Lars, aus Deutschland, auch 19, schon seit 1 ½ Monaten hier, bleibt auch noch eine Weile. Eigentlich sollte er mich ja einarbeiten, geht aber in Urlaub, macht jetzt also irgendwer anderes. Was solls, ich vertraue dem ganzen einmal, wenn ich Ecuador eines gelernt habe, dann das alles schon irgendwie klappen wird ;)
Zumindest meistens.

Freitag, 11. März 2016

Neuer Job, neuer Start

Es ist wirklich seltsam wieder hier zu sein, ich habe einerseits das Gefühl Arosemena nie verlassen zu haben, merke aber auch ganz stark wie sehr ich mich selbst in den letzten paar Wochen weiterentwickelt habe. Vor allem die letzten 14 Tage haben mir unglaublich gut getan, auch wenn die Arbeit im Hostel keine einzigartige Erfahrung ist die ich in Europa nicht hätte machen können, hat es vor allem mein Selbstvertrauen gepuscht, mir gezeigt, dass ich doch nützlich sein kann und vor allem war es einmal eine nette Abwechslung mit Menschen zusammenzuarbeitend die nicht verschwinden sobald man anwesend ist.

Ich werde das Hostal vermissen, in etwas weniger als einer Stunde mache ich mich auf den Weg. Neue Arbeit, neuer Start, neue Leute, neue Erfahrungen. 
Hoffentlich Gute.
Ich werde in der Liana Lodge arbeiten, ist ca 1 1/2h von Tena mit dem Bus, dann noch einmal 10 Minuten mit dem Kanu. Eine nicht ganz billige Lodge, die eine deutsche Leitung oder zumindest in Zusammenarbeit mit einer deutschen Organisation steht, in der viele Einheimische arbiten aber auch ein anderer deutscher Freiwilliger. Ich bin ja gespannt, war zwar schon oft im Dschungel, aber dort für längere Zeit leben? Da stellen sich einige Fragen:
Gibt es immer fliesendes Wasser?
Wie ist das Essen?
Kann ich dort Sport machen?
Gibt es Strom oder haben sie einen Generator der nur am Abend läuft?
Gibt es Internet, bzw wenn ja Wifi oder nur Comupter?
Werde ich vor langeweile sterben?
Oder mich vielleicht in den Dschungel verlieben?

Da die Lodge doch sehr modern ist, denke ich dass es mir ganz gute gehen wird. Ich frage mich woraus mein Job bestehen wird. Außerdem weiß ich noch nicht wie ich mit meiner Freizeit umgehen soll. Ich will reisen, Quilotoa ist mein erstes Ziel, aber andererseits muss ich die Leute in Banos besuchen, in Arosemena aber fast auch vorbeischauen. Das ist alles so schwer, irgendwie, ich kann hier nicht mehr viel Zeit verbringen, ich habe diese einfach nicht. Ich will noch nach Peru.
Jaja, alles so unglaublich kompliziert, irgendwie. 

Mein Rückflug ist am 2.07. Es wirkt so nahe irgendwie, nur mehr ungefähr 3 3/4 Monate, das ist nicht lange um ehrlich zu sein. Ich glaube aber im ENdeffekt war es gut, dass ich aus Arosemena weg bin. So habe ich viel mehr gesehen, über mich selbst gelernt, neue Freunde gemacht, und auch wenn die Arbeit in der Agentur eher, ähm, sagen wir "nicht so das Wahre" war, alle Erfahrungen, auch die Schlechten, bringen einen irgendwie weiter.
Ich wünschte nur momentan es wäre nicht so heiß, bei der Hitze reisen ist ein Albtraum. 

Donnerstag, 10. März 2016

Reisen mit Papa & Dani #5 - Otavalo

Irgendwann um 8 Uhr morgens wurden wir von unserem Busfahrer auf einer Straße ausgesetzt mit den Worten "Ja, hier ist Otavalo, nur ein kleines Stück dann seit ihr da". Ein Taxi und 1,50$ später erreichten wir die Stadt dann wirklich.
Jeder der schon einmal versucht hat in einem Bus zu schlafen weis, dass man danach nicht sonderlich ausgeruht ist. Darum gingen wir den ersten Tag in Otavalo langsam an, erst einmal ins Hostal etwas essen. Papa und Dani verliebten sich regelrecht in das Frühstück, Weckerln die den Ansatz einer knusprigen Rinde haben, guter Kaffee... ich hatte nichts dagegen musste aber zu meinem eigenen Schrecken festestellen dass mir Eier abgingen. Was die Beiden nicht mehr sehen konnten war ich nach meiner Zeit hier schon zu sehr gewöhnt, Frühstück ohne Ei? Wie soll das gehen?
Jedenfalls war das Frühstück im Hostal neben dem Besuch in einem amerikanisch geführten Kaffee, dass eine Tribeka/Barista Atmosphäre hatte eine tägliche Station in unserer Zeit in Otavalo.

Nach dem Essen schlenderten wir durch die Stadt, schauten am Markt vorbei und kauften gleich ein paar Kleinigkeiten und Mitbringsel. Danach fuhren wir mit einem Taxi zum Parque Condor, einer Arte Mini-Zoo in der man Greifvögel beobachten kann, unter anderem eben Condore. Eigentlich kann man ähnliches bei uns machen, es war nicht meine erste Greifvogelschau, aber vor allem die Condore waren beeindruckend. Außerdem gab es so verdammt viele Eulen.
Wir spazierten danach in die Stadt zurück, setzten uns für mehr als eine Stunde in besagtes amerikanisches Café und nach einem Abendessen aus Morocho und Empanada ging es ins Bett. Zumindest Dani, ich und Papa gönnten uns noch einen Cocktail ;)

Condor

Dani fliegt ^^



Donnerstags waren wir im Gegensatz zum Vortag wieder frisch und munter (mehr oder weniger, Dani kann in der Früh nicht gut aufgelegt sein). Wir hatten am Vortag mit einem Taxifahrer einen Ausflug ausgehandelt, darum ging es zur Lagune Mojanda. Hierher gibt es keine Busse, nicht schlecht so vermeidet man den Massentourismus. Eigentlich wollten wir auf einen kleinen Berg hinaufwandern, liefen dann aber dank unserem Taxifahrer in die falsche Richtung und endeten damit eine andere Runde zu machen. Was solls, wir sahen drei wunderschöne Lagunen in einer Landschafft die mich an Cajas erinnerte.
Unterwegs trafen wir ein Schweizer Pärchen mit denen wir den Rest des Weges quatschten und uns die Zeit vertrieben. Schlussendlich ließen wir es uns aber doch nicht nehmen und kletterte zumindest auf eine kleinen Hügel um eine Art Gipfel zu haben. Beim runtergehen erspähten wir dann sogar ein paar andere Menschen die im ersten Moment fälschlicherweise für Flamingos gehalten wurden.
Wir hatten mit unserem Fahrer ausgemacht, dass er uns abholen würde und siehe da, kaum waren wir wieder beim Ausgangspunkt tauchte er auf. Welch ein Service ;)
Am Abend konnte ich Papa und Dani endlich einmal zu richtig gutem Streetfood überreden, Kartoffeltortillas mit Fleisch, Salat und Spiegelei.





Freitag ging es wieder zu einer Lagune, dasselbe Szenario, mit dem Taxi eine gute halbe Stunde, danach wandern. "Cuicocha" ist eigentlich ein Vulkankratersee mit zwei Inseln in der Mitte, man hätte auch eine Bootstour machen können aber das ist doch viel zu langweilig. ;)
Also wanderten wir gute 5h um die Lagune, auf und ab, eine einzigartige Fauna und Flora bestanend mit zig verschieden Blumen in den unterschiedlichsten Farben. Unterwegs gab es einige kleine Hütten und Aussichtspunkte, wir trafen andere Touristen, unter anderem eine Schülergruppe und ein paar Amerikaner die wohl nicht ganz wussten auf was sie sich einließen. Es war eine wirklich schöne Wanderung, ich nutzte den letzten Tag noch voll aus und zwang Papa in zig wissenschaftliche und politische Diskussionen.
Einziger Nachteil, die letzten paar Kilometer musste man auf der Straße zurücklegen. Recht eintönig.
Zurück in Otavalo gab es nach dem üblichen Kaffee noch ein super gutes Abendessen bei dem ich mir ein Steak gönnte (billig verglichen mit dem was es zu Haus kostet).

Dani wird geopfert ;)




Und dann kam der Samstag, der letzte Urlaubstag, ich hätte heulen können, selten führte ich mich so anhänglich auf. Wir spazierten in der früh zum Tiermarkt, ein ziemlicher Wahnsinn bei dem von Kühen und Riesenschweine bis zu Hühnern alles verkauft wird. Danach dann der normale Samstagsmarkt obwohl "normal" hier das falsche Wort ist. Der Markt ist gewaltig, er zieht sich durch alles Straßen und Gassen, die komplette Innenstadt ist abgeschlossen. Wir liefen so ziemlich alles ab, kauften hier eine Tasche, da einen Pulli, dort Armbänder und jede Menge andere Mitbringsel. Dann noch Hornado gegessen (Spanferkel) und ab nach Quito. Ich mache es kurz und schmerzlos, wir hatten einen emotionales aber tränenlosen Abschied, Dani und Papa machen sich auf zum Flughafen, ich nach Baños.
Es waren wundervolle 2 Wochen, ich hatte unglaublich viel Spaß und Orte gesehen die ich mir sogar vor ein paar Monaten nicht hätte vorstellen können. Wenn ihr das lest, vor alle du, Papa, danke für so eine geniale, aufregende und ereignisreiche Zeit!





Montag, 7. März 2016

Reisen mit Papa & Dani #4 - Selva

Am 20.02 kamen wir gegen Mittag wieder in Quito an, vom Flughafen ging es in die Stadt Gebäck holen, davor machten wir uns aber noch auf eine Kleinigkeit essen. Und dann passierte es, mein Papa der nachdem er meine Mama noch für ihre unvorsichtigkeit ausschimpfte, wurde ausgeraubt. Ich wollte im Moment des Schocks keine Wunden aufreisen aber eigentlich sollte es klar sein, dass mit dem Rucksack am Rücken durch die Altstadt von Quito zu laufen, eine schlechte Idee ist. Glücklicherweise waren weder Handy, Kamera noch Kindles weg, nur ein kleines Täschchen mit Ladekablen und Steckdosenadaptern. Naja, nur die Kamera wurde dadurch nutzlos (mussten von da an meine verwenden) und mein Papa konnte nicht mehr ständig E-Mails beantworten (wie schade...)

Nachdem wir den Schock verdaut und die Polizei ihren Bericht aufgenommen hatte (schon seltsam wenn die Touristenpolizei kein Wort Englisch spricht) machten wir uns auf den Weg zum Busbahnhof. Von dort ging es um halb 12 mit einem sogar sehr großen und schönen Bus nach Coca. Dort warteten wir eine gute Stunde auf unseren Guide Ivan, der noch mit einer anderen Frau der Agentur, Reina, auftauchte und uns mit nach Limoncocha nahm. Nach einem Frühstück irgendwo am Straßenrand (endlich probierten Papa und Dani Bolones) kamen wir zum Eingang des Reservates. Von dort ging es ab in ein Kanu (mit Motor) und wir machten uns auf zur Lodge. Normalerweise sind es 30 Minuten, aber weil wir uns Zeit nahmen, Vögel und andere Tiere beobachteten und im Endeffekt sogar Caimane (Aligatoren) sahen brauchten wir knapp 2h.
Ich finde die Lodge einzigartig, mitten im Nichts, sehr einfach, mit Bad und Klos im Freien, aber dennoch schöne Betten, mit neuen Matratzen, Moskitonetz und einem netten kleinen Aufenthaltsraum. Nach dem Mittagessen machten wir uns auf einen Spaziergang durch den Dschungel , knappe 3h un denen wir neben kleinen giftigen Fröschen, jeder Menge Insekten und Ameisen auch Vögel und Affen beobachten konnten.
So viele Affen, richtig beeindruckend.
Am Ende des Weges kommt man zu einem gigantischen Baum bei dem es sogar eine Lineane gibt auf der man Tarzanlike hin uns herschwingen kann.
Zurück ging es gleich noch einmal auf ein Kanu Piranhas fischen. Wir waren zu sechst, Papa, Dani, Ivan, Reina, unser Kanu-Fahrer und ich. Insgesamt fingen wir 13 Fische, ich nur einen, mein Papa sogar drei. Es braucht ein bisschen, ist teilweise sehr frustrierend aber auch lustig. Es wurde im Endeffekt ein richtiger Wettkampf, mein Papa meinte am Ende nur mehr "die Fische lernen dazu, essen immer nur mein Fleisch auf", fals ihr es nicht wisst, man fängt Pirahnas mit Fleisch ;)
Zurück hatten wir eine kurze Pause, dann Abendessen (Pirahnaas) und dann ein letztes mal auf das Boots Aligatoren beobachten. Wir hatten Glück, sahen einige große Exemplare und Ivan fing sogar einen Babyaligator den ich und meine Schwester dann in die Hand nehmen durften, dass hat man auch nicht alle Tage.
Die Lodge



Dani ganz mutig ;)

Der nächste Tage begann (wieder einmal) sehr früh, um 7 fuhren wir mit dem Kanu zurück nach Limoncocha um dann in ein Taxi umzusteigen, es nach 10 Minuten für ein anderes Kanu zu verlassen, dass uns dann nach Yasuni brachte, oder hätte bringen sollen. Nach ca 15 Minuten fahrt zeigten sich dass das Boot für den derzeitigen Wasserstandes des Rio Napo einfach zu groß war. Die Lösung? Wir stiegen alle aus und schoben das Boot ein Stück, hat man auch nicht alle Tage ;)
Also wir ankamen wurde nur unser Gebäck verstaut und zurück ins Kanu, ab ein Stück weiter in den Dschungel. Von unserem Anlegeplatz machten wir uns dann auf zu einer 5h Wanderung zurück zurück in die Lodge. Was wir in der Zeit sahen?
Jede Menge provisorische "Baumstammbrücken" die über kleine Flüsse führten, einen Baum in dem Mini-Ameisen wohnen die man essen kann (schmeckt nach Zitrone), weitere gigantische Bäume, unglaublich viele exotische Pflanzen, ein paar Affen, Vögel und eine kleine Vorführung wie man aus einer Art Schilf Fäden gewinnt mit denen man Schmuck machen kann (Dani bekam ein Armband). Vor allem die erste halbe Stunde war beeindruckend da wir von einem Geräuschekonzert hunderter Grillen begleitet wurden.
Als wir geschafft wieder bei der Lodge ankamen gab es erst ein bisschen Pause, dann versuchten wir unser Glück erneut im Fischen aber irgendwie wurde das nichts. Leider. Nach einem super Abendessen machten wir noch einen kleinen Nachtausflug in den Dschungel. Irgendwann bat ich alle ihre Lampen auszuschalten, nur aus Interesse. Zwar hatten wir Vollmond und man konnte Umrisse erkennen aber bei den paar Lichtstrahlen die durch das Blätterdach fallen ist man ohne Guide schnell verloren.

Boot schieben

Ich, der Guide aus Yasuni (Namen vergessen), Reina, Ivan, Dani

Essbare Ameisen
Wir fischen

Dani balanziert  

giftige Schlange




Der nächste und letzte Tage begann (wieder einmal) sehr früh. Wir fuhren mit dem Kanu ein bisschen weiter in den Nationalpark, nach einer guten Stunde kamen wir zu unserem ersten Stopp. Von hier aus wanterten wir zu einem 40 Meter hohem Turm der über dem Urwald aufragte und und eine einzigartige Sicht auf die Umgebunge rmöglichte (mit Papageien). 
Danach fuhen wir zu einem Beobachtungspunkt für Papageien, hatten aber mit dem Wetter Pech. Nach einiger Zeit gingen wir zum Boot zurück, gerade noch rechtzeitig befor der Regen über uns hereinplatze. Aber so ein Picknick im Boot, wenn drausen er Regen vom Himmel prasselt, hat auch was, bis unser Fahrer sich einbildete das Wasser von der als Dach dienenden Plastikplane entfernen zu müssen und uns alle übergoss. Egal, bei der Hitze trocknet alles schnell.
So ging es nach Mittag weiter zu einer kleinen Comunidad, dort kletterten wir auf einen zweiten Turm von dem aus wir Tukane sahen, danach bekamen wir in dem Dorf eine Vorführung traditioneller Tänze, uns wurde gezeigt wie man Chicha macht (ein fermentiertes Yuca Getränk) und ein paar andere Sachen über die Comunidad erklärt. Dann schnell zurück zur Lodge, wir packten , machten dann in irrwitzigem Tempo noch Schokolade welche mit Bananen genossen wurde und stiegen um Punkt fünf ins Kanu um unseren Bus nach Coca zu erwischen. Dort mussten wir uns dann von Ivan und Reina verabschieden.
Aber es waren drei schöne und vor allem aufregende Tage :)

Turm 1

Turm 2

Papa & Dani

Tukan
Uns wir Chicha erklärt
Die Frau rebt gerade Camote (Süßkartoffel)



Ich, Dani, Ivan, Papa, Reina, Yasuni-Guide
(Von links nach rechts)


Samstag, 5. März 2016

Vom Kellnern

Während ich auf Fotos für die restlichen Einträge über meinen Urlaub warte (schon geschrieben ;) ) dachte ich mir ich verliere mal ein paar Worte über meinen neuen Job hier in Banos der sich mit einem einfachen kleinen Wort beschreiben lässt: Kellnern. 
Ich wurde von der Agentur in das Hostal Plantas y Blanco "verlegt". Es macht mir nicht sonderlich viel aus, ich schlafe seit heute in einem 4er Zimmer, hatte die letzten zwei Tage eines für mich allein aber naja, so einen "Luxus" kann man auch nicht immer haben. Ich bekomme jeden Tag super Frühstück (gutes Brot!!!), Vormittags habe ich frei, habe die letzten Tage immer etwas mit Felicitas, einer super lieben Schweizerin gemacht, am Nachmittag bin ich dann an der Rezeption (viel herumsitzen und teilweise übersetzten), der richtige Job fängt dann gegen sechs an. Meistens bis 11/12 kellnere ich im Restaurant dass zum Hostal dazugehört. Heute ist mein vierter Tag, bisher hatte ich einen gemütlichen Abend mit ein paar Gästen, einen an dem gar nichts los war und dann gestern. Wenn ich eines gelernt habe, ich komme mit Stress unglaublich schwer klar. Gibt es etwas schlimmeres als den "wo bleibt mein Essen" Blicken der Gäste ausgesetzt zu sein? Vor allem wenn man das Gefühl kennt, ich HASSE es auf Essen warten zu müssen. Aber gestern musste ich dann auch die andere Seite kennenlernen, wer zuerst bestellt hat nun einmal Vorrang...

Wir sind zu viert, ich fühle mich zwar richtig schäbig das sagen zu müssen, aber ich habe mir die Namen der beiden Köche nicht gemerkt. Egal, also außer mir gibt es eine andere Kellnerin, Marcella, sie arbeitet seit mehr als 3 Monaten hier. Mutter zweier Kinder, kann mir nicht vorstellen wie schwer das sein muss die am Abend immer alleine zu lassen. Sie kennt sich jedenfalls viel besser aus als ich, hilft mir immer weiter und ist auch so eine total quirlige und liebe Person. 
Dann sind da die beiden Köche, eine kleine, mollige, ein bisschen ältere Frau die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Manchmal erinnert sie mich an meine Oma, einfach nur deswegen weil sie mir ständig etwas zu essen anbietet. Und dann ist da noch der relativ neue junge Koch, arbeitet seit ca 2 Wochen hier, noch ein wenig chaotischer bzw nicht ganz so die Ruhe in Person. Aber schnell, total lieb und vor allem lässt er sich so einfach von Essen begeistern. Einmal hatte ich eine Diskussion mit ihm über Kuchen mit Schlag, ja ernsthaft wir redeten mindestens 3 Minuten nur darüber das Süßspeisen mit einem Klex Schlagobers einfach viel besser schmecken (das kennt man hier normalerweiße nicht). 

Gestern Abend fing es normal an, ein paar junge Leute kamen so gegen sieben, dann noch ein Pärchen 15 Minuten später, dann noch jemand, und noch jemand, und noch jemand.... und plötzlich stapelten sich die Bestellungen ebenso wie das dreckigem Geschirr (Geschirrspüler gibt es nicht) da für deren Abwasch niemand die Zeit hatte. Ich eilte zwischen Küche und Gastraum hin und her, nahm Bestellungen auf, brachte Getränke, erklärte Spießekarten und versuchte zwischendurch noch Tische abzugräumen bzw danach abzugwischen und neu aufzudecken (schwer wenn es kein Besteck mehr gibt :P ). Dann machte ich, wie wohl jeder der noch nie in seinem Leben gekellnert hat einige kleine Fehler a la Getränke vergessen (ja jetzt weiß ich wieso man manchmal 5 Minuten auf ein Bier warten muss) oder Happy Hour falsch erklären. Mein Problem ist wohl auch, dass ich viel zu sehr mit den Gästen mitfühle, wenn jemand 15 Minuten auf eine Vorspeiße warten muss (wenn nicht länger weil zwei Köche und eine relativ kleine Küche richtig viel Stress bedeuten) bekomme ich meistens ein schlechtes Gewissen. Und es gibt kaum etwas unangenehmeres als als Kellner in der Küche zu stehe, den Köchen bei der Arbeit zu zusehen, mit dem Wissen das das Essen für die eigene Tische noch mindestens zehn Minuten dauert, die Gäste aber schon mindestens doppelt so lange warten, und unfähig zu sein irgendetwas zu tun um den Prozess zu beschleunigen. 

Schlussendlich bin ich nicht einmal mehr sicher was mir lieber ist, ein Abend an dem praktisch nichts los ist oder so einer wie gestern, an dem ich um halb eins ins Bett falle und obwohl es Freitagabend ist nicht einmal mehr den Hauch eines verlangens verspüre Fortzugehen oder auch nur ein paar Seiten zu lesen. Wenigstens hatte ich so gestern das Gefühl mir mal mein Zimmer und das viele Essen (vorteil in einem Restaurant zu arbeiten, es gibt viel und super gutes Essen) verdient zu haben. Naja, aber länger als die Woche die ich den Job mache würde ich das nicht aushalten, jedenfalls nicht ohne Bezahlung. 
Mir tut Marcella Leid, normalerweiße ist sie alleine. Aber mit der Einstellung die sie hat (immer happy) muss das halbwegs gehen. Außerdem geht es wahrscheinlich jeden Tag einfacher, sollte heute wieder so viel los sein, weiß ich schon was ich besser machen kann bzw. worauf ich absolut keinen Einfluss habe.

Mittwoch, 2. März 2016

Reisen mit Papa & Dani #3 - San Cristobal (Galapagos)

Der Tag begann noch auf Santa Cruz, wieder einmal früh aufstehen. Wir wurden von unserem Guide abgeholt, eine unglaublich nette Frau deren Namen ich leider vergessen habe, und machten uns auf den Weg nach Tortuga Bay. Da wir viel zu früh für die Massen unterwegs waren, bestritten wir den Weg (bis auf einige Läufer) alleine. Während der knappen Stundenwanderung erklärte uns unser Guide unglaublich viel über Galapagos, Die Probleme und auch Vorteile hier zu leben, wir erfuhren dass der Eintritt in ein paar Monaten auf 300$ (!!!) erhoben wird, welche Schwierigkeiten der Massentourismus bringt aber auch jede Menge Kleinigkeiten über die Tier und Pflanzenwelt.
Als Weg diente eine kleine gepflasterte Straße die sich durch die halbe Insel zog, relativ trockene Landschaft, kaum Schatten aber jede Menge Vögel und Eidechsen. Ist der Weg vorbei kommt man zuerst zu einem Surfstrand bei dem schwimmen verboten oder "nicht erwünscht" ist. Dafür sahen wir jede Menge Spuren von Schildkröten die in der Nacht an Land kamen und nach einem Ort für ihre Eier suchten, und natürlich Leguane. Der eigentlich Strand war das ein absoluter Traum, ruhiges, blaues, klares Wasser, feiner, heller Sand, umgeben von grünen Bäumen. Mehr Leguane und Seelöwen. Wir schwammen einige Zeit, ich und Dani ließen uns in alte Zeiten zurückfallen und verbrachten mindestens eine Stunde im Wasser mit jeder Menge herumgeblödel. 
Danach ging es zurück, wir suchten uns ein Taxi und fuhren ins "Hochland". Dort besuchten wir eine Farm auf der man wieder Riesenschildkröten beobachten kann, nur dieses Mal in freier Wildbahn. Ich weiß nicht wieso aber diese Tiere beeindrucken mich so sehr, obwohl sie schwerfällig und träge wirken, haben sie etwas majestätisches an sich dass ich nicht richtig erklären kann. Und sie sind so groß... Das beste waren einige Tiere die sich im Schlamm einer Lagune abkühlten, die Köpfe fast nicht mehr zu erkennen, wirkten sie wie Steine oder Statuen. 
Nachdem wir zurück waren holten wir schnell unser Gebäck und es ging auf ein Boot um nach San Cristobal zu fahren. Eine weiter 2h Bootsfahrt mit jeder Menge Sonne und offenem Meer. Den Abend ließen wir langsam und schön ausklingen, das kleine Städtchen bewundern mit seinen gefühlt tausenden Seelöwen die wirklich überall herumlagen (einziger Nachteil - der Gestank), ins Hotel einchecken und dann noch gemütlich Abendessen, super Fisch.


Schildkrötenspuren


Ein Leguan 
 


Am nächsten Tag starteten wir wieder einmal früh, wir machten eine Bootstour zum " Leon dormido" einem riesigen Felsen der eine gute Stunde von der Hafenstadt entfernt lag. Als erstes ging es in die Agentur wo wir unsere Schnorchelausrüstung anprobierten. Danach dann mit einer Gruppe Studenten aus den USA auf das Boot und los. Als wir den Felsen erreichten durfte ich mich auf das Dach des Bootes setzen. Die Aussicht was gewaltig, ganz nah fuhren wir an diesem gewaltigen Felsen entlang, das Meer war etwas unruhig, Wellen schwappten gegen das Boot und den Felsen, wir beobachteten zig exotischer Vögel und Seelöwen, teilweise musste ich meinen Kopf verdrehen um überhaupt die Spitze des Felsens erkennen zu können. Nach einer Runde mit dem Schiff zogen wir uns dann um und es ging ab ins Wasser. Die nächste Stunde schnorchelten wir um den Felsen, kämpften gegen teilweise starke Strömung und hohe Wellen an, genossen aber eine fantastische Aussicht. Leider war das Wasser nicht glasklar, aber man konnte dennoch den Ansatz des Grundes erkennen der sich mehr als 30 m unter uns erstreckte. Wir sahen eine riesige Vielfalt an Fischen, Seelöwen und Schildkröten.
Als alle wieder heil im Boot ankamen ging es zu einer kleinen abgeschiedenen Bucht in der nähe, blau-türkises Wasser, feiner heller Sand, jede Menge Pelikane und im Hintergrund Büsche und Pflanzen. Einziges Problem, ich verbrannte mir den Rücken, und zwar richtig. Aber was sollst, wenigstens waren wir tiefenentspannt.
Zurück im Hafen machten wir noch einen kleinen Spaziergang die Bucht entlang, schwammen ein wenig (der Strand den wir uns aussuchten war ebenfalls von Seelöwen besetzt) und gingen einige kleine Wege entlang die uns zu einer Statue von Charles Darwin, einer Kanone (warum die je aufgestellt wurde ist mir ein Rätsel) und dem Interpretatioscenter vorbeiführten.





Der leider letzte Tag in Galapagos begann entspannt. Wir standen auf, frühstückten, packten und machten uns dann auf das Intetpretationscenter  zu besuchen, nur diesesmal ohne Hast und mir Guide. Mehr Infos über Galapagos, die Diversität an Pflanzen und Tieren, die Probleme und
Vorteile hier zu leben und welche Umweltprobleme es gibt. Dazu etwas Geschichte und kleine Rätseln. Danach mussten wir leider schon zum Flughafen, aber schön war es.
Was sagt ich da, nicht schön, eher einmalig & genial.