Ich hatte heute einmal einen ganz miesen Tag.
Nicht weil irgendetwas fundamental schief gelaufen ist, auch war es nicht das Wetter, die Leute, Essen oder sonst ein spezieller Grund, ich merke einfach das die Lodge mir teilweise auf die Nerven geht. Genauer ausgedrückt, ich fühle mich eingeengt, ich kann nicht weg. Dazu kommt die riesige Verantwortung die ich hier doch habe, die Tatsache, dass all die Angestellte, selbst wenn sie seit mehr als einem Jahrzehnt hier arbeiten, zu mir, die ich seit zwei Monaten hier bin, kommen wenn es Probleme/Fragen gibt. Als wüsste ich alles. Mir ist klar, dass alle Dankbar sind das ich da bin und so weiter, aber manchmal habe ich das Gefühl jeder reitet nur auf den Dingen herum die ich falsch mache und sieht nicht was ich alles für die Lodge tatsächlich tue.
Jaja, ich weis schon, hauptsächlich ist es Touristen betreuen und anwesend sein wenn alle anderen Feierabend haben, aber versucht mal in Ecuador jemanden zu finden der diese Arbeit erledigt, drei Sprachen spricht und mit den Gehältern die hier üblich sind zufrieden ist.
Ok, ich muss runterkommen, ich bin unglaublich schlecht gelaunt.
Gennervt weil ich das Gefühl bekomme eingesperrt zu sein, weil das Personal manchmal so unglaublich unselbstständig ist und lieber Dinge falsch oder murrend erledigt als mir zu erklären was ich falsch mache, weil es nichts zu tun gibt und ich ich die Ecuadoriranische Grundeinstellung langsam einfach satt habe.
Vielleicht bin ich nach acht Monaten einfach überstätigt, vielleicht hat die Zeit gereicht. Das Land ist wunderschön, das würde ich nie bestreiten, mein Problem hier sind im Endeffekt wirklich die Menschen, vor allem ihre Weltansichten und Einstellungen. Nicht dass ich mir einbilde da etwas ändern zu können, eigentlich darf man über so etwas ja nicht einmal urteilen, aber ich glaube es gibt einfach Leute die eher für das Leben in Südamerika gemacht sind. Spezifischer gesagt, die für das Leben am Land in Südamerika gemacht sind, Großstätte sind, wie ich schon gefühlte hundert Mal erwähnt habe, anders.
Ich will nach Peru, ich will reisen, ich will ein bisschen mir mir alleine sein, auf eigene Faust diesen Kontinent erleben. Ja, eigentlich sogar als Tourist, mehr Leute aus anderen Ländern kennenlernen, die bekannten Sehenswürdigkeiten abklappern, endlich einmal am anderen Ende der Tourismusindurstrie stehen. Das ist nämlich ein weiterer Punkt der mich zermürbt, das ewige Lächeln, die Engelsgeduld, das akzeptieren aller Sonderwünsche, das sofortige und schnelle aufspringen, alles liegen und stehen lassen um die Kunden möglichts glücklich zu machen. Ich mag diesen Teil der Arbeit eigentlich am meisten, das mit Menschen umgehen, freundlich mit den Reisenden plaudern, ihnen meine Erfahrungen von Südamerika mitzuteilen, Tipps zu geben, usw. Aber ich kann nicht einfach aufhören motiviert und freundlich zu sein nur weil ich müde bin, Kopfweh habe oder einfach nicht den besten Tag erwischt habe (wie heute). Das künstliche Lächeln saugt mich aus, es gibt nichts zermürbenderes als innerlich demotiviert, müde und lustlos zu sein aber nach außen das selbe alte Lächeln aufsetzen und zu unterhalten so gut es eben geht.
Ich freue mich auf zu Hause, ich freue mich auf Europa. Vor allem auf die Menschen. Ja sie mögen zurückhaltender, verschlossener und kälter sein, dafür kann ich mit ihnen wieder über Themen reden die mich interessieren, werde nicht für Meinungsäußerungen ungläubig angeschaut oder bekomme das Gefühl einfach nie Teil des hiesigen Lebens werden zu können.
Ecuador ist ein wahnsinnig schönes Land, ein Land in dem man sich verlieren kann, in dem die Menschen unglaublich aufgeschlossen und freundlich sind. Aber im Endeffekt ist es nichts für jeden, nicht für immer. Vielleicht würde ich es anders sehen, wäre ich älter, erfahrener, weltgewandter, aber momentan freue ich mich irgendwie doch sehr auf Österreich, meine Familie, meine Freunde, meine Welt.