Dienstag, 22. November 2016

Ich glaube ich bin glücklich

Ich habe eigentlich keine Zeit weil ich für meine Steop lernen sollte -.-´
Aber nur um einen kleinen Gedanken in die Welt hinauszuschicken:

Kann es sein dass man sich emanzipieren muss um wirklich glücklich zu werden?
Kann es sein dass erst eine neue Stadt, ein neues Leben, neue Menschen, ein neues Umfeld, einem die Augen öffnet und man sieht wie schön die Welt eigentlich ist?
Warum habe ich bis heute nie gemerkt was ich an meinem Leben immer hatte?
War ich blind?
War ich anders?
Fühlt es sich wirklich so an glücklich zu sein?

Denn trotz all des Lernstresses und dem Druck (der jetzt eigentlich noch nicht der Rede wert ist) fühle ich mich irgendwie großartig. 
Auf eine seltsame Art und Weise.
Kann es sein, dass ich fast 20 Jahre gebraucht habe um endlich das zu finden was ich immer wollte?
Ein Leben, dass ich nicht ändern will, das mir passt, das trotz Aufs und Abs, trotz Kleinigkeiten die noch nicht ganz passen, irgendwie einzigartig und perfekt für mich ist?
Wie kann das plötzlich so einfach sein?

Freitag, 30. September 2016

Weg von zu Hause

Alleine wohnen ist ganz anders und doch so ähnlich wie zu Hause sein.
Vielleicht fehlt die Aufregung weil ich das ganze letzte Jahr allein gelebt habe, nie so wie jetzt, mit all den Verpflichtungen, aber dennoch weg von zu Hause. Es gibt so vieles an das man nicht denkt wenn die Eltern die Herren im Haus sind. 
Einkaufen zum Beispiel. 
Was man alles braucht, allein um einfach zu kochen. Gewürze, Messer, Schneidbretter, ein Wasserkocher, Öl und Essig, so viele Alltäglichkeiten über die man in den alten vier Wänden nie nachgedacht hat. Die Unterschiede welche Geschäfte man besucht, welche Lebensmittel gekauft werden, was gegessen wird. Einkaufen fasziniert, es ist eine Kunst für sich. Nirgends kann man so viel Geld unwissend unnötig ausgeben.
Wer denkt auch an so etwas? Wer achtet auf diese Kleinigkeiten?

Putzen ist auch so eine Sache. Wenn es plötzlich keine Putzfrau gibt, die Eltern einem nicht mehr ständig an das etwas versaute Zimmer erinnern, wann rafft man sich auf und kümmert sich darum? Ist eine Woche ohne Staubsaugen zu viel oder gehen eigentlich auch zwei? 
Darf man Pfannen in den Geschirrspüler räumen? Wie oft sollten Fenster geputzt werden? 
Wie viele 19-Jährige wissen das schon?
Es geht, erstaunlich gut sogar, ich lebe nicht gerne im Dreck. Man muss nicht übertreiben aber ein wenig putzen hilft. 

Aber der erstaunlichste Unterschied ist, dass man sich nach niemandem mehr richten muss. Es klingt banal, ist aber herrlich. Na klar, ich habe meine Mitbewohner, aber das ist etwas anderes. Egal wie man es dreht und wendet, bei den eigenen Eltern ist man nie gleichberechtigt, es gibt eine gewisse Hierarchie. Aber hier kann ich an Dinge herangehen wie ich will, niemand bestimmt indirekt mein Verhalten. Und das ist ein wunderschönes Gefühl, ausziehen ist eine der besten Entscheidungen die man als junger Erwachsener treffen kann :D

Sonntag, 18. September 2016

Wie ich mit Melancholie umgehe

In letzter Zeit falle ganz oft in gedacht hinter mir gelassene Gewässer zurück.
Viel zu oft erwische ich mich dabei aus Fenstern zu starren, den Blick auf einen nicht festzumachenden Punkt in der Ferne fixiert, Gedanken schweifen lassend und in Tagträumend versinkend, so tief dass ich die Realität um mich herum gar nicht mehr wahrnehmen.
Es ist Melancholie.

"Ein bisschen Melancholie, ist manchmal ok
ein bisschen traurig sein, und den Grund nicht verstehn"
Um es mit den Worten von Kraftklub zu sagen, irgendwie hatte ich immer schon das Gefühl, dass sie meine Wahrnehmung dieser Gemütseinstellung ziemlich gut beschreiben. Ich bin nicht depressiv oder neben der Spur, ich weiß dass momentan alles nach Plan verläuft, mein Leben in eine neue, aufregende Richtung zusteuert und ich freue mich auf die Zukunft.
Aber ist es nicht normal abgeschlossenen Lebensabschnitten hinterherzutrauern?
Weinen wir nicht alle dem Vertrauten und Bekannten nach, wenn man sich kurz von einer noch nicht geöffneten Tür befindet?

Aber damit dieser Post nicht nur wieder eine Beschreibung meiner Gefühlswelt wird und ich beweisen kann das mein vorrangiges Ziel mittlerweile doch der Weg zum Optimismus ist, will ich hier ein paar meiner Wege verraten mit Melancholie umzugehen:
  • Heiße Milch mit Honig. Ob das jedem oder nur mir hilft weis ich nicht aber mich holt es immer wieder aus diesen seltsamen Stimmungen hervor. Alternativ funktioniert auch Chai mit viel Milch (und Honig)
  • Lesen, aber keine Liebesromane, Selbstfindungsbücher oder Lebensgeschichten. Am besten sind Thriller, Krimis oder eventuell Fantasy. Mir hilft John Grisham momentan erstaunlich gut.
  • Sport. Eine halbe Stunde laufen, einen Spaziergang machen, eine Runde mit dem Rad drehen. Egal was, wie kurz oder wohin, Sport vertreibt trübe Gedanken. 
  • Und von Sport kann man auch gleich auf den nächsten Punkt überleiten, das Haus verlassen. Einfach rausgehen, im besten Fall bei Sonnenschein. Hilft, immer.
  • Listen schreiben, Pläne machen, sich schöne Sachen für die Zukunft ausdenken. Aber auch Negativfälle durchegehen, sich worst-case-scenarios vorstellen und überlegen wie man damit umgehen könnte. Nicht um in Panik zu verfallen sonder damit man  realisiert, dass selbst der schlechteste Fall noch lösbar ist.
  • Einfach einmal eine halbe Stunde nichts tun, sich zwingen einen bequemen Ort zu suchen, eventuell Musik anmachen, und entspannen. Daligen, die Decke anstarren und das Leben, die Ruhe genießen. Wir tun das so selten.
  • Reden, mit vertrauten Personen offen Sprechen. Egal wie banal und dämlich manche Ängste klingen, es sind reale Ängste und Befürchtungen und sie auszusprechen tut immer gut.
  • Melancholie einfach zulassen, manchmal kann man nichts tun als eine Stunde aus dem Autofenster zu starren, leicht traurige Musik zu hören und in den eigenen Gedanken zu versinken. Es ist nichts dabei, es ist ok, solang man es nicht übertreibt.
    Melancholie kann auch schön sein, zu kreativen Ideen anregen und eine bittersüße Würze über einen Tag streuen.

Mittwoch, 14. September 2016

Auf nach Wien

Nur um all diejenigen die es noch nicht mitbekommen haben zu informieren;
ich ziehe nach Wien. 
Wien, die Hauptstadt von Österreich. Die einzige Metropole, Großstadt, fast 1,8 Millionen Einwohner. Im Vergleich wirkt Graz wie ein Dorf mit seinen 265.000. 
Ein Tapetenwechsel, ein Neuanfang, anders, aufregend.
Ich habe eine Wohnung mit zwei anderen Mädels, ich bin an der Boku inskrepiert, habe sogar einen Studentenausweis. In ein paar Wochen fängt die Uni an, nach mehr als einem Jahr muss ich wieder lernen, mich doch endlich einmal um meine Zukunft kümmern.
Freue ich mich?
Natürlich.
Habe ich ein bisschen Angst?
Logisch.
Glaube ich dass alles gut wird?
Ja, ich bin positiv. 

Heute geht es wieder einmal rauf, ein paar Möbel zusammenbauen, einrichten. Mein Zimmer ist komplett, es fehlen nur Kleinigkeiten, Pölster, eine Lampe, Deko, Vorhänge. Aber leben kann ich in Wien schon, sogar meine Matratze steht bereit.

Nur loslassen ist doch schwerer als gedacht. Jetzt wo ich weggehe fällt mir auf das Graz seine Vorteile hat, es ist klein, man kommt überall mit dem Rad hin, nicht zu viele Menschen, nicht zu viel Verkehr, es gibt genug ruhige Orte. Die Altstadt ist schön, der Schlossberg ist einmalig, aber ich glaube weggehen ist dennoch die beste Entscheidung. Immer am gleichen Ort bleiben und sich als Mensch weiterentwickeln passt einfach nicht zusammen.

Freitag, 9. September 2016

Ein Erklärungsversuch

Es ist drei Monate her.
Oder mehr? Weniger? Ich kann es nicht mehr sagen.
Auf dem Balkon in der Wohnung meiner Mama sitzend, die Sonne geniesend, das Wissen, dass sie nicht wie im letzten Jahr üblich um 6 untergehen wird, die Wärme in mich aufnehmend, welche in ein paar Wochen der Vergangenheit angehört, aus einer Stimmung heraus endlich den Mut aufbringend mich wieder diesem einem kleinen Hobby zuzuwenden, bin ich nun hier, nach Erklärungen ringend.
Wieso habe ich nicht geschrieben?
Nicht einmal einen letzten Post? Eine Verabschiedung, ein paar Fotos, einen kurzen Reisebericht, eine Erklärung? Ich habe nichts auser Ausreden vorzubringen, leider.

Kurz und einfach gesagt, ich war überfordert. Ich glaube nicht das irgendjemand ,der so etwas nicht in der gleichen Phase seines Lebens wie ich im letzten Jahr durchgemacht hat, verstehen kann wie ich mich fühlte und immer noch fühle. Das war ein Jahr voller neuer Erlebnisse, ein Jahr voller Aufs und Abs, voller neu zu bezwingender Stufen und altbekannten Hindernissen. Ein Jahr das mir meine eigenen Schwächen schmerzhaft vor Augen geführt hat und mich gleichzeitig zwang sie zu überwinden.
Habe ich mich verändert?
Ich weiß es nicht genau, irgendwie schon, aber nicht nur im Guten. Ich habe einiges Verloren, vieles gewonnen, aber ich bin froh weggegangen zus ein. Jeder Fehler war eine Möglichkeit Neues zu lernen, jede unangenehme Situation und jede vorführung meiner eignenen Schwächen hat mir gezeigt woran ich arbeiten muss.
Und jetzt bin ich wieder hier, und es kommt mir so vor als ob sich nichts geändert hat. Ja, meine Schwester ist größer und reifer, da sind die neuen Stühle bei meinem Papa, das neue Geschirr bei meiner Mama, Kleinigkeiten, aber im Endeffekt sind alle Menschen um mich herum die Gleichen. Es war so schön weg zu sein, von all dem Druck, dem Stress, der Frage nach der Zukunft und dem Leben die mich Momentan mit voller Härte trifft und ein im letzten Jahr so einfaches Leben wieder verworren und unverständlich macht. Es tut fast weh auf diese 10 Monate zurückzuschauen, es fühlt sich an als wären sie nicht echt, wie ein Tagtraum. Darum denke ich nicht oft zurück, es sind so wertvolle Erinnerunge, ich will sie nicht mit dieser seltsamen Traurigkeit und Melancholie bedecken die momentan über meinem Leben schwebt.

Werde ich zu sentimental? 
Wahrscheinlich.
Im Endeffekt will ich mich entschuldigen, für die Monate ohne Lebenszeichen, für die nicht gezeigten Fotos und geteilten Erinnerungen. Ich will weiter schreiben, über Wien, meine neue Wohnung, meine Mitbewohner, die Uni, das Studium. Ein neues Abenteuer, ich weiß. Jeder schwärmt von der Uni, ich hoffe ich erwarte nicht zu viel. 
Aber um in einem letzten Satz meine Abwesenheit zusammenzufassen, zu erklären, egal wie schön und aufregend die Uni wird, ich werde nie wieder so frei, so spontan, so unbekümmert durch mein Leben spazieren können wie im letzten Jahr. Und mir das einzugestehen ist schwer, schwerer als alles andere.
Ich hoffe ihr versteht das.


Montag, 6. Juni 2016

Kleines Update aus Peru

Ich sitze gerade in einem Internetcafé in Peru, Jaen. Keine sonderlich schöne Stadt, bin aber nur auf der Durchreise nach Chachapoya. Egal, ich wollte eigentlich nur den Computer einmal nutzen und den Leuten die meinen Blog lesen sagen das es mir gut geht. Vilcabamba war genial, richtig traumhafte Gegend, super Hostal, total nette Leute, wollte gar nicht mehr weg.
Die Anreise heute war, trotz hauptsächlich herumsitzen, doch recht anstrendgend. Und natürlich habe ich vergessen bei meiner Bankomatkarte Geo Control auszuschalten, die letzte halbe Stunde bin ich halb Panisch von Bank zu Bank gerannt und überlegte schon wie ich mit meinen knapp 200$ ein Monat überleben kann. Bis der Geistesblitz kam... darum bin ich jetzt hier.
Aber morgen geht es ja weiter, ich freue mich auf Kuelap, auf Chachapoya und vor allem schon auf Huaraz. 
Santa Cruz Trek ich komme!
Eine lustige Kleinigkeit, ich wurde heute ungefähr 5x gefragt ob ich tatsächlich alleine reise und mir das keine Angst hat. Entweder bin ich eine unglaublich furchtlose Person, Peruaner haben keine Ahnung von reisen oder ich unterschätze die Kriminalität hier. Ich hoffe einmal es ist zweiteres (oder ersteres ;) ).

Nur um gleich eine kleine Vorwarnung zu geben, es kann gut sein, dass ich meine Perureise nie so detailreich in diesem Blog beschreibe wie meine Ecuadorreisen. Ein Monat ist lange, und für ein Monat Berichte nachzuschreiben... Ich habe mein Tagebuch wieder, verwende das momentan exzessiv und alles tagtäglich zwei Mal festzuhalten (einmal im Handy) schert mich momentan einfach nicht. Also bitte nicht böse sein.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Abschiede

Ich habe ein paar grauenvoll schöne Tage hinter mir.
Zuerst einmal die Lodge verlassen, einfach war es nicht. Die Leute sind mir doch sehr ans Herz gewachsen, das Ambiente ist einfach genial und ich hatte die letzten Wochen einfach unglaublich viel Spaß. Nicht zuletzt wegen Jan, wenn man der Sohn vom Chef ist hat das doch einige Vorteile (wie, man darf jederzeit Kanus für was weis ich nicht alles nehmen).
Aber alles schöne geht irgendwann vorbei und so gibt es Platz für neue Erlebnisse, Bekanntschaften und Entdeckungen. 

Dann war da natürlich Arosemena, ich dachte immer ich könnte das Dorf ohne Probleme verlassen aber wie das am Ende immer ist sieht man plötzlich alles durch eine rosarote Brille. Ich merkte wie nett und lieb doch alle Leute sind, wie sehr mir das Dorf mit seinen einfachen kleinen Straßen, den gefühlt tausenden Hunden, den wenigen Autos, dem Fluss und dieser unendlichen Ruhe doch fehlen wird. Ich habe mich mit Gabriella, einer der Lehrerinnen aus der Volksschule mit der ich mich immer super verstanden habe getroffen, wir waren ein bisschen in Tena. Dann hatte Ana-Paula, die Enkelin von Edwin und Sonnia Geburtstag, und auch wenn Kindergeburtstage nicht meins sind war es doch einfach unglaublich süs, und vor allem eine Möglichkeit einen Großsteil der Familie wieder zu sehen und tschüs zu sagen. Am Samstag war ich dann noch ein bisschen fort, ein letztes Mal mit Reggaeton Zugedröhnt bevor es endgültig zu viel wird, am Montag dann noch einmal eine Runde durch die Schule gedreht, mich wieder tränenreich von allen verabschiedet und das war es dann schon. Auf nach Quito.
Im Endeffekt, auch wenn es nicht immer toll war, ich werde das alles vermissen. Sowohl die Lodge, als auch Arosemena, und sogar Baños wo ich momentan gerade bin. Es war einfach ein geniales Jahr mit aufs und abs aber egal welche Erfahrungen man macht, man lernt immer dazu.
Momentan in Baños merke ich wie viel besser es hier war als ich es in Erinnerung hatte, vor allem die Leute von Hostal sind einfach alle so lieb, von Mayra wurde ich gestern und heute zum essen eigeladen, im Restaurant meinten alle wie sehr sie mich vermissen und sogar Juan war mir plötzlich viel sympathischer (wahrscheinlich weil er nicht mehr mein Chef ist). 
Einfach gesagt, ich werde Ecuador vermissen, höllisch sogar.
Die Leute, die Landschaft, die Freiheit, das Leben. 
Europa ist schön, wunderschön, und für immer könnte ich hier nicht bleiben. Vielleicht ist es auch nur die Tatsache, dass ich zu Hause wieder all diese Verantwortung habe, aber ich will nicht weg. Einfach noch nicht jetzt...
Ich hoffe Peru war das alles wert, ich hätte gerne noch eine Woche in Arosemena verbracht und wäre ein paar Tage in Baños geblieben. In ein paar Stunden habe ich einen weiteren Abschied vor mir, wie soll das gehen?

Noch eine Kleinigkeit, ich weis nicht wie und wo ich in Peru Internet haben werde wundert euch nicht wenn im nähsten Monat wenig bis gar nichts neues kommt. Nur als Vorwarnung, tut mir Leid.

Freitag, 27. Mai 2016

Quilotoa Loop - Von Isilnivi nach Sigos

Der letzte Tag, aber vielleicht auch besser so, ich merkte schon wie ich an allen möglichen Stellen auf meinen Füßen Blasen bekam. Das Llullu Llama zu verlassen viel mir nicht leicht, es ist doch ein super bequemes Hostal, mit tollem Essen, einem Traumambiente und wirklich nettem Personal. Die suchen dort übrigens auch immer Freiwillige, auch wenn man ansscheinend keinen Tag die Woche frei hat.
Ich habe auch hier einige nette Leute kennen gelernt, unter anderem eine Familie aus den USA mit denen ich und ein anderer Deutsche beim Abendessen ewig Gespräche über Politik führen. Vor allem als es um die anstehenden Wahlen in den Vereinigten Staaten ging wurden sie sehr emotional, wie Trump jemals so weit kommen konnte war jedem ein Rätsel, aber Clinton scheint auch nicht beliebt zu sein.

Llullu Llama

Isilnivi



Ich startete etwas später als sonst, so gegen 9 ging es los. Aus Isilnivi hinaus durch ein Mini-Tal in dem sich mir prompt ein Esel in den Weg stellte und diesen einfach nicht mehr verlassen wollte. Ein Stück die Straße entlang und bei einem kleinen Eukalyptuswäldchen (ich wusste nicht dass es solche Bäume in Ecuador gibt) in eine weiteres Tal abgebogen. Auf dem Weg lief ich an einer kleinen Orchideen "Plantage" vorbei, viele weise Blüten, unglaublich schön. Irgendwie hatte ich aber nach drei Tagen die Stille der Berge ein wenig satt, ich gebe zu mich die letzten zwei Stunden mit Musik beschalt zu haben.
Unten im Tal wieder einmal eine Brücke überqueren, dann wieder eine Straße entlang und schlussendlich den Berg auf der anderen Seite aufsteigen. Wieder einmal vorbei an jeder Menge Kühe, ein paar Einheimischen, einem kleinen Hunde der mich in einer Lautstärke anbellte, dass ich es mit der Angst zu tun bekam, und irgendwann nach Sigos.

Eucalyptus



In das Taal hinab

Erinnert an die Alpen...

Blick zurück



Es war doch irgendwie die unspektakulärste Wanderung, auch die kürzeste nebenbei. Hätte ich nicht ein, zwei Pausen gemacht, hätte ich da Dorf in drei Stunden erreicht. Dennoch, ein schöner Abschluss zu drei genialen Tagen in den Bergen, mit wunderschöner Landschaft, tollen Panoramaausblicken und wieder einmal jeder Menge netter Menschen.
In Sigos nahm ich einen Bus zurück nach Latacunga, zwei Stunden noch einmal die wunderschönen Berge sehen und bestaunen, ich konnte mich gar nicht satt sehen. In Latacunga angekommen ging es zurück zu meinem Hostal, erst einmal meine Sachen abholen, dann meine Füße verarzten. Ich traf durch Zufall eine Frau die ich schon in Ayampe am Tag des Erdbebens kennegelernt hatte. Wir gingen später zusammen Eis und dann Mexikanisch essen (ich weiß, normalerweise wäre das anders herum) und ich gab ihr Tipps für den Quilotoa Loop.
Doch, im Endeffekt war es ein großartiger Urlaub und auch ein toller Abschluss. Auch wenn ich realisiere, dass ich die Lodge extrem vermissen werde.... ich freue mich auf Peru und die Berge.

Mittwoch, 25. Mai 2016

Quilotoa Loop - Von Chuchilan nach Isilnivi


Chuchilan war ein super Zwischenstopp, das Hostal war ganz nett, vor allem die Besitzer super lieb. Beim Abendessen erklärten sie uns, dass der Canyon wahrscheinlich noch nicht begehbar sein würde und sie es sich am nächsten Tag anschauen müssten. Nach langem diskutieren beschlossen die anderen Reisenden die den Loop in die entgegengesetzte Richtung machten den 6 Uhr früh Bus zu nehmen und direkt zur Lagune zu fahren. Auch eine Lösung.
Ich stand gemütlich um ca 7 auf, frühstücken, packen, und dann so gegen 8:30 ging es auf nach Isilnivi. Im Gegensatz zum Vortag schaffte ich es mich gefühlte 100x zu verlaufen. Erste Komplikation, man geht ca eine halbe Stunde die Straße entlang bis es irgendwo eine kleine Abzweigung gibt. Mein Problem, auf der Karte stand nur "2 km", wer weiß schon wann 2 km vorbei sind. Ich fragte gefühlt alle 10m Einheimische um die Abzweigung (von der mir im Hostal gesagt wurde sie sei sehr leicht zu übersehen) auch wirklich zu finden. 
Glück gehabt, richtige Person gefragt und ich wurde auf den Weg nach Isilnivi geschickt. Der Weg früh in eine Art mini Schlucht hinein, danach geht man ein Stück an richtig Steil in ein Tal abfallenden Felswänden entlang bis der Weg dann durch einfache Hügellandschaft zu einem "Dorf" (zwei/drei Häuser, mehr ist das nicht) kommt von wo es wieder durch eine Felswand geht wonach man ein weiteres mal eine gewaltige Aussicht auf ein Tal hat. Ersteres war schon umwerfend schön, so grün, so viel Bäume, so viel Vegetation... und dazwischen Häuschen und Bauernhöfe, arbeitende Menschen, irgendwann plötzlich ein Bagger...
Aber das zweite Tal war der Wahnsinn, dieser Ausblick. Ich schwöre, für 10 Minuten stand ich einfach nur an einer Felskante und starrte. Starrte in das Tal hinab durch das sich eine kleine Forststraße zog, vorbei an Häusergruppen, einer Kirche, einer Schule, in ein Tal das von einem kleinen Fluss durchzogen wurde, von Feldern und kleinen Wäldchen , wie aus einem Film, eine Szene bei der mein erster Gedanke "Green Screen" wäre. Dann die Felswände auf der anderen Seite, steil, majestätisch, scheinbar unbezwingbar, und dennoch grün, bewachsen, fast freundlich, warm. Eine Landschaft, ein Ausblick, der die Liebe zu den Bergen, die Liebe zum Wandern wieder in meinen ganzen Körper und Geist aufblühen lies und für ein wunderschönes Glücksgefühl sorgte das mich den restlichen Tag lang begleitete.

Hostal Cloud Forest

Tal 1

Tal 1

Tal 2

Tal 2


Nach einem langen Abstieg (meine Jacke waderte endgültig in meinen Rucksack) durchquerte ich das Dorf und musste bei einer bestimmten Weggabelung zu dem kleinen Fluss hinunter abbiegen. Natürlich nahm ich den falsche, der durch mich Maisfelder in eine Art Sumpf irgendwie an das Wasser brachte. Da ich aber wusste, dass der Weg irgendwo vor mir sein musste, schlug ich mich durchs Unterholz, hoffend irgendwann einmal einen Pfad zu erreichen der nicht nach zehn Metern im Nichts enden würde. 
Und siehe da, eine gute viertel Stunde später war ich wieder auf dem richtigen Weg. Eine halbe Stunde am Fluss entlang, vorbei an jeder Menge Stiere die mitten am Weg standen und Mittangsschläfchen hielten, vorbei an einer großen und stabilen Bücke, vorbei an kleinen Wäldchen und freien Weidewiesen. Irgendwann erreichte ich einen Baumstann der über den Fluss führte, konnte aber einfach nicht glaube, dass das die zweite Brücke sein sollte. Nachdem der Weg nach weiteren 5-10 Minuten immer undeutlicher und schwerer zu erkennen wurde sah ich meinen Fehler ein und drehte um. Ich hasse Baumstammbrücken ohne Gelände, im Schneckentempo, versuchend den Fluss unter mir zu ignorierend, balancierte ich über den Stamm nur um danach wieder zehn Minuten nach dem richtigen Weg zu suchen. Die nächste Stunde war einfach, mir kamen einige Gruppen von Riesenden entgegen, dann kann man sich wenigstens nicht verlaufen. Einmal wäre ich beinahe an einer Weggabelung falsch abgebogen, sah im letzten Moment aber das der von mir gewählte Weg in einen fremden Garten führte.
Dann ging es auch endlich wieder bergauf, hinaus aus dem Tal. Hier begann ich zu bemerken, dass drei Monate ohne Sport in einer Lodge im Dschungel rumzusitzen seinen Preis verlangt und keuchte ein paar hundert Höhenmeter durch eine Schlucht aus dem Tal. Dafür wurde ich wieder mit wahnsinnig schönen Aussichten belohnt und traf eine nette alte Dame die vor mir einen inneren Monolog darüber hielt wie absurd es doch sei zum Spaß alleine durch die Berge zu wandern und die ganze Zeit nur Fotos machen.

Schaal gegen die Sonne

Die "Brücke"

Am Fluss entlang

Traumaussicht


In Isilnivi übernachtete ich im Hostal Llullu Llama, wirklich wahnsinnig schön, "teuer" mit 18$ die Nacht, Frühstück und Abendessen, dafür gab es unglaublich bequeme Betten, das ganze Gebäude war richtig schön und einladent, ich bin wieder ein paar netten Leuten begegnet und das Essen war umwerfend. Also über den Preis kann man sich eigentlich nicht beschweren.

Quilotoa Loop - Von Quilotoa nach Chuchilan



Endlich, nach einem ziemlichen Horror-Tag kam ich am 18.05 am Abend endlich in Quilotoa an. Wieso Horror Tag? Hat mit wählen zu tun, einer zu spät gekommenen Wahlkarte, einer unfreundlichen Sekretärin im österreichischen Konsulat in Quito, einer Odyssee durch die Stadt bei brennender Hitze mit einem schweren Rucksack am Rücken und einer im Endeffekt fast schon hysterischen Martina. Wer mehr über die Geschichte wissen will kann mich persönlich fragen, ich habe einfach nicht die Nerven dass Momentan schon wieder durchzugkauen. Da konzentriere ich mich lieber auf die guten Seiten meiner Reisen, das Wandern.
Ich habe im „Alpaca“ Hostal übernachtet, 15$ für die Nacht, Abendessen und Frühstück, die Betten waren warm, das Wichtigste bei dieser Kälte. In der Früh bin ich um 6:45 aufgestanden und sofort zur Lagune hinaufgelaufen (ein Weg von 3 Minute), ein gewaltiger Ausblick, vor allem in den ersten Sonnenstrahlen. Ich habe kurz mit einem Deutschen gebplaudert der dieselbe Idee hatte und netterweise ein Foto von mir (und einem Hund der sich weigerte aus dem Bild zu gehen) machte.

Hostal Alpaca

Quilotoa (Dorf)

Die Lagune

Ilinizas


Nach dem Frühstück wollte ich schnell zur Lagune hinunterwandern bevor es weiter nach Cuchilan ging. Mit einer Wasserfalsche, Kamera, Jacke und Schall machte ich mich auf den Weg. Die Sonne war die Hölle, meine Jacke zog ich trotz Hitze nicht aus, mein Schal wurde kurzerhand in ein Kopftuch umfunktoniert. Die Landschaft bei Quilotoa ist der Wahnsinn, nicht nur das da mitten in den Bergen eine riesige blau/türkise Lagune liegt, es ist trotz der fast 4000m unglaublich grün, überall Gras und Moos, hunderte gelbe und lilane Blumen, einfach gesagt unglaublich beeindruckend. Unten am See angekommen wanderte ich wieder einmal abseits des eigentlichen Weges bis zu einer kleinen Bucht mit grün/türkisem Wasser kam. Ich weiß gar nicht wie ich den ganzen Moment beschreiben soll, ich erinnere mich nicht wann ich das letzt Mal so frei und glücklich war, nichts außer mir, den Bergen, der Lagune und unglaublich vieler gelber Blumen.
Aber irgendwann gehen auch die schönsten Momente vorbei und da ich noch einen ziemlich weiten Weg vor mir hatte drehte ich irgendwann um und ging den ganzen Weg zurück. Einen mehr oder weniger gut befestigten Sand/Schotterweg, die paar hundert Höhenmeter zum Dorf hinauf, in der heftigen und brennenden Sonne, ich habe schon angenehmeres erlebt. Beim Rückweg lief ich zwei Deutschen über den Weg die schon in meinem Hostal waren, Vater und Sohn, letzterer lebt in Quito/Cumbaya, habe mit ihm ein wenig über Ecuador geplaudert. Er erklärte mir, dass der Weg zur Lagune noch vor 3 Jahren noch fast unbewältigbar war, bei jedem Schritt versank man Knöcheltief im Sand.


Der Weg hinab/hinauf

Irgendjemand wollte sich verewigen ;)





Oben angekommen holte ich schnell meinen Rucksack aus dem Hostal. Der Weg nach Chuchilan ist eigentlich nicht schwer, die Lagune zu ca 1/3 umkehren, dann lauf Karte bei einer sandigen Stell Absteigen, zu einem kleineren Dorf, durch einen Canyon, die andere Seite hinauf und insgesamt 5/6 Stunden später sollte man da sein. Ganz so einfach war es dann leider nicht, zuerst Einmal gibt es mehrere sandige Stellen von denen zig Wege in das Tal hinunterführen, aber irgendwie habe ich dann wohl doch den richtigen erwischt. Vorbei an Wegstellen die mit feinem, weisen Sand gefüllt waren (wie Griechenland im Sommerurlaub), kleinen Kieferwäldern, wieder einmal mit gelben Blumen überfüllte Hänge hinunter, vorbei an jeder Menge Häuser und Felder, Schulkinder und gelegentlichen Autos erreichte ich dann besagtes Dorf. Dahinter eine Forststraße entlang, unterwegs traf ich Frederik, einen Franzosen, lebt in Mexico, wir sprachen nur Spanisch.
Dann die große Überraschung, der Canyon war gesperrt. Eine Erdrutsch hat große Teile des Weges verschüttet, nach einigen hin und her überlegen und genauem betrachten waren wir uns eigentlich beide einig, dass die Canyondurchquerung das Risiko nicht wert war. Um es genauer zu sagen, es wäre möglich gewesen, aber die Chancen dabei drauf zu gehen waren mir einfach zu hoch. Wir berieten uns ca 20 Minuten mit ein paar 4-10 Jährigen Mädchen die in der Nähe wohnten und beschlossen im Endeffekt zurück ins Dorf zu gehen und nach einer Mitfahrgelegenheit zu suchen. Ausschlaggebend war das Argument einer Kleinen die meinte sie wüsste zwar nicht genau wie weit man um den Canyon herumgehen müsste, aber vor Dunkelheit würden wir wahrscheinlich nicht ankommen. Und siehe da, die Kleine hatte recht, nachdem wir den einen Mann in dem Dorf gefunden hatten der ein Auto besaß und uns zu einem (für Ecuador) Wucherpreis mitnahm, sahen wir ein, dass gehen keine Option gewesen wäre. Immerhin fuhren mir ca eine halbe Stunde mit dem Auto um den Canyon herum, ungefähr 20km, dafür war das Panorama beeindruckend. Frederik gab mir Spanischnachhilfe (er unterrichtet) und ich habe in diesen 30 Minuten endlich, nach fast fünf Jahren, die Zukunft in Spanisch gelernt.
Also etwas gutes ist dabei herausgekommen.
In Chuchilan trennten sich unsere Wege, ich machte mich auf in das Hostal „Cloud Forest“, von dem mir irgendwie alle die den Loop gemacht hatten erzählten. Aber davon, und dem Weg nach Isilnivi gibt es das nächste Mal mehr.


Blumen, Blumen, Blumen...

Ein Blick zurück

Und noch einmal...

Erinnert doch an Sandstand, oder?

Mehr Blumen...

Erdrutsch

Auf nach Chuchilan!

Mittwoch, 18. Mai 2016

Quilotoa Loop - Der Weg nach Latacunga

Heute war einmal ein Tag, es ist nicht einmal sonderlich viel passiert aber mein Gott bin ich fertig.
Ich bin vor ein paar Stunden in Latacunga angekommen, von hier aus starte ich den Quilotoa Loop. Aber zuerst einmal musste ich aus der Lodge weg, kein Problem eigentlich. Wenn ich es nicht ernsthaft geschafft hätte beim verlassen des Kanus ins Wasser zu fallen. Oder eher zu steigen.
Zuerst mein Bein, dann mein Bauch, bis zu den Schultern, dann der Rucksack. Ich Panik, Bernado (Kanufahrer) stürmt nach vorne und nimmt mir den Rucksack ab, ich klettere an Land.
Ergebnis: durchnässt bis auf die Knochen, mein Handy war in der Hosentasche, mein Rucksack hatte auch ein Bad genommen. Aber ich hatte Glück im Unglück, wie durch ein Wunder funktionierte mein Handy noch, der Rucksack ist ansscheinend Wasserfest (danke Papa), kaum ein Tropfen drag ins Innere, wenn schon war er feucht. An der Bushaltestelle umgezogen, die Veterenärin des Amazoonico getroffen (keine langweilige 2h Busfahrt :) ) und ab nach Tena. Von dort aus ging es nach Arosemena, dort schnell ein paar Sachen zusammengepackt, meine nasse Kleidung aufgehängt (ganz ehrlich, die Jeans ist sowieso zum wegschmeißen), mit Sonnia und Endwin getratscht und schon wieder los.
Mit dem Bus nach Ambato, dann nach Latacunga. Irgendwann ist Busfahren auch einfach nur mehr langweilig...
Hier angekommen habe ich ein Hostal gesucht, ist ganz nett, billig, die Leute sind lieb, es gibt gratis Teewasser aber für Flaschen an füllen muss man extra zahlen (da verstehe einer die Logik). Morgen geht es nach Quilotoa oder Quito, eigentlich wollte ich schon ganz früh weg aber ich habe heute noch einmal mit dem Konsulat in Quito telefoniert, mein Wahlkarte ist noch immer nicht angekommen. Wir reden morgen noch einmal, wenn sie immer noch nicht da ist hat das System versagt und ich habe eine gute Entschuldigung nicht zu wählen, ansonsten fahr ich halt nach Quito, Tagesausflug. Problem ist nur das das Konsulat erst um 10 aufsperrt, das heißt ich komme nicht wie geplant um 7 oder 8 weg. Naja, entspannt aufstehen, ausschlafen, packen und dann losfahren. Mal schauen, schaffe ich den Bus um 10 bin ich so gegen 12 oder 1 oben, Vielleicht geht sich die Kraterwanderung ja noch aus.
Jedenfalls war es eine gute Idee nicht sofort hoch zu fahren (mein wahnsinniger erster Plan). Erstens wäre es eine dämliche Idee von 300 auf knapp 4000 Meter zu fahren, zweitens habe ich da oben nicht sicher Empfang, geschweigeden Internet, und drittens brauche ich auch einmal Pause.
So habe ich heute passable Pizza gegessen, mein Handy doch noch reperieren lassen (war innen feucht, musste getrocknet werden), viel Obst für die nächsten Tage gekauft und jetzt schnorre ich Strom von einem Computer da mein Ladekabel hin ist, die im Handygeschäft Wucherpreise verlangen, ich zu faul bin um 7 Uhr noch ein Kabel suchen zu gehen das ich mir leisten kann (oder eher will)  und morgen sowieso Zeit habe.
Sollte ich die nächsten Tage nicht schreiben, wundert euch nicht, wer hat in den Bergen schon Internet.

Der 100 Post

Das hier ist, wie der Titel schon verspricht, mein 100 Blogeintrag.
Eigentlich sind es mehr, rechnet man all die Entwürfe, die Erfahrungsgemäß nie veröffentlicht werden, dazu.
Es ist immer wieder schräg für mich durch meinen eigenen Blog zu scrawlen, es ist als würde man durch eine Art Geschichtsbuch blättern, in dem es ausschließlich um die eigene Person geht. Eine Aufzeichnung all der schönen und außergewöhnlichen Ereignissen des letzten Jahres, wie Erinnerungen besonderer Momente, festgehalten für die Ewigkeit. Und dennoch wir mir jedes Mal, wenn ich mich durch Fallschirmsprünge, Abreiseängste, Schulgeschichten oder Reiseerlebnisse lese, bewusst, dass ich hier doch nur einen bestimmen Teil von mir, meiner Persönlichkeit und meinem Umfeld einfange. Jeder der mich wirklich kennt und diesen Blog liest wird all die Unausgesprochenheiten wiedererkennen, all die keinen Erlebnisse die nirgends erwähnt wurden, Gefühle und Gedanken die einfach nicht für das Internet gemacht wurden. Wer mich wirklich kennt und zwischen den Zeilen liest wird es verstehen, wird die zurückgehaltenen Emotionen erkennen.
Was ich damit sagen will?
Es ist absolut nicht notwendig mich zu kennen um an meiner Reise, meinem Leben, Teil zu haben. Ich mag die Idee Leuten eine kleine Freude mit einem Blogeintrag zu bereiten, vielleicht ein paar Menschen auf den Geschmack von Ecuador zu bringen, ein bisschen Inspiration zu sein, dafür, dass man auch alleine, ohne Organisation oder richtigen Plan, ein Jahr lang in einem fremden Lang arbeiten und leben kann. 
Ich wünschte ich würde mehr Feedback bekommen, selbst wenn es nur von den zwei, drei Leuten kommt die meinen Blog regelmäßig lesen (also wahrscheinlich meinen Eltern).

Mir tut es gut meine Gedanken niederzuschreiben, es hilf zu sortieren, gleichzeitig kann ich Erlebtes teilen und muss nicht dieselben Geschichten 1000x erzählen. Es ist schön hier ein klitzekleines Vermächtnis zu haben, einen Beweis, dass das alles wirklich passiert ist, einen Ausschnitt aus meinem Leben festzuhalten.
Ich möchte hier auch all denjenigen danken, die mir in meiner Zeit in Ecuador, vor allem den schweren Momenten, geholfen haben. Meinen Eltern, natürlich, mit denen ich hier teilweise ernstere und längere Gespräche über Skype geführt habe als in den letzten Jahren zu Hause. Meiner besten Freundin die immer für mich da ist und das obwohl wir und seit einem guten Jahr nicht gesehen haben und gefühlt einmal im Monat skypen. Meiner Schwester mit der ich zwar viel zu wenig Kontakt habe die mir aber von all meinen Familienmitgliedern doch am meisten fehlt. Und dann all den Freunden die den Kontakt nicht abgebrochen haben sondern immer noch verzweifelt versuchen Arbeitszeit und Zeitverschiebung zu umgehen um mit mir reden zu können.
Ich habe euch alle unglaublich lieb und freue mich, dass Ihr mich durch die Zeit begleitet habt. Danke, ich kann froh sein euch zu haben.

Mittwoch, 11. Mai 2016

Update und Alltagsgedanken #4

Bevor ich über irgendetwas anderes ein paar Worte verliere, ja ich bin immer noch gereizt, aber die Lage hat sich gebessert. Jan, der Sohn von Remigio,  dem Chef von dem ganzen, ist zu Besuch. Also ist wieder jemand in meinem Alter da mit dem ich  zusammen gegen die Langeweile ankämpfen kann. Die letzte Woche waren außerdem zwei Freunde von ihm auf der Schweiz zu Besuch, Marlon und Ana, und wir hatten ganz lustige Abende. Tagsüber konnte ich jetzt nicht viel mit ihnen machen (irgendwer muss ja immer im Büro hocken) aber wenigstens manchmal hatte ich so eine Ablenkung. Außerdem hat Jan eine Wasserpfeife aus der Schweiz mitgebracht, es ist zugegebenermaßen schon ziemlich geil sich in der Bar auf den Boden zu hocken, den Fluss und das endlose Grün des Dschungels vor sich zu haben, und nebenbei Apfeltabak zu rauchen. 
Aber auf die Idee muss man auch kommen, so etwas nach Ecuador mitzunehmen ;)
Gestern waren wir außerdem bei Runa Huasi, eine kleinere Lodge, die zum Projekt gehört aber ein bisschen Flussaufwärts ist, schwimmen. Da gibt es einen Baum dessen Äste über den Fluss ragen, kann man super reinspringen, ich habs da noch nie hin geschaft (obwohl ich seit 2 Monaten da bin...)
Die Woche haben wir dann auch endlich wieder Touristen, ich darf wieder einmal ein bisschen übersetzten (jeeej) komme also auch so aus dem Büro heraus. Also alles super, oder? Ich habe keine Probleme, alles klappt... nein.

Ich schlage mich seit Tagen mit Western Union herum, mittlerweile wünschte ich ich hätte einfach das Geld von meine Konto überwiesen. Wenn es jemanden gibt der den Blog liest und sich mit WU auskennt... BITTE helft mir, ich verzweifle.
Dann wäre da die Sache mit der Zeit, ich dachte zehn Tage um von Ecuador nach Peru zu kommen, Kuelap anzuschauen und dann nach Huaraz zu fahren würde genügen. Nein, ich habe unterschätzt wie verdammt groß Peru ist... Mal schauen wie sich das ausgeht.
Gute Nachricht, meine Mama sponsert mir einen FLug von Cusco nach Quito, heißt also ich habe ein paar Tage mehr in Cusco, kann mir das heilige Tal anschauen :DDD 
Und ich erspare mir eine 40h+ Busfahrt. 
 Mal schauen was die nächste Zeit noch bringt, zumindest bin ich aus meine einsamen Höhle der Depression herausgekrochen. Jetzt kann es ja nur besser werden.

Sonntag, 8. Mai 2016

Ich bin genervt

Ich hatte heute einmal einen ganz miesen Tag.
Nicht weil irgendetwas fundamental schief gelaufen ist, auch war es nicht das Wetter, die Leute, Essen oder sonst ein spezieller Grund, ich merke einfach das die Lodge mir teilweise auf die Nerven geht. Genauer ausgedrückt, ich fühle mich eingeengt, ich kann nicht weg. Dazu kommt die riesige Verantwortung die ich hier doch habe, die Tatsache, dass all die Angestellte, selbst wenn sie seit mehr als einem Jahrzehnt hier arbeiten, zu mir, die ich seit zwei Monaten hier bin, kommen wenn es Probleme/Fragen gibt. Als wüsste ich alles. Mir ist klar, dass alle Dankbar sind das ich da bin und so weiter, aber manchmal habe ich das Gefühl jeder reitet nur auf den Dingen herum die ich falsch mache und sieht nicht was ich alles für die Lodge tatsächlich tue.
Jaja, ich weis schon, hauptsächlich ist es Touristen betreuen und anwesend sein wenn alle anderen Feierabend haben, aber versucht mal in Ecuador jemanden zu finden der diese Arbeit erledigt, drei Sprachen spricht und mit den Gehältern die hier üblich sind zufrieden ist.

Ok, ich muss runterkommen, ich bin unglaublich schlecht gelaunt.
Gennervt weil ich das Gefühl bekomme eingesperrt zu sein, weil das Personal manchmal so unglaublich unselbstständig ist und lieber Dinge falsch oder murrend erledigt als mir zu erklären was ich falsch mache, weil es nichts zu tun gibt und ich ich die Ecuadoriranische Grundeinstellung langsam einfach satt habe. 
Vielleicht bin ich nach acht Monaten einfach überstätigt, vielleicht hat die Zeit gereicht. Das Land ist wunderschön, das würde ich nie bestreiten, mein Problem hier sind im Endeffekt wirklich die Menschen, vor allem ihre Weltansichten und Einstellungen. Nicht dass ich mir einbilde da etwas ändern zu können, eigentlich darf man über so etwas ja nicht einmal urteilen, aber ich glaube es gibt einfach Leute die eher für das Leben in Südamerika gemacht sind. Spezifischer gesagt, die für das Leben am Land in Südamerika gemacht sind, Großstätte sind, wie ich schon gefühlte hundert Mal erwähnt habe, anders.
Ich will nach Peru, ich will reisen, ich will ein bisschen mir mir alleine sein, auf eigene Faust diesen Kontinent erleben. Ja, eigentlich sogar als Tourist, mehr Leute aus anderen Ländern kennenlernen, die bekannten Sehenswürdigkeiten abklappern, endlich einmal am anderen Ende der Tourismusindurstrie stehen. Das ist nämlich ein weiterer Punkt der mich zermürbt, das ewige Lächeln, die Engelsgeduld, das akzeptieren aller Sonderwünsche, das sofortige und schnelle aufspringen, alles liegen und stehen lassen um die Kunden möglichts glücklich zu machen. Ich mag diesen Teil der Arbeit eigentlich am meisten, das mit Menschen umgehen, freundlich mit den Reisenden plaudern, ihnen meine Erfahrungen von Südamerika mitzuteilen, Tipps zu geben, usw. Aber ich kann nicht einfach aufhören motiviert und freundlich zu sein nur weil ich müde bin, Kopfweh habe oder einfach nicht den besten Tag erwischt habe (wie heute). Das künstliche Lächeln saugt mich aus, es gibt nichts zermürbenderes als innerlich  demotiviert, müde und lustlos zu sein aber nach außen das selbe alte Lächeln aufsetzen und zu unterhalten so gut es eben geht.

Ich freue mich auf zu Hause, ich freue mich auf Europa. Vor allem auf die Menschen. Ja sie mögen zurückhaltender, verschlossener und kälter sein, dafür kann ich mit ihnen wieder über Themen reden die mich interessieren, werde nicht für Meinungsäußerungen ungläubig angeschaut oder bekomme das Gefühl einfach nie Teil des hiesigen Lebens werden zu können. 
Ecuador ist ein wahnsinnig schönes Land, ein Land in dem man sich verlieren kann, in dem die Menschen unglaublich aufgeschlossen und freundlich sind. Aber im Endeffekt ist es nichts für jeden, nicht für immer. Vielleicht würde ich es anders sehen, wäre ich älter, erfahrener, weltgewandter, aber momentan freue ich mich irgendwie doch sehr auf Österreich, meine Familie, meine Freunde, meine Welt.

Sonntag, 1. Mai 2016

Updates und Alltagsgedanken #3

Ich dachte mir es wird wieder einmal Zeit für ein typisch langweiliges Update.
Mir geht es gut, um diese Frage gleich einmal vorwegzunehmen. Und ja, es ist manchmal langweilig alleine in einer Dschungellodge abzuhängen, nein es gibt nicht sonderlich viel zu tun, nein wir haben momentan kaum Touristen, ja April/Mai sind sehr dünne Monate, nein, ich weis nicht wann ich das nächste Mal Urlaub habe, nein ich habe meine Peru Reise noch nicht 100% fertig geplant, ja mein Spanisch geht wirklich gut mittlerweile, nein Studiumspläne sind immer noch nicht glasklar, ja ich freue mich wieder nach Hause zu kommen aber ja, ich werde Ecuador auch vermissen.

So, da wir das nun erledigt hätten versuche ich einmal die wenigen herausstechenden Ereignisse der letzten, leider viel zu ruhigen Tage, aufzuschlüsseln.
  • Wir wurden von Niederländern überfallen. Die letzten paar Tage hatten wir mehrere kleine Gruppen hier, vor allem Familien. Und siehe da, bis auf eine (USA) waren alles Holländer. Maifeiertage, zwei Wochen Schulfrei, so wurde es mir erklärt. Ich hatte noch nie so viele Kinder hier, war  eine nette Abwechslung, normalerweise ist der Altersdurchschnitt viel höher. Das beste war eine Familie, drei Personen, die einfach in Puerto Barantilla auftauchten und spontan fragten ob wir Platz hätten. Uns freute es, ist ja wenig los, aber so etwas hatte ich in den zwei Monaten hier auch noch nie.
  • Simon ist im Amazoonico, der (weitere) Niederländer aus Amsterdam den ich in Ayampe kennengelernt habe. Wir, Lars und ich, haben ihm von den Projekten hier erzählt irgendwie hat er es geschafft mit zwei/drei Mails und einem Anruf von uns innerhalb von einer Woche eine Stelle als Freiwilliger zu bekommen. Ich glaube es gefällt ihm ganz gut, aber er musste sein Küken aufgeben.
  •  Game of Thrones hat wieder angefangen!
    Ist das wirklich einen ganzes Absatz wert? Ich weis es noch nicht, sollte die neue Staffel das Nivea von 1-4 wieder aufgreifen, auf jeden Fall! Sollte sich das Desaster von Staffel 5 wiederholen? Dann habe ich eindeutig zu viel Vertrauen in die Serien.
    Aber seinen wir einmal ehrlich, Game of Thrones hat sich immer dadurch ausgezeichnet, dass eine realistische Geschichte erzählt wird in der man für unüberlegte Handlungen zahlt, nicht durch Zufälle an sein Ziel kommt und nicht alles schwarz/weis gezeichnet wird. Die letzte Season war von "zufälligen Treffen" bekannter Charaktere durchzogen, jede Menge Schockmomente nur um des Schockes willen und nicht weil die Geschichte es verlangt hat und teilweise richtig peinlich schlechte Handlungen (Dorne).
  • Ich habe eine liebe zu Cola mit Zitrone entwickelt. Es gibt, wenn die Sonne vom Himmel knallt und man bei gefühlten 30° im Schatten sitz nichts besseres. Mit ein paar Eiswürfeln... hmmm.
  • Meine Gewichtsituation verbessert sich nicht gerade, aber das Thema ist zu deprimierend um weiter darauf einzugehen.
  • Ich habe in der letzten Woche wieder ein bisschen übersetzt. Nur halbtags und nicht sonderlich viel, aber es ist besser als immer nur im Büro zu sitzen. Außerdem durfte ich endlich die Ceibo Tour machen, aber im Vergleich zu den Ceibo Baum in Limoncocha ist der hier ja mal so was von lächerlich klein (das darf man den Touristen natürlich nicht sagen).
  • Von Abelino habe ich wieder neue Cocktails gelernt, jetzt kann ich neben den "Klassikern" wie Caipiriña (den ich laut Touristen wirklich gut hinbekomme) und Cuba libre (ok, das ist auch wirklich einfach) Huevo de Rana, Bandera Ecuadoriana und Laguna Azul. Vor allem zweiterer schaut einfach geil aus :D
  • Es hat die letzten paar tage viel geregnet, in der Nacht sind die Temperaturen auf 18° wenn nicht weniger gefallen! Jaja, ihr zu Hause werdet mir jetzt einen Vogel zeigen und sich "gehts noch, das soll kalt sein!!??" denken aber hey, ich bin kälte nicht mehr gewohnt...