Sonntag bin ich, relativ spontan, mit Mauricio nach
Latacunga gefahren. Ist eine kleinere Stadt, ca. so groß wie Graz, ungefähr
eine Stunde von Quito mit dem Bus entfernt. Eigentlich wollte Mauricio nur
seine Familie besuchen, Feiertage und so, und hat gefragt ob ich mitwill.
Irgendwie dachte ich mir es ist besser etwas mit nem Freund zu machen als
allein durch eine Stadt zu streunen, vor allem wenn es regnet.
Latacunga gefällt mir irgendwie. Die Innenstadt ist
schön, Tagsüber aber gestopft voll. Generell gibt es in Ecuador keine
Fußgängerzonen, war schon in Quito dasselbe Dilemma. Sonderlich lang blieben
wir aber nicht in der Stadt sondern fuhren in die Berge hinauf, zu einer Art
See. Oder eher ein riesiger Vulkankrater der mit Wasser gefüllt ist, den Namen
habe ich leider vergessen. Beeindruckend und wir hatten Glück mit dem
Wetter. Teilweise liegt der ganze See im Nebel.
Beim der Hin und auch Rückfahrt klebte ich eigentlich
nur an der der Fensterscheide des Autos, die Berglandschaft ist der Wahnsinn.
So unglaublich schön und beeindruckend. Berge, Hügel, Wiesen, Felder, kleine
Dörfer. Almlandschaft aber auf etwas exotischere Art und Weise. Ich habe mich
in die Berge verliebt. Vor allem die Farben, diese unglaubliche Vielfalt an
Grün und Brauntönen, die immer wieder einzeln verstreuten kleinen Häuschen, die
Miniaturausgaben von Feldern, diese karge und doch so belebte Landschaft mit
all ihren wunderschönen Pflanzen und auch Tiervielfalt. Es tut mir fast weh so
etwas zurückzulassen, hier im Oriente gibt es zwar auch eine einzigartige Natur
aber es entspricht einfach nicht meinem Geschmack.
Nachdem wir wieder zurück in Latacunga waren sind wir
Chicarrón essen gegangen (ich hoffe das heißt so). Prinzipiell das Ungesündeste
was ich hier bisher zu mit genommen habe. So ein gemischter Teller besteht auf
Empanadas, Kartoffeln, Schweinefleisch, alles frittiert, Schweinefett dass in
einer Pfanne angebraten wird bis es ganz chrunchy ist, und frittierten
Schweinehaut die an Chips erinnert. Dazu Popcorn und eine Art Mais. Verdammt
lecker.
Kalorienbombe deluxe.
Das Beste an dem ganzen Tag war aber eigentlich der
Abend. Da es zu spät wurde, um 8/9 allein durch Quito fahren war mir irgendwie
ein bisschen zu unsicher, vor allem wenn ich eine Wahl habe, bin ich in
Latacunga geblieben. Habe den Abend erst eine Weile mit Mauricio und seiner
Mutter getratscht und festgestellt, dass die Leute in Ecuador sehr wohl über
Ereignisse außerhalb der eigenen Landesgrenzen Bescheid wissen. Es war das
erste Mal, dass ich von jemand über die derzeitige Lage in Europa, bezogen auf
die Flüchtlingskriese, gefragt wurde. Und ich habe das erste Mal auf die Frage
wie den eigentlich die politische Lage in Ecuador ist eine längere Antwort als
"alles ok" oder "eh ganz gut" bekommen. Es liegt also doch
daran, dass ich am Land wohne. Einerseits eine Erleichterung, andererseits
macht es mich traurig jetzt erst einmal wieder auf alles ernsthafteren
Diskussionen verzichten zu müssen. Vor allem da ich ca. die Hälfte all der
Frage die ich über Ecuador und Politik habe in genau dem Moment vergessen
hatte.
Danach hat mir Mauricio noch ein bisschen die Stadt
gezeigt, wir sind mit dem Auto durch die leeren, aber wunderschön beleuchteten
Straßen von Latacunga gefahren, haben dann irgendwann Bier gekauft und uns zu
einem Aussichtsplatz gesetzt. Und dann einfach geredet, ewig. Ich hab einfache,
ehrliche Gespräche so vermisst. Einfach reden, so wie ich es mit all meinen
Freunden in Österreich auch getan hätte.
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| Latacunga |
Naja und Montag ging es dann zurück nach Quito. Der Wahnsinn
an dieser Stadt ist ja, dass sie ewig lang ist, ich habe von Busbahnhof bis ins
Zentrum bzw. Norden (Anna wohnt noch sehr im Zentrum meiner Meinung nach) fast
1 1/2 Stunden gebraucht. Zu Hause ein bisschen aufgeräumt, dann Burger essen
*___*, ein paar Sachen für Urlaub mit meinem Papa im Februar erledigt und doch
ein bisschen Einkaufen. Zum Abendessen gab es Laugenbrezel, oder so etwas Ähnliches.
Ich habe den Tag entspannt ausklingen lassen,
zusammengebackt, schnelles Internet (immer noch schleichend im Vergleich zu
Österreich) ausgenutzt und die Stille bzw. dass allein sein genossen. Dienstag
ging es ganz unspektakulär wieder nach Arosemena, 5 h mit dem Bus. Durch die
neuen, 2$ Kopfhörer, ging es aber. Davor noch durch die Altstadt geschlendert
und mir am Busbahnhof eine Empanada und Quimbolitos (glaube ich zumindest) gegönnt. Als ich dann endlich
ankam war es dunkel, und ich depressiv.
Aber darüber schreibe ich ein anderes Mal.

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