Mittwoch, 4. November 2015

Quito Tag 3/4/5 Latagunga und der ganze Rest

Sonntag bin ich, relativ spontan, mit Mauricio nach Latacunga gefahren. Ist eine kleinere Stadt, ca. so groß wie Graz, ungefähr eine Stunde von Quito mit dem Bus entfernt. Eigentlich wollte Mauricio nur seine Familie besuchen, Feiertage und so, und hat gefragt ob ich mitwill. Irgendwie dachte ich mir es ist besser etwas mit nem Freund zu machen als allein durch eine Stadt zu streunen, vor allem wenn es regnet.
Latacunga gefällt mir irgendwie. Die Innenstadt ist schön, Tagsüber aber gestopft voll. Generell gibt es in Ecuador keine Fußgängerzonen, war schon in Quito dasselbe Dilemma. Sonderlich lang blieben wir aber nicht in der Stadt sondern fuhren in die Berge hinauf, zu einer Art See. Oder eher ein riesiger Vulkankrater der mit Wasser gefüllt ist, den Namen habe ich leider vergessen.  Beeindruckend und wir hatten Glück mit dem Wetter. Teilweise liegt der ganze See im Nebel.
Beim der Hin und auch Rückfahrt klebte ich eigentlich nur an der der Fensterscheide des Autos, die Berglandschaft ist der Wahnsinn. So unglaublich schön und beeindruckend. Berge, Hügel, Wiesen, Felder, kleine Dörfer. Almlandschaft aber auf etwas exotischere Art und Weise. Ich habe mich in die Berge verliebt. Vor allem die Farben, diese unglaubliche Vielfalt an Grün und Brauntönen, die immer wieder einzeln verstreuten kleinen Häuschen, die Miniaturausgaben von Feldern, diese karge und doch so belebte Landschaft mit all ihren wunderschönen Pflanzen und auch Tiervielfalt. Es tut mir fast weh so etwas zurückzulassen, hier im Oriente gibt es zwar auch eine einzigartige Natur aber es entspricht einfach nicht meinem Geschmack. 

Der See




Blick aus dem Fenster




Nachdem wir wieder zurück in Latacunga waren sind wir Chicarrón essen gegangen (ich hoffe das heißt so). Prinzipiell das Ungesündeste was ich hier bisher zu mit genommen habe. So ein gemischter Teller besteht auf Empanadas, Kartoffeln, Schweinefleisch, alles frittiert, Schweinefett dass in einer Pfanne angebraten wird bis es ganz chrunchy ist, und frittierten Schweinehaut die an Chips erinnert. Dazu Popcorn und eine Art Mais. Verdammt lecker.
Kalorienbombe deluxe.
Das Beste an dem ganzen Tag war aber eigentlich der Abend. Da es zu spät wurde, um 8/9 allein durch Quito fahren war mir irgendwie ein bisschen zu unsicher, vor allem wenn ich eine Wahl habe, bin ich in Latacunga geblieben. Habe den Abend erst eine Weile mit Mauricio und seiner Mutter getratscht und festgestellt, dass die Leute in Ecuador sehr wohl über Ereignisse außerhalb der eigenen Landesgrenzen Bescheid wissen. Es war das erste Mal, dass ich von jemand über die derzeitige Lage in Europa, bezogen auf die Flüchtlingskriese, gefragt wurde. Und ich habe das erste Mal auf die Frage wie den eigentlich die politische Lage in Ecuador ist eine längere Antwort als "alles ok" oder "eh ganz gut" bekommen. Es liegt also doch daran, dass ich am Land wohne. Einerseits eine Erleichterung, andererseits macht es mich traurig jetzt erst einmal wieder auf alles ernsthafteren Diskussionen verzichten zu müssen. Vor allem da ich ca. die Hälfte all der Frage die ich über Ecuador und Politik habe in genau dem Moment vergessen hatte.
Danach hat mir Mauricio noch ein bisschen die Stadt gezeigt, wir sind mit dem Auto durch die leeren, aber wunderschön beleuchteten Straßen von Latacunga gefahren, haben dann irgendwann Bier gekauft und uns zu einem Aussichtsplatz gesetzt. Und dann einfach geredet, ewig. Ich hab einfache, ehrliche Gespräche so vermisst. Einfach reden, so wie ich es mit all meinen Freunden in Österreich auch getan hätte.

Latacunga

Naja und Montag ging es dann zurück nach Quito. Der Wahnsinn an dieser Stadt ist ja, dass sie ewig lang ist, ich habe von Busbahnhof bis ins Zentrum bzw. Norden (Anna wohnt noch sehr im Zentrum meiner Meinung nach) fast 1 1/2 Stunden gebraucht. Zu Hause ein bisschen aufgeräumt, dann Burger essen *___*, ein paar Sachen für Urlaub mit meinem Papa im Februar erledigt und doch ein bisschen Einkaufen. Zum Abendessen gab es Laugenbrezel, oder so etwas Ähnliches.
Ich habe den Tag entspannt ausklingen lassen, zusammengebackt, schnelles Internet (immer noch schleichend im Vergleich zu Österreich) ausgenutzt und die Stille bzw. dass allein sein genossen. Dienstag ging es ganz unspektakulär wieder nach Arosemena, 5 h mit dem Bus. Durch die neuen, 2$ Kopfhörer, ging es aber. Davor noch durch die Altstadt geschlendert und mir am Busbahnhof eine Empanada und Quimbolitos (glaube ich zumindest) gegönnt. Als ich dann endlich ankam war es dunkel, und ich depressiv.
Aber darüber schreibe ich ein anderes Mal.

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