Samstag, 7. November 2015

Quito - Nachgedanken

Kennt ihr dieses Gefühl wenn man plötzlich nach Hause kommt und alles Fremd wirkt? Wenn man den Gedanken nicht mehr los wird, dass irgendetwas falsch ist? Dass man einfach nicht an diesen Ort gehört? Plötzlich wirken all die Dinge die vor kurzem noch ok oder gar toll waren lasch und öd, man sehnt sich nur noch nach der Ferne, geht in seinem Kopf alle die verschiedenen Möglichkeiten durch die man hat um endlich wieder weg zu kommen?
Natürlich kennt ihr das, jeder kennt es. Nach beinahe jedem Urlaub, jeder großen Reise. Fernweh, das Bedürfnis etwas anderes zu tun, tritt vor allem auf wenn man mit der derzeitigen Situation nicht 100% zufrieden ist. Und wann ist man das schon?
Als ich im Bus von Quito nach Tena gefahren bin war mir zu Heulen zumute. Ich betrachtete die wunderschöne Berglandschaft , nur um zu beobachten wie sich Berge in Hügeln, karge Felslandschaften in Regenwälder und Braun in Grüntöne verwandelten. Ich stieg bei angenehmen 20°, mit Sonne und trockener Luft in den Bus um diesen bei schwülen, 28° wieder zu verlassen. Ich kehrte einer Großstadt, die von einer Traumlandschaft umgeben ist, einem Ort an dem es alles gibt, den Rücken zu um in einem Kaf im nirgendwo zu landen, einer Kleinstadt die eine Größe hat in der man nicht einmal in der Menge verschwinden kann.

Natürlich redet da wieder einmal die Pessimistin in mir. Arosemena hat seine Vorzüge, es ist ruhig und entspannt, die Leute sind lieb, alles ist einfach, unkompliziert. Keine Hektik, kein Stress. Ich bin kein Fan von Tena wenn ich ehrlich bin, die Stadt hat die falsche Größe. Zu klein, als das man wirklich etwas tun könnte, zu klein um unterzutauchen, sich treiben zu lassen, aber zu groß um den Charme und die Ruhe von Land zu versprühen. Entweder Großstadt oder Land, alles dazwischen ist mir unsympathisch. 
(Und, wenn ich schon einmal die Wahrheit sage, in meinen Augen ist Tena einfach keine schöne Stadt, wirkt irgendwie relativ heruntergekommen)
Aber was ich wirklich vermisse sind die Menschen. In Quito merk man einfach dass die Leute weltoffener sind, über Landesgrenzen hinwegdenken. Auch hatte ich mit Anna endlich eine Person aus Österreich mit der ich mich ernsthaft über Unterschiede zwischen den beiden Ländern unterhalten konnte, vor allem wirtschaftliche, ökonomische und politische.

Was ist die Konsequenz des ganzen? Ich muss wieder nach Quito, und in die Berge. Man hat mir angeboten mich einmal mitzunehmen zum Wandern, inklusive Camping, das ist momentan mein Lichtblick. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlecht, erst einmal hier sein, mit einer Situation klarkommen mit der man nicht ganz zufrieden ist zwingt einen mehr über sich zu lernen und aus sich raus zu gehen. Außerdem sollte ich nicht nur alles schlecht reden, zwar bin ich hin und wieder allein und gelangweilt, aber dann geht es wieder einmal zum Fluss, irgendjemand hat Geburtstag oder irgendwelche Feiertage inklusive Familientreffen finden statt. 
Und wenn ich dann zurückkomme geht wenigstens die Magie nicht verloren, ich werde die Berge sehen und mich wieder wie ein Kleinkind freuen. Ich werde das Panorama von Quito bestaunen ohne ihm je überdrüssig zu werden. Ich werde wieder Pizza und Sushi essen ohne dass es mir wie Alltag vorkommt.
So muss man denken, vielleicht werde ich doch noch Optimist.
Ok, nicht alles auf einmal.
Kleine Schritte.
Hier noch ein zwei Fotos aus Quito :)

Quito Innenstadt
Ich und Anna am Pichincha

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