Montag, 30. November 2015

Updates, Zukunftspläne und Altagsgedanken

Ich bin jetzt seit drei Monaten in Ecuador. Wahnsinn, eigentlich. Irgendwie weiß ich immer noch nicht richtig ob es mir hier gefällt oder nicht. Zwar bin ich nicht soweit zu sagen, dass ich sofort wieder nach Hause will aber für immer hier bleiben? Ähm, jaaa... eher nicht. Ich habe immer noch den Verdacht, dass viele der Dinge die mich stören/fehlen einfach an der Region liebe. Landleben ist wohl nichts für mich und das Klima hier macht mich teilweise Wahnsinnig. 
Natürlich kann ich nicht alles schlechtreden, die Natur zum Beispiel ist der Wahnsinn. Das Bergpanorama in der Ferne, der Regenwald, die Flüsse, es ist zum niederknien. Auch die Leute sind großteils wirklich super, so viel offener und kommunikativer als bei uns. Natürlich nicht alle, ich habe die Erfahrung gemacht dass Kinder und Erwachsene (also ca 25+) am besten zum reden sind, sich auch am einfachsten in Gespräche verwickeln lassen.
Was ich mit all dem sagen will, es war garantiert kein Fehler nach Ecuador zu kommen, viele Dinge hier gefallen mir, die Landschaft, das Essen, die Menschen, aber einiges stört oder ist einfach nichts für mich. Sollte ich zurückkommen, dass nicht hierher. In eine größere Stadt, am besten in den Bergen. Aber einmal etwas komplett anderes hat schließlich auch was, oder?

In der nächsten Zeit habe ich immerhin einiges vor. Übernächste Woche geht es für 5 Tage nach Yasuní, ist ein Nationalpark weiter im Norden, bei Coca. Laut Reiseführer, und auch Erzählungen, soll er wunderschön sein und zu den Besten Ecuador gehören. Ein Freund von mir, Touristenführer, fährt mit einer Gruppe Studenten dorthin und nimmt mich mit. Ich hoffe wirklich das klappt, je mehr ich über Yasuní erfahre desto dringender will ich den Nationalpark sehen. Sowieso, mehr von Ecuador entdecken steht ganz oben auf meiner to-do Liste.
Dann ist bald Weihnachten aber mittlerweile denke ich, dass das relativ unspektakulär wird. Ebenfalls durch die ländliche Umgebung ausgelöst (in den Großstädten ist es wieder anders) merkt man davon gar nix. Vielleicht zwei/drei Häuser haben ein paar Lichterketten aufgehängt, hin und wieder sieht man Plastikbäumchen mit ein bisschen Schmuck (echte gibt es nirgends) aber Weihnachtsmarkt, Weihnachtstimmung oder Kekse kann man vergessen. Wenn ich das Datum nicht kennen würde wäre mir nicht aufgefallen dass wir uns heilig Abend nähern. Im großen und ganzen keine Tragik aber mir fehlen die Kekse. Kekse, Waffeln vom Adventsmart und Punsch. Obwohl, bei dem Wetter würde ich wahrscheinlich eh nur schwer in die richtige Stimmung dafür kommen.
Dann am 30.12 kommt meine Mama nach Ecuador :DDDDDD
Ich kann gar nicht sagen wie sehr ich mich darauf freue. Zu Silvester sind wir dann in Quito, danach heißt es bis zum 15.01 durch Ecuador reisen. Erst nach Cuenca, und mehr geplant haben wir noch nicht. Wird wahrscheinlich spontan, aber auf jeden Fall wandern. Ich vermisse die Berge.
Und noch eine Kleinigkeit, ich habe jemanden kennegelernt, der in Tena Karate macht. Vielleicht schaffe ich es ja einmal mitzukommen. Das wäre super, ich vermisse Karate.

Gibt es sonst noch etwas zu berichten? Ich war am Samstag mit ein paar Leuten aus der Familie am Fluss, die Jungs haben im Wald "Krieg" gespielt (ich kam mir vor wie in der Volksschule als auch immer alle mit Stöcken als Waffen durch den Wald gerannt sind) und wir Mädels haben gekocht. Jaja, Klischees schon klar, aber in diesem speziallen Fall hat es mir nichts ausgemacht. Ich konnte nämlich den kompletten Prozess von schlachten, über Federn ausrupfen, zu ausnehmen und zerschneiden zweier Hühner betrachten. Gut, dass ich weder Vegetarier bin noch an Tieren hänge, geholfen habe ich nämlich logischerweise auch. Es ist wirklich interessant so etwas einmal zu beobachten, wir kaufen das Fleisch ja immer nur argebackt im Supermarkt, da denkt niemand darüber nach was das für eine Arbeit ist. Außerdem kann man die Tiere so auch wirklich wertschätzen.
Am Freitag gab es irgendein Fest der katholischen Kirche. Nachmittags fand eine Art Prozession statt bei der verschieden Gruppen von Tänzern durch das Dorf gezogen sind, am Abend Feuerwerk, Feuer und Musik. Ganz nett, ich hab das mit ein paar Leuten die ich durch Zufall am Nachmittag kennengelernt habe (stehe am Straßenrad wegen Parade, plötzlich fragt wer "willst du dich nicht setzten?") angeschaut. Es war ganz lustig, und ich habe irgendwie jede Menge Essen geschenkt bekommen. 
Samstag gab es dann eine Art "Kultur Nacht", wieder mit Tänzen und Gesang. Ganz nett aber auch ein bisschen fad, Leute beim singen zu zuschauen ist nicht so meins. Dafür war das Fortgehen danach wirklich lustig. Ok, ja Dorfdiscos haben was. Ich hätte nie gedacht, dass einmal zu sagen ;)

Samstag, 28. November 2015

Reifen-Flus-Achterbahnfahrt

Gestern habe ich es endlich geschafft etwas zu tun das ich seit meiner ersten Woche hier vorhatte. Immer wieder, seit fast Tag eins, habe ich Leute am oder bei einem Fluss mit überdimensional großen Schwimmreifen beobachtet. Ich würde schätzen zwischen ein und zwei Meter Durchmesser (ich bin schlecht in so was), schwarz, aus einem super-robusten Material, keine LKW-Reifen oder ähnliches sondern wirklich nur für am-Fluss-fahren gemacht. Als ich also Andrés gestern im Haus herumwuseln sah bis er irgendwann eine Miniaturausgabe dieser Reifen aus einem Regal hervorzauberte, fragte ich ob ich nicht mitkönne. Klar, kein Problem. Etwas später sind ein paar andere Freunde/Cousins von ihm aufgetaucht. (Ich weiß, eine Schande, dass ich immer noch nicht alle beim Namen nennen kann aber einerseits hat sich fast nie jemand je bei mir vorgestellt und andererseits haben da alle so seltsame Spitznamen). Insgesamt waren wir sechs, noch schnell zwei Reifen von Nachbarn ausgeborgt, dann ein Taxi und nach San Jose, sind ca 10 Minuten in Richtung Puyo. Schlussendlich waren wir im Besitz von fünf Reifen, ja die Mathematik stimmt da nicht ganz, oder? Nach ein paar Diskussionen, manchmal habe ich das Gefühl den Leuten hier ist ich bewusst, dass ich sehr wohl Spanisch spreche, sagte man mir ich sollte mir mit Fifi (ist ein Spitzname, ich bin mir zu 100% sicher, dass ich ihn falsch geschrieben habe) einen Reifen teilen. Da diese relativ groß , und wir beide nicht allzu breit sind, ging es einigermaßen. 
Wie fahrt man mit so einem Ding? Wenn man zu zweit ist ist das einfachste sich mit dem Bauch draufzulegen, nicht die bequemste Option aber einigermaßen stabil. Allein kann man sich auch einfach hineinsetzen. Ich denke es war eine gute Idee nicht alleine zu fahren, das erste Mal zumindest. Es ging ruhig los, den Fluss entlang, von der Strömung treiben lassen. Manchmal schneller, manchmal langsamer. Irgendwann kam dann die erste schnellere Stelle mit Steinen, Wellen und starker Strömung. Es ist verdammt lustig mit so einem Reifen zu fahren, die perfekte Mischung aus ruhig den Fluss entlang gleiten, Sonne, Wasser, Landschaft genießen und Tiere beobachten und hin und wieder Schnellstellen die dich durchschütteln und hin und her werfen.
Tja und dann passierte das, was mir bei solchen Sachen immer passiert. Eine Schnellstelle, Fifi meinte noch ca zehn Mal "halt dich gut fest", tat ich auch so gut es ging aber dann war da ein Stein, wir stürzten plötzlich ein/zwei Meter tiefer, eine Welle und ich war weg. Im ersten Moment war es nicht schlimm, ja ich war  im Wasser aber die schlimmste Stelle war hinter uns. Zwar gab es noch eine sehr starke Strömung aber ich musste ja nur über Wasser bleiben, oder? Und dann die Steine. Es waren keine hohen Wellen mehr zu sehen, Steine unter Wasser gab es aber sehr wohl noch. Das wurde mir unsanft klar gemacht als ich durch die Strömung mit relativ großer Wucht gegen einer dieser Steine geschleudert wurde. Damit war der Spaß vorbei und irgendwo in mir regte sich Panik. Vor mir rief Fifi mir immer noch zu ich solle schnell herkommen und seine Hand nehmen. Dieses Bild von einem schwarzen Reifen, von der Strömung hin und her schwankend, mit einem Jungen in grünen T-Shirt der mir die Hand entgegenstreckt und dessen Gesicht eine Mischung aus Belustigung und Panik wiederspiegelt, werde ich nie mehr los. Es war im Endeffekt vielleicht eine Minute, wenn überhaupt, aber ich habe keine Ahnung wie ich nicht total in Panik verfallen bin. Auch wenn ich Rückblickend nie in ernster Gefahr war (die Steine trafen höchstens meine Beine), der starken Strömung dieses Flusses ausgeliefert zu sein und nichts anderes tun zu können als den Kopf über Wasser zu halten war ein relativer Albtraum. Dann plötzlich war dass Wasser wieder ruhig, ich erreichte den Reifen und wäre am liebsten eine Stunde lang nur ruhig da gelegen.
Nix da, weiter ging es. Die ersten paar Minuten noch etwas ängstlich wurde es aber immer besser, ich schaffte es einigermaßen mich am Reifen festzuhalten, die ruhigen Stellen sind sowieso nichts anderes als entspannend und vor allem erfrischend (hallo, Fluss bei 30°...) die schnelleren sind wirklich super solang man keine Angst hat. Außerdem waren die Jungs wirklich lustig, ca alle zehn Minuten rief mir irgendwer "Martina, vas a morir" zu, ein Runninggag den ich wohl nie mehr los werde ;). Das "sich gegenseitig vom Reifen stoßen" oder "von anderen Mitziehen lassen" kann auch super lustig sein. Irgendwann machten wir einen kleinen Zwischenstopp bei einem großen Felsen mit alten Einkerbungen von denen keiner wusste, was sie bedeuten sollten. Außerdem habe ich jede Menge Vögel und andere Tiere gesehen, das Bergpanorama und den Dschungel im Vordergrund betrachtet. Es war eine erstaunlich lange Fahrt, ich hätte ja gedacht, dass wir innerhalb von einer halben Stunde in Arosemena wären, aber schlussendlich waren es locker 1 1/2 - 2 Stunden. 
Endresultat? Es war verdammt lustig, das nächste mal hätte ich aber gerne einen eigenen Reifen. Mehr Platz, weniger Gefahr zu fallen (?). Und mein Oberschenkel tut verdammt weh, man sieht zwar nichts aber ich spüre es jedes mal wenn ich meinen Fuß auf den Boden setze.

Montag, 23. November 2015

Alltägliche Kleinigkeite #3

Teil drei, auch wenn mir langsam die Alltäglichkeiten ausgehen. Oder wird das Leben hier langsam einfach Alltag für mich?

  • Jeder hat Facebook. Ich meine damit nicht "jeder unter 30", auch nicht "jeder besitzt ein Profil", sondern "jeder hat und verwendet diese langsam alt werdende Social Media Plattform". Von den zig Mitgliedern meiner Gastfamilie, zu allen Lehrern, zufälligen Bekanntschaften, Schülern, ob alt oder jung. Und sie posten, ständig, über alles und nichts, und immer mit Fotos. 
  • Das ich groß bin ist kein Geheimniss. Auch für österreichische Verhältnisse war ich, für eine Frau, immer ein bisschen über dem Durschnitt. In Ecuador ist es prinzipiell dasselbe, nur extremer. Ich habe bis jetzt noch keine Frau getroffen mit der ich, ohne Absatzschuhe ihrerseits, auf Augenhöhe bin, geschweigeden jemanden der meine 1,75 m übertrumpft. Die meisten Männer sind entweder kleiner oder überragen mich um ein paar Zentimeter. Natürlich gibt es ausnahmen, einige der Jungs hier sind auch ganz schön riesig.
    Aber nur um einen wirklich Vergleich herzustellen, heute habe ich mit Sonnia über Schuhgrößen diskutiert, mit meinen 41 bin ich hier sowieso auf der Verliereseite. 37 werden für eine Frau schon als groß angesehen. Anderes Beispiel, als ich erzählte, dass mein Vater irgendwo zwischen 1,85 & 1,89 m liegt war die allgemeine Meinung nur "Verdammt, so groß?", als ob das das Maximum wäre.
  • Es gibt keine größeren Geldscheine als 50$, obwohl diese auch schon extrem selten sind. Meistens gibt es nur 5,10&20 Scheine, was größeres wird oft nicht angenommen. Banktomaten spucken alles in 10 & 20 aus, als ich Geld für mein Visa holte war ich somit im Besitz eines richtig schön fetten Bündel an Geldscheinen. Manchmal haben sie aber schon Schwierigkeiten 20 anzunehmen, oder anders gesagt zu wechseln. Für den Alltag verwenden die meisten einfach Münzen, ich wusste gar nicht dass es 1$ Münzen gibt.
  • Jeder hat einen Gasherd, zumindest in Arosemena, Quito ist natürlich eine andere Geschichte. Jedenfalls hat mir das zuerst einmal einfach nur Angst gemacht. Einen Gasherd an zu machen ist gefährlich, und wehe du vergisst das Gas richtig abzudrehen. Mittlerweile hab ich den Dreh raus aber letzten erklärte mir Sonnia, dass sie es nicht mag wenn ich den Herd bediene. Sie hat Angst weil ich mich da ja nicht auskenne. Tee und gelegentlich ein Ei zum Frühstück mach ich trotzdem. 
  • Erika, eine der Töchter von Edwin und Sonnia hat schon selbst ein kleines Mädchen, Anna Paula, ist ca 1 1/2. Die Kleine ist einfach so niedlich *__*. Und ich erlebe glaub ich, dass erste Mal wie schnell sich Kinder entwickeln. Als ich ankam war sie noch ein stilles Baby dass mit großen Augen die Welt betrachtete und gelegentlich herumschrie. Heute rennt sie wie ein kleiner Wirbelwind durch das Haus, brabelt vor sich hin (jedes Mal wenn sie mich sieht sagt sie "Hóla" oder "Hello"), es ist einfach richtig faszinierend. Ich weiß, nichts Ecuador exklusives aber erwähnenswert.
  • Frühstücke am Wochenende können, für österreichische Standards, relativ schräg werden. Es wird späte (10-11:30) gegessen, oft nicht nur die Familie im Haus sondern viele mehr. Heute gab es zB gekochte Kochbananen mit Hühnchen, irgendeiner super Soße, Papaya (weil die sonst schlecht wird) und Pan, also Brot. Andere Beispiele wären Chifles (frittierte Kochbananenscheiben) mit Tunfisch (oh ja, das is verdammt geil), einfach Reis mit Hünchen, ein Kochbananenpüree, einmal auch Kuhleber mit den üblichen Beilagen, oder Kartoffeln mit einer Zwiebel/Tomaten/Paprika/Ei-Soße. Also nix brunchen wie bei uns. Finds außerdem immer noch lustig, dass man hier zwei Esslöffel Zucker in den Kaffee aber Marmelade? Viel zu süß, das geht mal gar nicht.
  • Das Auto wird hier, meiner Meinung nach überstrapaziert. Ob in Tena, einer Stadt in der man in guten 30 min vom einem ans andere Ende spazieren kann, immer sofort Taxis gerufen werden oder ein 3 Minuten Fußweg in Arosemena mit dem Auto gemacht wird. Und wenn nicht Auto dann Moped oder Motorrad, die haben übrigens fast alle. Klar, sind ja auch am Land, da kann ich das nachvollziehen.

Freitag, 20. November 2015

Von Nirvana, Laptops, Eis und Menschen

Ich glaube die Leute hier kennen Nirvana nicht. Also nicht alle, Mauricio in Quito wusste sofort von was ich sprach aber als ich Alvaro, einen Cousin, wohnt um die Ecke, gerade beim zurückgehen vom baile terapia darauf angesprochen habe, war nur ein riesengroßes FragezQuiereüber sein Gesicht geschrieben. Ich meine komm schon, Nirvana... Kurt Cobain, Grunge, Smells like teen spirit. Gar nix?
Ok ich sollte nicht zu hart sein, bei uns gibt es sicher auch genug die keine Ahnung haben von was ich spreche.

Ich muss diesen Post von meinem Handy aus schreiben. Wieso? Mein Laptop ist am A****. Ich glaube die Festplatte ist hin, was eine kleine Katastrophe wäre, Festplatten sind hier, laut meine Family zumindest, teuer. Momentan hab ich ihn bei einem Typen abgeliefert, Ingenieur, kann ihn angeblich eventuell fixen. Hoff ich zumindest.

Heute und gestern hatte ich zwei super Erlebnisse die mir mal wieder gezeigt haben wie verdammt toll doch die Menschen in Ecuador sind. Als ich gestern die Straße entlang lief rief mir wieder mal eine meiner Schülerinnen "Señorita Martina" nach, ich darauf "Hóla" und dann sie " Quiere un helado?." Nachdem ihr Papa mir auch freundlich zugewinkt hat dachte ich so "warum nein zu einem Eis sagen?" und habe die Straßenseite gewechselt. Daraufhin wurde mir eine Schokoeis, ihr Papa hat einen kleinen Schulbedarfs und Süßigkeiten Laden, und ein Stuhl angeboten und ich hab ca 1 1/2 Stunden mit der Family über die Schule, Kinder, Ecuador, Österreich, Essen, Hannes und Kathi, Tier und Pflanzennamen, Eissorten, Computer, wieso Österreich so teuer ist, und noch zig andere Themen gequatscht. Alle waren super freundlich und hätten sie nicht irgendwann weg müssen wäre ich ewig geblieben. Schlussendlich meinte der Vater aber sollte ich ein Eis wollen, solle ich nur vorbei kommen. Seine Tür steht mir offen.
Heute dann praktisch das gleiche noch mal, ich war ein Eis kaufen (Kokos, natürlich, das is hier zum niederknien) aber in nem anderen Geschäft da die so ein super Eis aus der Region haben. Nachdem ich bezahlt hatte wurde ich eingeladen mich doch hinzustezen, die Sonne würde doch so extrem vom Himmel brenne, dass mir mein Eis unter den Fingern davon schmelzen würde. Recht hatten sie, also nahm ich das Angebot an. Dann dasselbe Szenario, wieder ewig getratscht, Leute kamen und gingen und schlussendlich habe ich ewig mit Miriam, eine Studentin die eigentlich in Quito lebt aber für ein paar Wochen hier ist um zu entspannen, danach fangen die Abschlussprüfungen an, getratscht. Es war einfach unglaublich lustig, nicht nur sie, alle. Als ich meinte ich wäre 18, single und würde englisch reden meinte einer nur er müsse mich mit seinem Sohn verkuppeln. Wurde dann ein running-gag. Irgendwann meinte Miriam ob ich Lust hätte zum Fluss zu gehen, bei der Hitze sag ich zu so was nie nein, also hat uns ihr Bruder zu nem mini Strand gefahren. Ihr habt ja alle keine Ahnung wie erfrischend das Wasser nach der brennenden Sonne war. Außerdem war es einfach super mit Miriam zu reden, sie ist außerdem glaub ich eine der weltoffensten Personen die ich bisher in Arosemena getroffen habe. Sie meinte sie will viel Reisen, die Welt sehen, arbeiten, auf heiraten hat sie keine Lust und Kinder? Nein danke. Dass hier zu hören ist eine Seltenheit.

Jedenfalls meine sie, nachdem ich erwähnte dass ich öffters laufen gehe, das ich sie das Nächte mal bitte mitnehmen soll. Freu mich schon drauf.

Samstag, 14. November 2015

Ich habe mein Visa

Gestern war einmal wieder so ein Tag an dem ich mich im Nachhinein einfach wundere was ich bitte die ganze Zeit gemacht habe. Nicht im negativen Sinne, ich hatte einfach bis zum Abend nicht einmal die Zeit richtig auf mein Handy zu schauen oder meinen Laptop einzuschalten. Manchmal verfliegt die Zeit hier einfach...
Ich habe jetzt offiziell mein Visa, also das für Freiwillige, als Tourist habe ich mich bisher durchgeschlagen. Jetzt muss ich das Land also nicht am 29 November verlassen sondern darf bis zum 10 Juli bleiben. Absurderweise wollte man mich sofort nach letzten Schultag abschieben, also direkt am 30 Juni. Ich konnte aber relativ überzeugen dafür argumentieren, dass das vielleicht doch etwas knapp wird, somit hat man mir ganzen zehn Tage extra eingeräumt. 

Ob es nun Glück oder Pech ist kann jeder für sich entscheiden, aber seit neuestem ist es möglich das Visa in Tena zu beantragen. So musste zumindest niemand wegen mit fünf Stunden nach Quito fahren, obwohl ich die Stadt gerne wieder besucht hätte. Der ganze spaß begann vor drei Wochen und stellte sich als relativ harmlose Geschichte heraus. Ja, in Ecuador haben sie es mit der Bürokratie und die Menge an Zetteln und Bestätigungen die Edwin vorweisen musste war absurd, aber ein Vorteil an einer Kleinstadt wie Tena ist, dass kaum jemand ein Visum zu stellen scheint. Ich musste nie warten.
Jedenfalls nicht bis wir an der Reihe waren, den Antrag zu stellen hat um die 30 Minuten gedauert, alle Papiere wurden durgeschaut, eine Diskussion um meinen Nachnamen entbrannte (ich versuchte zu erklären, dass ein ä normalerweise in ein ae und kein a umgewandelt wird), Foto gemacht, ich denke die stellen sich nie als sonderlich gut heraus, und noch unzählige Dokumente unterschrieben, ausgefüllt etc. Edwin verabschiedete sich nach ca. fünf Minuten, Besorgungen machen. Theoretisch hätte der ganze Antrag schneller durch sein sollen, nur haben wir irgendeinen Zettel vergessen weswegen ich dienstags Vormittag mit dem Bus nach Tena bin um ihn nachzureichen und dann war es gestern, am 13.11.2015 endlich soweit. Noch einmal an Nachmittag nach Tena, wieder Namensdiskussion geführt, Zettel unterschrieben, bezahlt, und ich habe mein Visa. 
Insgesamt gilt es, von heute an, 242 Tage. Das ist also die Zeit die ich noch in Ecuador bin. Dadurch, dass ich gestern dann doch im Büro einige Zeit untätig herumsaß habe ich angefangen ein bisschen herumzurechnen. Insgesamt bin ich 310 Tage in Ecuador, am 6.12 werden es 100 Tage sein. Ob man so etwas feiern sollte?

Mit dem Visum in der Tasche bin ich ein wenig durch die Stadt spaziert, habe ein paar Kleinigkeiten gekauft, mit ein Eis gegönnt (habe ein Geschäft entdeckt die gutes Kugeleis haben), dann zurück nach Arosemena. Dort wollte ich dann eigentlich laufen gehen, hab mich aber von einer der Lehrerinnen in der Schule zum Basketball spielen mitschleppen lassen. Ich bin so mies in Basketball, vor allem wenn man bedenkt, dass es hier einfach alle spielen können. Schlussendlich rannte ich einfach von einem Ende des Platzes zum anderen und versuchte nicht allzu sehr im Weg zu stehen.Trotsdem, lustig wars.

Mein Visa :D

Mittwoch, 11. November 2015

Nicky Jam oder Konzert auf ecuadorianisch


Seit gefühlt Wochen war es das Gesprächsthema „OMG Nicky Jam kommt nach Puyo und Tena, da MUSS ich hin“. Ich in meiner „nicht-Südamerikaner-seienden“ Naivität wusste nicht einmal wer das sein sollte, bis ich darüber aufgeklärt wurde, dass Gefühlt ein Drittel aller Songs in den Diskotheken hier von ihm stammen. Und „Te busco“, seiner momentan Hitsingle, kann man sowieso nicht aus dem Weg gehen. Zwar habe ich das Lied noch nie von mir aus angehört, kann es aber dennoch bald auswendig.
Jedenfalls ist Nicki Jam hier eine riesen Nummer, kommt aus der Dominikanische Republic, ist in ganz Südamerika einer DER bekanntesten Sänger. Er macht Reggaeton, eine Hip Hop – Elektronik Mischung mit jede Menge lateinamerikanischer Einflüsse, spielen sie hier immer beim Fortgehen, ist super zum Tanzen (1000 Mal besser als der Mist der bei uns teilweise gespielt wird) und nicht, wie ich es natürlich anfangs gemacht habe, mit Reggae zu verwechseln.

Jedenfalls hat besagter, Nicki Jam gestern in Puyo gespielt, gratis! Wenn man Busfahrt, Geld für Bier und Essen, Taxi usw wegrechnet, versteht sich. Andrés wollte hin, ich habe mich einfach dreist angehängt, und bin mit ihm und zwei weiteren seiner Freunde mit dem Bus nach Puyo. Die Stadt hat ca. die Größe von Tena, laut Reiseführer, wirkt aber größer. Mit dem Bus ist man eine gute Stunde unterwegs, keine Tragik. Ich mag Puyo, irgendwie ist mir die Stadt viel sympathischer als Tena, obwohl ich immer noch nicht herausgefunden habe warum zur Hölle mich Tena so abstößt. Vielleicht das Klima? In Puyo ist es angenehm „kühl“. Jedenfalls sind wir vom Busbahnhof gleich zum Konzertgelände, wie mir nämlich erklärt wurde fand alles im Rahmen einer größeren Veranstaltung statt. Ich weiß nicht genau was es zu feiern gab, das Ganze hat mich ein bisschen am mini-Festival erinnert, ein größeres Gelände, eine Bühne, von 3 Uhr Nachmittags weg Musik, jede Menge Essenstände (was aber typisch für Ecuador ist) und Bier. Nicht anders als bei uns, nur dass man in Österreich eine größere Auswahl an Getränken hat, hier gab es Pilsener, Pilsener Light und Club. Standardangebot. Ich bin immer wieder überrascht wie wenig Geld man hier für Bier bezahlen muss, ja bei uns kann man es im Supermarkt auch um 1 Euro kaufen aber bei einem Konzert? Vergiss es. Hier zahlte man für ein bisschen mehr als einen halben Liter 1,50 $. Sonderlich gut schmeckte es meiner Meinung aber nicht, ich bevorzuge Pilsener, nicht weil es (noch) billiger ist sondern weil es weniger Eigengeschmack hat. Ist ein Bier das unglaublich fad und nichtssagend schmeckt, aber so wird es wenigstens nicht ekelig (das Problem hab ich immer mit Bier).

Als wir ankamen spielte gerade eine Gruppe die, wenn ich jetzt nicht mit dem Namen danebenliege, Bachata Musik machte. Ist ein Tanz, glaub relativ populär, kann ich mittlerweile ein bisschen. Innerhalb von wenigen Minuten erspähte Andrés seinen Cousin Marco mit weiteren Freunden, später kamen noch mehr Leute dazu, ich bin ehrlich, Namen kenne ich immer noch nicht viele. Schlussendlich endete ich, wie eigentlich fast immer wenn ich hier fortgehe, als einziges Mädchen in einer relativ großen Gruppe von Jungs. Aber was solls, mit irgendwem versteh ich mich immer.
Wir haben uns ein bisschen nach vorne gekämpft, linker Rand, praktischerweise fast genau neben einem Bierzelt. Und dann wurde ich ausgeraubt. Rückblickend war die ganzen Situation einfach nur unglaublich absurd. In einem Moment war meine kleines Geldbörschen in meiner Hosentasche, ich beschloss aus irgendeinem Grund den Großteil meines Geldes herauszunehmen und in eine andere Tasche zu stecken, und dann plötzlich war es weg. Also meine Geldtäschchen. Keine Tragik, enthalten waren nur 5$ und eine Kopie meines Reisepasses aber um die Tasche tut es mir leid, die hatte ich echt gern. Das ganze kam so plötzlich und unerwartet dass ich nicht einmal Zeit hatte um Panik zu bekommen, wenn ich zurückdenke war ich wohl eher belustigt.

Aber wer hat schon Zeit auf einem Konzert einer gestohlenen Geldtasche hinterherzutragen? Als nächstes betrat eine Gruppe die Bühne die mahr Komiker als Musiker waren. Hin und wieder coverten sie Rockklassiker, aber eigentlich bestand ihre Show hauptsächlich aus Witzen und Gewinnspielen. Während diese Spezialisten versuchten die Menge zu unterhalten, begannen die Konzertbesucher an etwas, meiner Meinung nach, extrem dämliches zu tun. Irgendjemand hatte die geniale Idee sich auf einen Hocker, den man um 2,50$ kaufen konnte, zu stellen um besser zu sehen. Dann noch einer, und noch einer, plötzlich baute sich vor uns eine unüberwindbare Wand von Menschen auf Sitzhockern auf. Um weiter die Show betrachten zu können kauften immer mehr Leute Hocker, und innerhalb von einer halben Stunde befand sich fast das gesamte Publikum einen halben Meter über dem Boden. Endresultat, die gleiche Situation wie zu Anfang da schlussendlich alle wieder dieselbe Größe hatten. Ich weigerte mich zuerst einen Stuhl zu kaufen, später bekam irgendein Mann mit zwei Kindern, dessen Frau das Spektakel relativ schnell verlies, Mitleid mit mir und bot mir ihren Stuhl an. Aber hey, immerhin haben sich die Stuhlverkäufer eine goldenen Nase verdient.
Als nächstes kann ein DJ der die üblichen Party-Songs abfeuerte, heißt eine Mischung aus den bekanntesten Englischen elektronummern gemischt mit jede Menge spanischer Musik, hauptsächlich Reggaeton.
Hier hören die Menschen zu 90% nur spanische Musik, würde ich schätzen, kann ja auch keiner Englisch. Danach Pause und dann die eigentlich Vorband, Audi. Man schreibt ihn anders, er kommt aus Ecuador, macht Rap. Zu meiner Überraschung kannte ich sogar einige Lieder. Als ich versuchte Mauricio, ein anderer irgendwie entfernt Verwandter von Andrés zu erklären, das Audi auch eine Automarke ist erntete ich nur fragende Blicke. Danach war dann erst einmal lange Pause, ich schwöre wir haben mindestens eine Stunde, wenn nicht zwei auf Nicky Jam gewartet. Und wie vertreibt man sich die Zeit? Bier kaufen, wobei es immer lustig war die Diskussionen mitanzuhören wer jetzt gehen muss, tanzen, Musik wurde ja immer noch gespielt, Toiletten suchen, was sich als Odyssee herausstellte. Irgendwann schaffte es der Hauptakt dann doch auf die Bühne, und ich gestehe, es war verdammt lustig. Grundsätzlich der ganze  Abend, diese Musik ist einfach zum Tanzen gemacht. Schade nur dass wir alle auf Plastikstühlen standen, sonst hätte man auch springen können. Um mich herum wurden die Leute immer lustiger, die Musik immer lauter, und als dann all die (hier) bekannten und populären Lieder gespielt wurden gab es eigentlich kaum Leute die nicht jede Textzeile aus voller Kehle mitsangen. (Ich hab es zumindest versucht)

Nach ca. 1 ½ Stunden war es dann aus, eine riesige Menschenmasse bewegte sich auf den Ausgang zu und ich hatte Mühe die Gruppe nicht zu verlieren. Nach ewigem durch die Stadt streifen, Bekannte begrüßen, und zig Erklärungen meinerseits, dass ich in keine Disco hineinkomme weil mir meine Reisepasskopie geklaut wurde endeten wir im Busterminal. Ich war dafür aber nicht der einzige Grund, schlussendlich war es einfach zu spät (unter der Woche sperrt hier alles um 1 zu). Mit dem Bus hatten wir dann aber auch Pech, man wollte uns nicht mitnehmen und so überredeten wir irgendeinen Taxifahrer, wohl ein Freund von Marco, uns für 30$ nach Arosemena zu fahren. Die Gruppe löste sich auf, wir quetschten uns zu siebent in das Auto, und irgendwann um 3 Uhr in der Früh landete ich im Bett.
Heute um 8 aufgewacht, habe Mittwoch glücklicherweise erst später Unterricht. Andrés geht heute gleich noch einmal Nicky Jam Konzert, nur diesesmal in Tena. Ich verzichte, erstens hab ich keine Eintritskarte (kostet hier ganze 5$) und zweitens bezweifel ich, dass ich mit 5h schlaf sonderlich weit komme.

Montag, 9. November 2015

"Hast du eigentlich schon zugenommen?"


Mir wurde letztens eine Frage gestellt die wohl in so ziemlich jeder anderen Lebenssituation als Beleidigung angesehen werden würde: "Hast du eigentlich schon zugenommen?".
Eine ehrliche Antwort? Ich weiß es nicht. Ja, Nein, Vielleicht, Wahrscheinlich. Hier gibt es keine Waage und ich bin niemand der mithilfe von Fotos versucht den Überblick über das eigene Gewicht zu halten. Ich denke schon, ein bisschen, glaubt man den Geschichten gibt es niemanden der ein Jahr im Ausland verbringt ohne gute 5 - 10 Kilo zuzunehmen. Und wenn man die Essgewohnheiten hier genauer betrachte (3/4  Kohlenhydrate, der Rest Fleisch) gibt es genau drei Möglichkeiten diese Regel zu brechen.
1. Weniger Essen, vielleicht nur mehr 2/3 dessen was in Österreich für mich normal war.
2. Selbst kochen. Aber einfach Höflichkeit, Zeitmangel und Eintönigkeit hält mich davon ab.
3. Sport machen.
Jetzt ratet mal für was ich mich entschieden habe?

Ich glaube ich mache hier wesentlich mehr Bewegung als zu Hause, oder zumindest genauso viel, ca. 4-5 Abende die Woche gehe ich entweder eine Stunde laufen oder Baile terapia. Letzteres würde ich am ehesten mit Zumba vergleichen, was eine schlechte Idee ist da ich diesen Sport auch nur aus Erzählungen kenne. Generell ist Baile terapia geteilt in Aerobic und tanzen. Wirklich tanzen, lateinamerikanisch versteht sich, mit viel Hüftbewegung, Körper schütteln, "elegante" Bewegungen machen. Ich hätte nie gedacht, dass das so anstrengend sein kann. Aber da ich das seit mittlerweile fast zwei Monaten regelmäßig mache würde ich mich trauen zu behaupten, dass ich mittlerweile einen minimalen Hüftschwung zusammenbekomme.

Trotzdem möchte ich hier klarstellen, dass ich den Sport nicht wegen meiner Figur mache. Klar, ich bin gerade ziemlich zufrieden damit wie ich aussehe, bevorzugter Weise könnte ich auf 5 Kilo extra verzichten, aber mir ist bewusst, dass in meinem Alter zunehmen ungefähr genauso leicht ist wie Gewicht verlieren. Nein, ich habe auch andere Hintergedanken, in spätestens zwei Monaten, wenn meine Mama mich besuchen kommt, geht es auf in die Berge. Am liebsten würde ich aber so bald wie möglich die Bergwelt von Ecuador erkunden und das geht schlecht wenn sich meine komplete Muskulatur  in nichts auflöst. Vor allem wenn man bedenkt, dass die Berge hier ein wenig höher sind. 
Und dann wäre da noch die Tatsache, dass Sport einfach Spaß macht. Laufen ist super um den Kopf frei zu bekommen, nachzudenken, sich treiben zu lassen. Und alle anderen Sportarten, also auch das hin und wieder vorkommende Fußball oder Basketball spielen, sind toll um Leute zu treffen, ein bisschen zu tratschen. Ich habe hier sowieso so oft nichts zu tun, bin für jede Ablenkung dankbar.

Samstag, 7. November 2015

Quito - Nachgedanken

Kennt ihr dieses Gefühl wenn man plötzlich nach Hause kommt und alles Fremd wirkt? Wenn man den Gedanken nicht mehr los wird, dass irgendetwas falsch ist? Dass man einfach nicht an diesen Ort gehört? Plötzlich wirken all die Dinge die vor kurzem noch ok oder gar toll waren lasch und öd, man sehnt sich nur noch nach der Ferne, geht in seinem Kopf alle die verschiedenen Möglichkeiten durch die man hat um endlich wieder weg zu kommen?
Natürlich kennt ihr das, jeder kennt es. Nach beinahe jedem Urlaub, jeder großen Reise. Fernweh, das Bedürfnis etwas anderes zu tun, tritt vor allem auf wenn man mit der derzeitigen Situation nicht 100% zufrieden ist. Und wann ist man das schon?
Als ich im Bus von Quito nach Tena gefahren bin war mir zu Heulen zumute. Ich betrachtete die wunderschöne Berglandschaft , nur um zu beobachten wie sich Berge in Hügeln, karge Felslandschaften in Regenwälder und Braun in Grüntöne verwandelten. Ich stieg bei angenehmen 20°, mit Sonne und trockener Luft in den Bus um diesen bei schwülen, 28° wieder zu verlassen. Ich kehrte einer Großstadt, die von einer Traumlandschaft umgeben ist, einem Ort an dem es alles gibt, den Rücken zu um in einem Kaf im nirgendwo zu landen, einer Kleinstadt die eine Größe hat in der man nicht einmal in der Menge verschwinden kann.

Natürlich redet da wieder einmal die Pessimistin in mir. Arosemena hat seine Vorzüge, es ist ruhig und entspannt, die Leute sind lieb, alles ist einfach, unkompliziert. Keine Hektik, kein Stress. Ich bin kein Fan von Tena wenn ich ehrlich bin, die Stadt hat die falsche Größe. Zu klein, als das man wirklich etwas tun könnte, zu klein um unterzutauchen, sich treiben zu lassen, aber zu groß um den Charme und die Ruhe von Land zu versprühen. Entweder Großstadt oder Land, alles dazwischen ist mir unsympathisch. 
(Und, wenn ich schon einmal die Wahrheit sage, in meinen Augen ist Tena einfach keine schöne Stadt, wirkt irgendwie relativ heruntergekommen)
Aber was ich wirklich vermisse sind die Menschen. In Quito merk man einfach dass die Leute weltoffener sind, über Landesgrenzen hinwegdenken. Auch hatte ich mit Anna endlich eine Person aus Österreich mit der ich mich ernsthaft über Unterschiede zwischen den beiden Ländern unterhalten konnte, vor allem wirtschaftliche, ökonomische und politische.

Was ist die Konsequenz des ganzen? Ich muss wieder nach Quito, und in die Berge. Man hat mir angeboten mich einmal mitzunehmen zum Wandern, inklusive Camping, das ist momentan mein Lichtblick. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlecht, erst einmal hier sein, mit einer Situation klarkommen mit der man nicht ganz zufrieden ist zwingt einen mehr über sich zu lernen und aus sich raus zu gehen. Außerdem sollte ich nicht nur alles schlecht reden, zwar bin ich hin und wieder allein und gelangweilt, aber dann geht es wieder einmal zum Fluss, irgendjemand hat Geburtstag oder irgendwelche Feiertage inklusive Familientreffen finden statt. 
Und wenn ich dann zurückkomme geht wenigstens die Magie nicht verloren, ich werde die Berge sehen und mich wieder wie ein Kleinkind freuen. Ich werde das Panorama von Quito bestaunen ohne ihm je überdrüssig zu werden. Ich werde wieder Pizza und Sushi essen ohne dass es mir wie Alltag vorkommt.
So muss man denken, vielleicht werde ich doch noch Optimist.
Ok, nicht alles auf einmal.
Kleine Schritte.
Hier noch ein zwei Fotos aus Quito :)

Quito Innenstadt
Ich und Anna am Pichincha