Dienstag, 8. September 2015

Tena und Wasserfälle


Ich bin fertig. Da wäre einerseits die Schule, welche mich weniger körperlich als geistig strapaziert. Auch wenn es nur die ersten zehn Zahlen waren, mit 6-jährigen zu arbeiten kann die Nerven sehr ermüden. Außerdem neige ich dazuEnglisch und Spanisch zu verwechseln, vor allem lustig wenn ich dann Sätze wie "Como se dice eight en íngles?" von mir gebe. Andererseits ist da der Regen, heute Nacht hat es geschüttet. Nein, ihr versteht nicht, kein heftiger Regen wie in Österreich wo vielleicht ein paar Tropfen an das Fenster brasseln. ich rede von einem Lärm der in den Ohren weh tat. Wahrscheinlich verstärkt durch mein Zimmer im Dachgeschoß und das Dach, welches aus irgendeinem Blech gemacht ist, wurde mir der schlaf geraubt. Schlussendlich musste ich mir meine großen Kopfhörern aufsetzten, sehr angenehm, vor allem für jemanden der überall nur nicht am Rücken einschlafen kann.

Aber genug davon, gestern war ich in Tena, der nächstgelegen Stadt. Wahrscheinlich ist Graz um ein x-faches größer aber da ich mittlerweile ja andere Maßstäbe gewohnt bin kommt mir Tena riesig vor. Ok, riesig ist übertrieben, das trifft auf Quito zu. Jedenfalls habe ich mich mit einem Freund von Hannes, Luis getroffen, er wohnt in Tena, hat dort ein Internetcafé. Mit einem weiteren Freund von ihm haben wir dann einen etwas von Tena entfernten Wasserfall angeschaut. Mit dem Bus nach Archidona, einem Dorf das größenverhältnismäßig wohl irgendwo zwischen Arosemena und Tena liegt, von dort aus mit dem Taxi weiter ins Land hinein zu einer Ansammlung von Häusern die ich nicht einmal mehr als Dorf bezeichnen könnte. Einen Weg entlang durch den Wald, ich die Gegend bewundernd. Nach guten zehn Minuten kam dann der erste Wasserfall, klein aber schön, anbei ein Teich in dem wir baden hätten können. Taten wir nicht, aber das nass sein wurde uns dennoch nicht erspart. Weiter, zum zweiten von insgesamt fünf Wasserfällen an dem mir das erste Mal klar wurde was genau wir machen würden. Zwar gibt es einen Landweg, aber erstens, warum am Land gehen wenn es ein Flussbett gibt?, und zweitens erinnerte er mich stark an die "Wege" letztes Jahr beim Frequency Festival nach eine Nacht voller Regen.
Einfach gesagt, wir sind durch den Fluss gegangen. Was folgte war eigentlich verdammt lustig, wie Luis mir zwar erklärte gibt es momentan nicht viel Wasser, dennoch reichte es teilweise bis zur Hüfte. Wasserfall drei und vier kamen und gingen, der Wald wurde immer dichter, aber auch beeindruckender. An dieser Stelle sollte ich wohl noch erwähnen, dass ich das Ganze ohne Schuhe bestritt. Im Nachhinein vielleicht nicht die beste Idee, glücklicherweise bin ich aber auf keine Steine oder anderes Unangenehmes getreten. Auf die Frage hin was genau es hier im Wasser für Tiere gäbe bekam ich die eher wage Antwort von "eigentlich nicht viel", also wer weiß. Weiters stellte sich im Laufe der Zeit meine Größe als Hindernis heraus, ein paar Zentimeter kleiner und ich hätte mir nicht ständig Äste und Blätter aus dem Gesicht wischen müssen.
Der Wald hat mich am meisten fasziniert, ich kenne so etwas ja nicht. Es wirkte irgendwie vertraut, aus den tausenden Urlaubsbroschüren, Dokumentationen, Bildern und Filme aber echt ist es einfach etwas anders. Das Highlight war dann dennoch der fünfte Wasserfall, hier ergab ich mich endgültig meine Schicksal und tauchte völlig unter Wasser. Anschließend noch ein bisschen am Wasserfall herumklettern, Fotos machen, einfach den Moment genießen. Ich fange an Ecuador wirklich verdammt gern zu haben.
Zurück in Tena waren wir dann noch Essen, eigentlich wäre so etwas ja nicht erwähnenswert wenn da nicht die Tatsache wäre, dass ich das erste Mal seit einer Woche nicht Hühnchen und Reis sondern Fisch gegessen habe. Seeehr lecker.



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