Es fällt mir schwer das hier
niederzuschreiben. Einerseits weil ich mir einfach nicht leicht damit tue offen
über meine Gefühle zu reden, andererseits habe ich Angst, dass dieser Post
falsch verstanden wird. Aber ich habe das
Bedürfnis hierrüber zu reden, vielleicht um zu zeigen, dass das Leben in
Ecuador für mich nicht nur aus Spaß besteht, oder noch wahrscheinlich um all
denjenigen die selbst planen Zeit im Ausland zu verbringen klar zu machen, dass
es auch schwerer Zeiten gibt.
Damit niemand auf falsche Gedanken
kommt, nein ich will nicht nach Hause zurück. Nein, ich bereue nichts. Einfach
gesagt, die letzten vier Wochen hier waren für mich auf allen Gefühlsebenen
eine Achterbahnfahrt, ein ständiges auf und ab. Zu Anfangs ein totales Hoch,
all das Neue, das Fremde, die Begeisterung, das Staunen. Dann die erste
Abwärtsfahr, die Erkenntnis dass ich alleine bin, niemanden kenne, die Angst
keinen Anschluss zu finden, die Einsamkeit. Nächstes Hoch, die erste Ausflüge,
die Schule beginnt, die Vormittage werden geschäftig, was machen da teilweise
eintönige Nachmittage? Dann der plötzliche neuerliche Absturz, ich beginne Dinge
zu vermissen, Familie und Freunde, vor allem jemanden zum Reden, jemanden mit
dem ich wirklich vertraut bin, keine oberflächlichen Gespräche in einer fremden
Sprache. Drei Wochen weg von zu Hause, drei Wochen Leute nicht sehen? Das hatte
ich schon, aber alles darüber hinaus ist Neuland. Der Gedanke macht sich breit, dass ich nicht
hierher gehöre, dass die Menschen hier, trotz all ihrer Freundlich und Warmherzigkeit
irgendwie fremd sind, dass ich einfach nicht weiß wie ich mich eingliedern
soll.
Mir ist klar, dass es besser
wird, oder ich hoffe dass es besser wird. Mein rational und logisch denkendes
Ich bestätigt mir immer wieder, dass es einfach Zeit braucht Leute wirklich
kennenzulernen, das mein Spanisch nicht innerhalb von ein paar Wochen perfekt
werden kann, ja dass selbst der Unterricht irgendwann Normalität wird. Aber trotzdem
sind diese Gefühle nun einmal da, trotz all dem gut zureden und logischem
nachdenken kann ich nicht bestreiten, dass ich teilweise einfach einsam bin.
Dass ich mich nach Menschen sehne, die kilometerweit entfernt sind. Dass ich
wieder ein vertrauteres Umfeld will, eines in dem ich mich auskenne, in dem ich
weiß wie ich reagieren und mich verhalten soll.
Mir ist es extrem wichtig, dass
dieser Post gelesen und verstanden wird. Was ich hier durchmache, egal wie
lächerlich es auch scheinen mag, und egal wie schnell es wieder vorbeigeht, ist
normal. Außer man ist im Besitz einer unglaublich offenen und anpassungsfähigen
Persönlichkeit ist es ein Ding der Unmöglichkeit ein Jahr in die Fremde zu
gehen ohne sich wenigstens ein bisschen alleine zu fühlen. Es ist nichts
schlimmes Dinge und Menschen zu vermissen, es ist vielleicht sogar gut sich die
Frage zu stellen wieso man das eigentlich gemacht hat, immerhin versteht man dann
am besten was man am eigenen Leben hatte. Aber es ist kein Grund aufzugeben,
natürlich nicht. Es sind normale Gefühle die wie bei meiner metaphorischen
Achterbahnfahr irgendwann einmal wieder zum Stillstand kommen.
Der Grund warum mich all das
anfänglich so geschockt hat war einfach die Tatsache, dass ich es nicht erwartet
hatte. Jeder mit dem ich je über ein Auslandsjahr geredet habe meinte nur wie
toll es war/ist, wie viele Erfahrungen man macht, die Abenteuer und neuen Entdeckungen
wurden angesprochen, die zehntausend Freunde und Bekanntschaften erwähnt. Immer
reden alle nur über das Gute und Positive, was primär nicht schlecht ist, im
Endeffekt überwiegen diese Dinge ja bei weitem. Dennoch, ich wäre dankbar hätte
mir jemand einfach gesagt, dass es manchmal einsam sein kann. Das alleine in
ein anderes Land, mit fremden Menschen und einer neuen Umgebung zu reisen nicht
immer leicht ist. Und darum schreibe ich das hier auch, nicht um mein Herz auszuschütten
sondern einfach um klarzustellen, dass ein Auslandsjahr kein Abenteuerurlaub ist.
Das man hier wirklich leben, sich eine neues Umfeld aufbauen, praktisch von
null anfangen muss. Und egal wie toll und lehrreich das im Endeffekt auch sein
mag, anfangs gilt es ein paar Hürden zu überwinden.
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