Freitag, 25. September 2015

Heimweh und Einsamkeit



Es fällt mir schwer das hier niederzuschreiben. Einerseits weil ich mir einfach nicht leicht damit tue offen über meine Gefühle zu reden, andererseits habe ich Angst, dass dieser Post falsch verstanden wird.  Aber ich habe das Bedürfnis hierrüber zu reden, vielleicht um zu zeigen, dass das Leben in Ecuador für mich nicht nur aus Spaß besteht, oder noch wahrscheinlich um all denjenigen die selbst planen Zeit im Ausland zu verbringen klar zu machen, dass es auch schwerer Zeiten gibt.

Damit niemand auf falsche Gedanken kommt, nein ich will nicht nach Hause zurück. Nein, ich bereue nichts. Einfach gesagt, die letzten vier Wochen hier waren für mich auf allen Gefühlsebenen eine Achterbahnfahrt, ein ständiges auf und ab. Zu Anfangs ein totales Hoch, all das Neue, das Fremde, die Begeisterung, das Staunen. Dann die erste Abwärtsfahr, die Erkenntnis dass ich alleine bin, niemanden kenne, die Angst keinen Anschluss zu finden, die Einsamkeit. Nächstes Hoch, die erste Ausflüge, die Schule beginnt, die Vormittage werden geschäftig, was machen da teilweise eintönige Nachmittage? Dann der plötzliche neuerliche Absturz, ich beginne Dinge zu vermissen, Familie und Freunde, vor allem jemanden zum Reden, jemanden mit dem ich wirklich vertraut bin, keine oberflächlichen Gespräche in einer fremden Sprache. Drei Wochen weg von zu Hause, drei Wochen Leute nicht sehen? Das hatte ich schon, aber alles darüber hinaus ist Neuland.  Der Gedanke macht sich breit, dass ich nicht hierher gehöre, dass die Menschen hier, trotz all ihrer Freundlich und Warmherzigkeit irgendwie fremd sind, dass ich einfach nicht weiß wie ich mich eingliedern soll.

Mir ist klar, dass es besser wird, oder ich hoffe dass es besser wird. Mein rational und logisch denkendes Ich bestätigt mir immer wieder, dass es einfach Zeit braucht Leute wirklich kennenzulernen, das mein Spanisch nicht innerhalb von ein paar Wochen perfekt werden kann, ja dass selbst der Unterricht irgendwann Normalität wird. Aber trotzdem sind diese Gefühle nun einmal da, trotz all dem gut zureden und logischem nachdenken kann ich nicht bestreiten, dass ich teilweise einfach einsam bin. Dass ich mich nach Menschen sehne, die kilometerweit entfernt sind. Dass ich wieder ein vertrauteres Umfeld will, eines in dem ich mich auskenne, in dem ich weiß wie ich reagieren und mich verhalten soll.
Mir ist es extrem wichtig, dass dieser Post gelesen und verstanden wird. Was ich hier durchmache, egal wie lächerlich es auch scheinen mag, und egal wie schnell es wieder vorbeigeht, ist normal. Außer man ist im Besitz einer unglaublich offenen und anpassungsfähigen Persönlichkeit ist es ein Ding der Unmöglichkeit ein Jahr in die Fremde zu gehen ohne sich wenigstens ein bisschen alleine zu fühlen. Es ist nichts schlimmes Dinge und Menschen zu vermissen, es ist vielleicht sogar gut sich die Frage zu stellen wieso man das eigentlich gemacht hat, immerhin versteht man dann am besten was man am eigenen Leben hatte. Aber es ist kein Grund aufzugeben, natürlich nicht. Es sind normale Gefühle die wie bei meiner metaphorischen Achterbahnfahr irgendwann einmal wieder zum Stillstand kommen.

Der Grund warum mich all das anfänglich so geschockt hat war einfach die Tatsache, dass ich es nicht erwartet hatte. Jeder mit dem ich je über ein Auslandsjahr geredet habe meinte nur wie toll es war/ist, wie viele Erfahrungen man macht, die Abenteuer und neuen Entdeckungen wurden angesprochen, die zehntausend Freunde und Bekanntschaften erwähnt. Immer reden alle nur über das Gute und Positive, was primär nicht schlecht ist, im Endeffekt überwiegen diese Dinge ja bei weitem. Dennoch, ich wäre dankbar hätte mir jemand einfach gesagt, dass es manchmal einsam sein kann. Das alleine in ein anderes Land, mit fremden Menschen und einer neuen Umgebung zu reisen nicht immer leicht ist. Und darum schreibe ich das hier auch, nicht um mein Herz auszuschütten sondern einfach um klarzustellen, dass ein Auslandsjahr kein Abenteuerurlaub ist. Das man hier wirklich leben, sich eine neues Umfeld aufbauen, praktisch von null anfangen muss. Und egal wie toll und lehrreich das im Endeffekt auch sein mag, anfangs gilt es ein paar Hürden zu überwinden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen