Samstag, 5. September 2015

Erste Tage in der Schule



Ich glaube der Blog braucht einen anderen Namen. Auch wenn sich meine Lebenseinstellungen nicht so schnell ändern werden, passen tut es Momentan nicht.
Die letzten zwei Tage haben den Beginn meiner Karriere als Lehrerin dargestellt. Zwei Tage die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch war jeder, auf seine Art, ganz speziell und einmalig.

Donnerstag:
Um sieben Uhr in der Früh wurde ich abgeholt, als meine Mitfahrgelegenheit stellten sich als die zwei Lehrer der Schule an der ich von jetzt an jeden Donnerstag unterrichten werde heraus. Ein Mann und eine Frau, aber da ich grauenvoll mit Namen bin, hab ich diese natürlich vergessen. Weit von jeglicher Zivilisation , gefühlt mitten im Urwald, liegt diese eine erste Schule; großer Grund, kleines Gebäude, nur zwei Klassen. Vor den provisorischen Schultor warteten schon einige Schüler, wie sich aber schnell herausstellte waren von den eigentlich 24 nur 8 anwesend. Resultat, „Ersatzprogramm“. Wie man mir erklärte tauchen am ersten Schultag nie viele Schüler auf. Darum haben wir erst mal die Schule und Toiletten geputzt, dann Schuljahr eröffnet, (lange Rede, einige Formalitäten und dann Hymne singen und beten), Bücher ausgeteilt, Bilder gemalt, meine Fotos angeschaut, Kekse gegessen und dann sind die Kinder ab nach Hause. Was ich zu den Kindern sagen kann? Alle unglaublich lieb, schüchtern, teilweise anhänglich. Ich glaube hier werde ich viel Spaß haben.
Und ich? Ich blieb noch mit den Anderen in der Schule. Wie sich herausstellte gibt es hier anbei einen Garten, irgendwie jedenfalls. Man könnte es auch ein etwas ordentlicheres Stück Dschungel bezeichnen in dem es von Bananen, Ananas, Orangen, Kakao über Chili verdammt viele Früchte gibt, ebenso wie einen kleinen Stall mit Hühnern und Meerschweinchen. Ja, hier isst man Meerschweinchen. Aber an all diejenigen die jetzt die Hände vorm Mund zusammenschlagen und sich aufführen als wäre das eine große Sache, bei uns werden auch zum Beispiel Hasen gegessen. Da frage ich mich wo jetzt der große Unterschied ist.
Die nächsten paar Stunden stellten sich als unglaublich ruhig, träge und entspannend heraus. Ich habe Mandarinen und Zuckerrohr gegessen, seeehr lange mit den Beiden gequatscht und dem Mann dabei zugeschaut wie er einem Meerschweinen das Fell abzieht, es ausnimmt und über einem offenen Feuer grillt. Ich glaube wenn ich danach nicht das Bedürfnis hatte Vegetarier zu werden kommt es auch nicht mehr. Jedenfalls schmeckt Meerschweinchen eigentlich ganz gut, ich konnte keinen besonderen eigenen Geschmack herausfiltern, Fleisch eben.




Freitag:
Neuer Tag, neue Schule. Wieder wurde ich in der Früh abgeholt, diese Schule stelle sich insgesamt als noch kleiner heraus, aber immerhin gab es Schüler. Außer mir sind hier es noch zwei anderer Lehrerinnen, die mich gleich einmal mit den Worten „Beschäftige die Kinder, erzähl ihnen etwas“, alleine ließen. Tja, daraus wurden meine ersten Erfahrungen im Unterrichten. Und was habe ich gelernt?
Es ist verdammt anstrengend. Vor allem muss ich härter durchgreifen, nur lieb und nett sein funktioniert nicht. Vor allem da es in der Klasse einige kleine Jungs gibt die nichts lieber tun als neue Lehrer zu nerven. Zugegebenermaßen, ich habe nach einer halben Stunde kapituliert, bin in das Nebengebäude zu den anderen gegangen um nachzufragen wie lange ich die Kinder noch beschäftigen muss. Daraufhin erntete ich ein paar belustigte Blicke sowie die Erklärung, dass heute sowieso nichts getan werden kann, da die Schüler ja keine Materialien haben. Der wahre Unterricht würde erst am Montag beginnen. Daraufhin wurden die Schüler mehr oder weniger sich selbst überlassen.
Wäre die nächsten paar Stunden nichts weiter passiert, meine Meinung zu Schulen und Unterrichten hätte sich irgendwo ganz tief im Erdinneren wiedergefunden. Aber irgendwann, ich in der Klasse sitzend und den Kindern dabei zuschauend wie sie die Raum auf den Kopf stellen, wurde ich plötzlich von einer Gruppe kleiner Mädchen umringt. Alle zwischen 5 & 7, klein, schüchtern. Fast zaghaft tastete sie sich an mich heran, kuschelten sich an mich, stellten mir Fragen wie „Was ist mit deiner Haut los, warum ist die so hell“, waren von meinen Haaren fasziniert und wollten mich gar nicht mehr loslassen. Daraufhin ließ ich mich aus der Klasse führen und begann mit ihnen Fußball zu spielen was schlussendlich in einer langen, aber ziemlich lustigen, Partie Fußball mit den größeren Kindern endete. Daraufhin noch ein bisschen Basketball, dann wurden alle entlassen.

Am Montag geht es dann weiter, dann darf ich endlich auch hier in Arosemena Tola unterrichten. Diese zwei Schulen waren ja beide eher am Land und nicht sonderlich groß. Ich glaube hier in Arosemena Tola bin ich beim unterrichten auch nicht allein, was eine nette abwechslung wäre. Aber schlussendlich denke ich, dass ich mit den Kindern ganz gut klarkommen werde.
Wow, eigentlich überraschend so etwas von mir selbst zu hören ^^

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