Sonntag, 20. September 2015

Der Unterricht

Ich schreibe diese paar Zeilen nachdem ich eine Stunde lang Verschiedenes für die nächste Woche in der Schule vorbereitet habe. Unterrichten ist teilweise einfacher, manchmal aber auch komplexer als ich dachte. Anfangs habe ich nur Zahlen, Farben, Begrüßungen etc. gemacht. Einerseits um zu sehen wie die Kleinen sich machen, man merkt teilweise riesen Unterschiede, andererseits weil ich es nicht sonderlich ernst genommen habe.
Aber von Anfang an, ich unterrichte Montag bis Mittwoch in Arosemena Tola, erste bis zur siebente Klasse, also 5-12 Jährige. Donnerstag und Freitag bin ich in zwei anderen Schulen, hier gibt es pro Klasse nur wenige Kinder weswegen die Gruppen kleiner sind.


Erkenntnis Nr. 1: Die Kinder lieben mich.
Erkenntnis Nr. 2: Unterrichten kann Spaß machen.
Ob Nummer 1 an meinen natürlichen Charme und unglaublich liebenswertem Charakter oder meinem "exotischen" Aussehen (groß, weiß, leichter Rotstich in den Haaren) und der allgemeiner Neugier der Kinder liegt kann ich nicht genau sagen, aber ich tendiere zu ersterer Vermutung.

Mit den ganz Kleinen bin ich noch nicht über Zahlen hinaus, am anstrengendsten ist wahrscheinlich die erste Klasse. Hier kann ich nichts tun, wie soll man 80 Minuten (2 Schulstunden) mit Englisch füllen wenn die Kinder nicht einmal zählen können? Die zweite Klasse geht besser, aber schreiben ist hier auch unmöglich. In der Dritten geht es dann langsam, hier muss ich aber beinahe eine Stunde nur für das Abschreiben von der Tafel einplanen, darum werde ich in Zukunft für diese Klassen Arbeitszetteln kopieren, soweit möglich. Vierte, Fünfte und Sechste sind am angenehmsten, hier kann ich mehr machen, die Kinder sind lernbereit, freuen sich wenn ich komme, machen mit und können schreiben. Mehr oder weniger zumindest, in der Vierten ist es noch mühsam. Die Siebente ist anstrengend, hier bin ich meist ohne Lehrer, keine Ahnung wo der immer hin verschwindet, und die Kleinen unter Kontrolle zu halten ist sehr mühsam.
Die anderen Schulen sind einfacher, aufgrund der relativ kleinen Gruppen. Mit fünf Kindern eine Stunde arbeiten ist weitaus effektiver und einfacher als mit fünfundzwanzig. Ich glaube hier werde ich sehr viel schneller vorankommen.

Und wie unterrichte ich?
Nach zwei Wochen kann ich noch nichts genaues sagen, von Tag zu Tag lerne ich Neues dazu. Ich merke, dass die Kinder es einerseits mögen zu wiederholen, da sie hier glänzen können, andererseits aber vom ständigen Auffordern zum nachsprechen genervt werden. Da die Aussprache für die Meisten aber das größte Hindernis ist kann ich schlecht damit aufhören. Beispiel sind die Zahlen 13 und 14, bei fast allen Kinder klingen "thirteen" und "fourteen" exakt gleich, was indirekt problematisch ist da sie so eine der beiden Zahlen fast automatisch weglassen. Oder das im Spanisch in der Aussprache nicht vorhandene H, dadurch klingt "Hello" sehr schnell wie "Ello", usw. 
Ich versuche das langweilige "Vokabeln an die Tafel schreiben und dann ins Heft kopieren" durch zeichnen, Dialoge oder einzelnes abprüfen etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Singen werde ich wohl bald auch müssen. Sonst versuche ich eigentlich den Unterricht nicht zu streng zu halten, es geht vor allem bei den Kleinen weniger darum wirklich Englisch zu lernen (sein wir ehrlich, eine Siebenjährige merkt sich das alles von 2 h Englisch die Woche sowieso nicht) sondern um den ersten Kontakt mit der Sprache, vor allem das Sprechen und Aussprechen. Sie sollen eine Idee bekommen, nicht fliesend Englisch können.
Mit den Größeren kann ich mehr machen und habe das auch vor. Da ich selbst aber am Sprachunterricht das "Sätze lernen" immer am meisten gehasst habe versuche ich gleich einmal ein bisschen Basic Grammatik hineinzubekommen. Sprich die Wörter "to be" und "to have", "a/an", "There is/There are", ich hoffe nur ich nehm mir da nicht zu viel vor.
Nur in meiner Philosophie ist es relativ sinnlos die Kinder Sätze oder kleine Geschichten (zB über die Familie) schreiben oder auswendig lernen zu lassen wenn sie nicht einmal wissen aus welchen Wörtern zum Beispiel der Satz "I have a brother" eigentlich aufgebaut ist. 

Ich hänge mich irgendwie wirklich in das Ganze hinein. Es kommt einfach so wie es bei mir immer kommt, wenn ich etwas mache dann richtig. Ich tendiere zum Perfektionismus. Ich will ein Ergebnis haben, ich will dass die Kinder etwas lernen. Mir ist bewusst, dass ich ohne Erfahrung und Hilfe keine Berge versetzten kann, aber zumindest die Basics sollen sie beherrschen. Ich will das das funktioniert und ich tue alles damit es auch klappt.

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