Ich muss auf den Tungurahua.
Kein "ich will" oder "ich möchte", nein ich muss hinauf. Weil ich ihn heute gesehen habe. Und gestern. Ich war laufen, es war dunkel, der Anblick hat mich fast erschlagen. Rauf zu "las Antenas", eine steile Straße, vorbei an Autos und Fußgängern. Und dann, plötzlich dieser Berg. Es war zu dunkel, nur Umrisse. Irgendwo dunklere Flecken, Wald, dann hellere Stellen, Geröll. Ich war wie hypnotisiert, meine Beine festgefroren, die in meine Glieder kriechende Kälte ignorierend verlor ich mich in dem Anblick.
Bis es dunkel wurde.
Und er weg war.
Dann heute wieder, auf der Rückfahrt vom Chimborazo, einem Berg der ebenso beeindruckt aber mehr Ehrfurcht als Begeisterung in mir weckt. Wieder lachte er mich an. Bei Tag.
Asche oder Staubwolken stiegen aus dem Krater auf, umhüllten ihn wie ein gelber Mantel. Keine Wolken, kein Nebel. Es wirkt als erhebe er sich aus dem Nichts, die umliegenden Berge und Hügel wie Zwerge, lächerlich klein. Am Fuße ist er bewachsen, grün, man sieht Wälder, Wiesen, Häuser. Menschen leben hier, schmiegen sich mir ihrem Hab und Gut an einen Berg obwohl dieser ihnen mehr zu nehmen als zu geben droht. Er wirkt fast beängstigend, wenn man ihn so betrachtet.
Die Spitze fehlt, ein Krater bildet das obere Ende. Es ist kein perfekter Kreis, als hätte jemand mit einem stumpfen Messer und viel Gewalt auf den Berg eingeschlagen. Viele kleine Spitzen , aber kein höchster Punkt.
Von dem Krater ziehen sich Rillen den Berg hinab, wie Flussbette, aber ohne Wasser. Hier ist der Berg braun, kahl. Ein Geröllfeld. Man bildet sich ein Staub zu sehen, nichts als Staub und Erde.
Und dennoch, ich muss hinauf. Ich will auf der Spitze stehen, ich will wieder das Gefühl haben einen Berg zu bezwingen. Er ist wunderschön, der Tungurahua, schöner und mächtiger als all die Berge die ich bisher sehen durfte.
Oder ist es nur Einbildung? Weil ich schon zu lange in keinem Gebirge mehr war. Weil dieser Berg, im Gegensatz zum Chimborazo, kein Training oder Wochen an Vorbereitung für mich darstellt?
Ich weiß es nicht.
Ich will nicht darüber nachdenken.
Ich will nur hinauf.
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