6310m, eine mit Eis uns Schnee bedeckte Kuppe, inmitten einer kargen Fels- und Hügellandschaft die einen nur mehr im Entfernetsten an fruchtbaren oder grünen Bergen denken lässt. Ein Berg der sich im Nichts gegen den Himmel streckt, so hoch und gewaltig dass die Spitze permanent Wolken einzufangen scheint, Felswände die von Geröll und losen Steinen bedeckt sind, und durch ihre rote Farbe noch beeindruckender wirken.
Das ist der Chimborazo.
Um 8:30 geht es von Baños los, durch hügelige Landschaften, Riobamba und schlussendlich zum höchsten Berg in Ecuador. Die Landschaft wird eintöniger, die Häuser seltener, die Luft dünner. Wir werden den Berg nicht bezwingen, ein Dinger der Unmöglichkeit ohne Akklimatisation, aber der Tag wird sich dennoch als Erlebnis herausstellen. Die Anden sind anders als die Alpen, wo sich bei uns ein Berg an den nächsten hängt, immer von tiefer gelegenen Tälern getrennt, hat man hier sanfte Hügellandschafften, nur teilweise von gewaltigen Bergen unterbrochen, die dann noch 1-2000m extra dem Hochland hinzufügen. Darum ist der erste Blick auf Ecuadors höchsten Berg auch einer der atemberaubendsten den ich je erhaschen durfte, weil es nichts vergleichbares im Umfeld gibt. Dazu kommt die Höhe, das Gefühl den Wolken nahe zu sein. Was sonst so weit weg wirkt ist plötzlich nur mehr einige Sprünge entfernt, sonst zierlich und klein wirken sie riesig und bedrohlich.
Wir fahren bis zu 4800m, es ist kalt und heiß zugleich. Kalt wegen der Höhe, dem Wind, heiß durch die Sonne. Wir sind zu 5, Mama, Nick, ich, unser Guide und ein weiterer Tourist aus Costa Rica, Andrés. Ich rede mit ihm während wir zu einer kleinen Lagune auf 5100m aufsteigen, es ist interessant mehr über andere Länder in Südamerika zu erfahren. Und es lenkt ab, Höhenprobleme habe ich zwar weniger, kein Kopfweh oder Übelkeit, aber in einer Woche von 0 auf über 5000m spürt man schon. Jeder Schritt zählt doppelt oder dreifach, nach 50 Metern brauche ich Pausen. Die Lagune ist fast ausgetrocknet aber die Aussicht gewaltig. Wir gehen noch ein Stück, Nick hätte die Spitze am liebsten mitgenommen. Dann zurück zum Refugio, Mittagessen, wandern (auch wenn nur für 2h und 350 Höhenmeter) macht hungrig.
Dann endlich ist es soweit, wir bekommen unsere Fahrräder, Helme, Handschuhe, vor uns eine mehr als 2000 Höhenmeter Abfahrt. Bis zum Eingang des Nationalparks ist der Weg holprig, ich werde durchgeschüttelt, versuche den etlichen Rillen im Boden auszuweichen. Doch die Landschaft gleicht die Unannehmlichkeiten aus, der Berg im Hintergrund, vor uns die kahle Mondlandschaft, man kommt aus dem staunen nicht heraus. Zwischendurch sieht man immer wieder Tiere und ich bin überrascht wie Menschenleer die Gegend doch ist. Nach dem Eingang des Nationalparks wird die Straße schöner, die Autos häufiger, die Gegend grüner. Wir rasen steile Hügel hinunter, radeln durch kleine Dörfer, winken den amüsierten Einheimischen zu die nicht nachvollziehen können was an einem roten Steinhaufen mit etwas Schnee so besonders ist, und strampeln kleine Steigungen hinauf (auf 3-2000 m ist Sport immer noch Mühsam). Irgendwann reicht es selbst mir und Andrés und wir steigen als letzte zurück in das Auto.

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| Die Lagune auf 5100m |
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| Der Chimborazo |
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| Mama und Nick |
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| Berg und Refugio |
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| Aus der Ferne (Aber mit Wolken) |
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| Vicuna |
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| Lama |
In Riobamba trennen sich unsere Wege, Andrés fährt in den Norden, unser Guide zurück nach Baños, wir in ein Hotel. Für mich und Mama geht es am nächsten Tag nach Puerto López, für Nick zurück nach Österreich. Es war ein beeindruckender Tag, ein Erlebnis das ich nicht vergessen werde, ein Berg der in mir das innige Bedürfnisse geweckt hat solche Riesen wieder zu erklimmen.
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