Mittwoch, 21. Oktober 2015

Schulsystem und Einstellungssache


Heute hatte ich wieder einmal ein "typisch Ecuador" Erlebnis. Soweit ich es, nach dem heutigen Tag, verstanden habe wird das Schuljahr hier in verschiedene Blöcke eingeteilt. Jeder dauert sechs Wochen, nach Ablauf dieser Zeitspanne müssen die Schüler benotet werden. Wie schön, dass ich im Vorhinein so gut informiert wurde. Als man mir heute nahelegte  schnell einen kleinen Test oder gar Noten aus meinen Ärmeln zu zaubern, war ich etwas perplex.
Aber damit sind wir auch gleich bei der positiv Seite dieser "sich um weinig kümmern" Einstellung, ich mach diese Mini-Tests einfach nächste Woche. So sitze ich seit einiger Zeit vor meinem Laptop und zerbreche mir den Kopf darüber, wie ich 6-Jährige gleichzeitig fordern und nicht überfordern kann. Glaubt mir, plötzlich wirken die leichtesten Dinge schwer. Beispiel; ich werde sie Bilder ausmalen lassen, die Farben sind natürlich in Englisch gegeben. Findet einmal ein Bilde dessen Farbe nicht zu offensichtlich ist (Apfel, Sonne,...) das aber auch nicht unendlich viele Möglichkeiten bietet (T-Shirt, Regenschirm...). 
Prinzipiell zeigt das eigentlich nur die absurde Situation in der ich mich befinde. Ich unterrichte an eine Schule mitten im Nirgendwo von Ecuador Englisch, ohne jede Qualifikation, man hat mich nicht einmal gefragt ob ich einen Schulabschluss habe geschweigenden ob und wie gut ich Englisch spreche. Dann werde ich, alleine, da die eigentlich Englischlehrerin irgendwie weg ist, in die Klassen gestellt und soll unterrichten. Nur gut dass ich darin so unglaublich viel Erfahrung habe. Am besten ist es immer wenn die Klassenlehrer verschwinden und ich plötzlich für 2 Schulstuden alleine bin. Kinder dazu zu bringen aufzupassen und leise zu sein ist eine Herausforderung der meine Stimme nicht gewachsen ist.

Jaja, natürlich stelle ich alles überspitzt da. Logischerweise hatten die Leute hier eine gewisse Garantie, dass jemand kommt der hält was er verspricht. Ich bin ja nicht die erste Freiwillige.  Man darf auch nicht vergessen dass nichts von mir erwartet wird. Es heißt zwar immer ich soll Englisch unterrichten aber ich habe das Gefühl, sollte ich ein Jahr nur Bilder anmalen und Vokabeln abschreiben lassen, würde sich auch niemand aufregen. Es gibt nun einmal nur mich und wenn ich nicht vollkommen daneben liege hätten sie normalerweise nicht einmal Englisch. Jedenfalls in den unteren Schulstufen.
Eigentlich besteht, meinerseits, kein Zweifel daran, dass ich das alles irgendwie schaffe. Schon allein die Tatsache, dass ich sechs Wochen Unterricht hinter mir habe und weder ich den Kinder noch sie mir an an die Gurgel springen wollen hat doch etwas, oder? Also werde ich jetzt weiter nach Ausmalbildern suchen, mir kleine Rätzel überlegen und nebenbei versuchen diesen verdammten Wanda Ohrwurm loszuwerden der mir seit Tagen (danke für das Album nochmal) im Kopf herumspukt.

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