Heute hatte ich wieder einmal ein "typisch
Ecuador" Erlebnis. Soweit ich es, nach dem heutigen Tag, verstanden habe
wird das Schuljahr hier in verschiedene Blöcke eingeteilt. Jeder dauert sechs
Wochen, nach Ablauf dieser Zeitspanne müssen die Schüler benotet werden. Wie
schön, dass ich im Vorhinein so gut informiert wurde. Als man mir heute
nahelegte schnell einen kleinen Test oder gar Noten aus meinen
Ärmeln zu zaubern, war ich etwas perplex.
Aber damit sind wir auch gleich bei der positiv Seite
dieser "sich um weinig kümmern" Einstellung, ich mach diese
Mini-Tests einfach nächste Woche. So sitze ich seit einiger Zeit vor meinem
Laptop und zerbreche mir den Kopf darüber, wie ich 6-Jährige gleichzeitig
fordern und nicht überfordern kann. Glaubt mir, plötzlich wirken die
leichtesten Dinge schwer. Beispiel; ich werde sie Bilder ausmalen lassen, die
Farben sind natürlich in Englisch gegeben. Findet einmal ein Bilde dessen Farbe
nicht zu offensichtlich ist (Apfel, Sonne,...) das aber auch nicht unendlich
viele Möglichkeiten bietet (T-Shirt, Regenschirm...).
Prinzipiell zeigt das eigentlich nur die absurde
Situation in der ich mich befinde. Ich unterrichte an eine Schule mitten im
Nirgendwo von Ecuador Englisch, ohne jede Qualifikation, man hat mich nicht
einmal gefragt ob ich einen Schulabschluss habe geschweigenden ob und wie gut
ich Englisch spreche. Dann werde ich, alleine, da die eigentlich
Englischlehrerin irgendwie weg ist, in die Klassen gestellt und soll
unterrichten. Nur gut dass ich darin so unglaublich viel Erfahrung habe. Am
besten ist es immer wenn die Klassenlehrer verschwinden und ich plötzlich für 2 Schulstuden alleine bin. Kinder dazu zu bringen aufzupassen und leise zu sein ist eine
Herausforderung der meine Stimme nicht gewachsen ist.
Jaja, natürlich stelle ich alles überspitzt da.
Logischerweise hatten die Leute hier eine gewisse Garantie, dass jemand kommt der
hält was er verspricht. Ich bin ja nicht die erste Freiwillige. Man darf
auch nicht vergessen dass nichts von mir erwartet wird. Es heißt zwar immer ich
soll Englisch unterrichten aber ich habe das Gefühl, sollte ich ein Jahr nur
Bilder anmalen und Vokabeln abschreiben lassen, würde sich auch niemand
aufregen. Es gibt nun einmal nur mich und wenn ich nicht vollkommen daneben
liege hätten sie normalerweise nicht einmal Englisch. Jedenfalls in den unteren
Schulstufen.
Eigentlich besteht, meinerseits, kein Zweifel daran, dass ich das alles irgendwie schaffe. Schon allein die Tatsache, dass ich sechs
Wochen Unterricht hinter mir habe und weder ich den Kinder noch sie mir an
an die Gurgel springen wollen hat doch etwas, oder? Also werde ich jetzt weiter
nach Ausmalbildern suchen, mir kleine Rätzel überlegen und nebenbei versuchen
diesen verdammten Wanda Ohrwurm loszuwerden der mir seit Tagen (danke für das
Album nochmal) im Kopf herumspukt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen