Donnerstag, 8. Oktober 2015

Ausgesperrt



Ich bin krank, zumindest ein bisschen. Mein Hals tut weh, in der Nacht war er etwas geschwollen. Mein Kopf dröhnt, ich fühle mich schlapp. Dazu kommt das ständige niesen, wobei es mir unglaublich lächerlich und ironisch erscheint sich in Ecuador eine Erkältung einzufangen. Jedenfalls habe ich mir ein „Fluss-Verbot“ auferlegt, ich vermute dass an all dem das Raften am Sonntag schuld ist. Auch wenn es unglaublich lustig war und ich es definitiv wiederholen will, war das wohl doch das erste Mal dass ich in Ecuador gefroren habe.

Ich weiß nicht ob es diese leichten Krankheitssymptome sind oder einfach nur meine allgemeine Schusseligkeit, aber heute habe ich es geschafft mich aus dem Haus auszuschließen. Dazu muss ich zwei Dinge erklären.
Erstens, momentan bin ich alleine. Edwin und Sonnia sind von gestern Mittag bis heute Abend in Quito. Was mich daran am meisten amüsiert ist wohl, dass Edwin mit der Betreiberin einer der mini Restaurants hier ausgemacht hat dass ich bei ihnen Frühstück, Mittag und Abendessen bekomme. Mittag verstehe ich, aber dass mir nicht einmal zugetraut wird mir selbst Frühstück zu machen (sprich Brot kaufen und vielleicht ein Ei kochen)? Oder eine Kleinigkeit am Abend? Soll ich jetzt dankbar oder beleidigt sein?
Zweitens, das Haus hier hat zwei Türen, wobei die Haupteingangstür immer zu ist. Die Hintertür ist eine von der Bauart die sich von außen, außer mit Schlüssel, nicht öffnen lassen. Ich verlasse also das Haus, eigentlich nur um die Schüssel für das Katzenfutter zu holen, und das war es dann. Ausgesperrt.
Hier kann ich dann eigentlich dankbar für das externe Frühstück sein, sonst hätte ich mir das wohl abschminken können. Jedenfalls habe ich mich in der Schule unter den Lehrern nach einer Leiter durchgefragt um durch ein offenes Fenster wieder in das Haus zu kommen. Und siehe da, es hat sogar geklappt. Nach der letzten Stunde bin ich mit einem Sportlehrer ein bisschen durch Arosemena spaziert, wir haben irgendwo eine Leiter ausgeborgt und einer seiner Schüler (klein, leicht, bessere Voraussetzungen diese eher nicht vertrauenswürdig wirkende Leiter hinaufzuklettern) ist durch das offene Fenster in das Haus und hat mir die Tür geöffnet. Ich, unendlich dankbar. Alle anderen, belustigt.

So, und momentan sitze ich wieder einmal herum und tue gar nix. Eigentlich wollte ich heute ein paar formale Sachen erledigen, sprich E-Mails schreiben, ein paar Leute Sachen fragen die ich ewig vor mir herschiebe, aber das Internet spinnt einmal wieder. Vielleicht spaziere ich später ein bisschen durch das Dorf. Oder ich lese mein Buch weiter. Klingt alles wieder einmal vielversprechend, oder?
Uuuund ich verfalle schon wieder in alte Muster.
Wenigstens kann ich es dieses Mal meinem „pseudokranksein“ in die Schuhe schieben.
Niemand ist gut drauf wenn der eigene Körper immer zwischen „ich fühle mich beschissen“ und „es geht eigentlich eh ganz gut“ hin und her springt.

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