Ich verstehe das Leben einfach nicht. An einem Tag
sitzt man an seinem Schreibtisch, quält sich durch das xte Beispiel zur
Binomialverteilung, aus der leichten Panik heraus bei irgendeiner
Abschlussprüfung schlecht abzuschneiden, da irgendjemand einmal meinte deren
Noten wären wichtig, am Nächsten befindet man sich am anderen Ende der Welt,
auf einem Balkongelände, balanciert einen Laptop auf dem Schoß während man ein
Panorama, wie aus einem Kitschkalender, betrachtet. Soll mir einmal jemand
erklären welche Logik dahintersteckt.
Momentan hasse ich die Idee jemals wieder in mein
altes Leben zurückzukehren. Ich liebe es hier nicht, und wenn ich ehrlich bin
glaube ich, dass ich nach einem Jahr Ecuador erst einmal genug von diesem Land
habe, aber allein die Vorstellung in mein anderes Leben zurückzukehren jagt mir
Schauer über den Rücken. Ich spreche hier nicht von der Rückkehr in den
Familienalltag oder zu alten Freundeskreisen. Ja, ich freue mich auch auf Wien
(jeh nach dem wie die Wahlen ausgehen), auch auf das Studentsein,
Alleineundunabhängigleben und Fürsichselbstsorgen. Selbst das Studium erscheint
mir reizvoll, wenn meine derzeitigen Pläne bestehen bleiben.
Und genau DAS ist das Problem, "Pläne". Ich
hasse die Vorstellung, vor allem nachdem ich hier wohl das erste Mal in meinem
Leben einen Hauch von Freiheit zu spüren bekomme, zu all diesen Plänen und
Erwartungen zurückkehren zu müssen. In ein Leben das prinzipiell, auch wenn ich
an einzelnen Weggabelungen noch das Sagen habe, schon von Anfang an für mich
vorgezeichnet wurde.
Natürlich gehst du in ein Gymnasium, natürlich machst
du Matura. Ja, das eine Jahr im Ausland geht schon in Ordnung (Erfahrungen wie
diese sind ja immer gut im späteren Leben und machen sich auch auf dem
Lebenslauf ausgezeichnet) aber danach an die Uni und durch das verlorene Jahr
wäre ein Studiumswechsel keine gute Idee also überleg dir was du machst! Wir
wollen ja keinen dieser Langzeitstudenten die dann auch noch länger als der
Durschnitt brauchen. Was danach kommt? Na ist doch klar, ein Job. Natürlich
etwas das du magst, ja es soll dir Spaß machen, stimmt schon, aber an das Geld
musst du auch denken. Immerhin hast du Verpflichtungen. Und dann? Was heißt und
dann? Du arbeitest halt. Für die nächsten 40 Jahre, lernst jemand nettes
kennen, gründest eine Familie, wenn du willst. Danach genieß den Lebensabend,
nur musst du dich schon im Vorhinein darum kümmern dafür genug Geld zu haben,
du weißt schon, Pensionssystem und so. Fang am besten bald einmal damit an.
Natürlich ist das alles überspitz dargestellt und
niemand sagt mir all diese Dinge direkt in mein Gesicht. Aber so ist es doch,
oder? Selbst wenn ich tun darf was ich will läuft alles auf dasselbe hinaus.
Ein Leben das so vorhersehbar ist das ich kotzen könnte.
Ich denke
schon lange so, diese Gedanken sind nicht einfach von heute auf morgen in
meinem Kopf aufgetaucht. Aber dadurch, dass ich hier alleine für mein Leben,
meinen Alltag, meinen Umkreis verantwortlich bin, gleichzeitig aber keine
Verpflichtungen irgendjemanden gegenüber habe, dadurch dass ich das erste Mal
seit Jahren nicht in der Zukunft sondern im hier und jetzt lebe, wird mir klar
wie abstoßend die Idee ist in diesen anderen Alltag zurückzugehen. In einen
Alltag der davon bestimmt wird immer an die nächste Prüfung, den nächsten
Studienabschnitt, den nächsten Job, die nächste Bewerbung zu denken. Ein Leben
dass weniger von meinen Wünschen als von den Erwartungen anderer bestimmt wird.
Ich bin 18,
ich bin jung, ich habe mein ganzes Leben vor mir und allein die Tatsache dass
mich all diese Dinge so sehr beschäftigen zeigt doch, dass etwas falsch ist.
Liegt es an mir? Kümmert es mich einfach zu sehr darum was andere denken? Oder
trägt nicht vielleicht auch unsere Gesellschaft eine Teilschuld, weil sie mir,
einem jungen Menschen der gerade erst anfängt zu lernen was leben eigentlich
bedeutet, Erwartungen und Ziele aufdrückt die ich mir nicht einmal aussuchen
durfte?
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