Samstag, 31. Oktober 2015

Quito - Tag 1 Stadtrundgang

Quito, Quito, Quito. Ich liebe Quito. Oder liebe ich es einfach wieder in einer Stadt zu sein? Oder Berge zu sehen? Als ich gestern, irgendwann während meiner fast 6h fahrt von Tena nach Quito, anfing meiner Umgebung mehr Aufmerksamkeit zu schenken habe ich das erste mal seit ich in Ecuador bin so richtig Heimweh bekommen. Die Anden sind der Wahnsinn und so wunderschön. Die Berge, die Landschaft, es erinnert mich einfach an zu Hause. Jaja, das Oriente ist super, die Landschaft ist auch zum niederknien, aber ich gehöre einfach mehr in die Berge. Hätte ich es mir aussuchen können, ich wäre in die Anden gegangen, in eine Großstadt. Der Moment der mich dann wirklich gespalten hat, ein Teil der vor Freude fast aus seinem Sitz sprang, ein anderer der in  eine tieferMelancholie versank, kam als zwischen den Bergen, während die Sonne unterging, plötzlich ein verschneiter Berggipfel auftauchte. Schnee... Ich vermisse die Berge einfach.

Ich bin jetzt für ein paar Tage hier, in Quito. Zufälle haben mich hierhergeführt, die Tochter einer Freundin meiner Oma wohnt hier. Eine andere Österreicherin, Anna, deutsch sprechen tut gut. Außerdem gab es heute Strizel, selbstgemacht. Ein Traum.
Leider fahren sie und ihr Freund am Sonntag für zwei Wochen in Urlaub, wenn ich also wirklich bis Dienstag hier bleibe bin ich 2 Tage allein. Aber was solls, heut Stadt erkunden hat auch geklappt. Um 9 außer Haus, die Sonne ausnutzen. Als erstes bin ich auf die Basílica de Voto Nacional, ein Kirche mit einem Turm der etwas speziell zu erklimmen ist. Belohnt wurde ich mit einer Wahnsinnsaussicht die ich durch die Uhrzeit sogar fast für mich hatte. Außerdem war da plötzlich die Erkenntnis, dass alleine Reise eigentlich etwas hat.
Die Kirche von innen

Gibt immer Leute die Fotos machen :)



Jemand sollte die Uhren einmal stellen
Danach ging es in die Innenstadt, zum Plaza Grande, ein paar wichtige Gebäude anschauen, Stadtplan organisieren. Dann weiter, die Straßen der Altstadt entlang, Überall Autos, Taxis, Straßenlärm, Menschen, so viele Menschen. Überall Staßenverkäufer, es gibt Süßigkeiten, Nüsse, Obst, Kleidung, Kaffees und Restaurants an jeder Ecke, Souvenierläden, Kirchen, Museen. Alles so belebt, alles scheint zu vibrieren. Das war der Moment in dem mir klar wurde, dass ich auf dauer nicht am Land leben kann. Niemals. Ich liebe den Lärm, ich liebe die Menschen, ich liebe es die Lebhaftigkeit. Also weiter die Straßen entlang, all die typischen Ziele abklappern, Plaza de San Francisco, La Ronda, weitere Kirchen. Ich habe es einfach genossen, die Stadt in mich aufgezogen, mir kandierte Kokosnuss und später Eis in einem unglaublich netten kleinen Eisladen um 35c (!) gekauft, dann noch eine Empanada Verde, weil wenn schon denn schon. 

Ja auch hier gibt es Tauben

Die Menschen sind hier zwar verschlossener als im Oriente aber auf eine angenehme Art und Weiße. Heißt: du wirst nicht ständig angequatscht aber auf Anfrage hilft dir jeder weiter, wenn man Spanisch spricht werden die Meisten enthusiastisch und fangen an zu quatschen, so habe ich einige interessante Unterhaltungen hinter mir. Dennoch, ich bin nicht naiv. Ich weiß, dass Quito nicht nur friedlich ist, all die Leute die mir das immer wieder eingeschärft haben können stolz auf mich sein, ich bin wie ein braver Tourist den ganzen Tag mit dem Rucksack vor meinem Oberkörper herumgelaufen.
Irgendwann war die Altstadt dann erforscht also bin ich in Richtung Norden spaziert, habe mir einen Park gesucht, mir eine Art Obstsalat gekauft (Papaya, Banane und Wassermelone in einer roten, supersüßen und leckeren Flüssigkeit) und in meinen Reiseführer nach allen wichtigen Infos über Quito und Ecuador durchforstet. Danach noch zum Kunsthandwerksmarkt, dunkle Schoko mit Feigen und Armbänder gekauft. Für mehr war kein Geld mehr da, muss ich aber wieder hin.


Und damit sind wir dann beim Martina-typisch tragisch-komischen Ende der Geschichte. Ich war unfähig nach Hause zu finden. Dazu muss man sagen, dass ich das Haus mit Annas Freund Juan im Auto verlassen habe, es also noch nie richtig von außen gesehen hatte. Nachdem ich dann irgendwo endete habe ich mithilfe von ein paar netten Leuten ein Taxi gefunden (nicht leicht, es fing nämlich an zu regnen) und bin zu Anna ins Büro gefahren. Ein bisschen warten, Zeitung lesen, Colada Morada trinken und pan essen (ist ein typisches Getränk für Allerseelene, gibt es gerade überall hier. Besteht aus dunklem Maismehl mit ganz viele Früchten, unter anderem Brombeeren, Erdbeeren und Ananas. Seeerh lecker. Das Brot hat normalerweiße die Form von einer Figur/Menschen) und dann ab nach Hause. 
Ich freu mich auch Morgen.
Colada Morada
Leider ist der Kopf von dem Brot-Menschen schon weg :/
Österreich ist in der Zeitung, leider nicht im Guten.

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Schulsystem und Einstellungssache


Heute hatte ich wieder einmal ein "typisch Ecuador" Erlebnis. Soweit ich es, nach dem heutigen Tag, verstanden habe wird das Schuljahr hier in verschiedene Blöcke eingeteilt. Jeder dauert sechs Wochen, nach Ablauf dieser Zeitspanne müssen die Schüler benotet werden. Wie schön, dass ich im Vorhinein so gut informiert wurde. Als man mir heute nahelegte  schnell einen kleinen Test oder gar Noten aus meinen Ärmeln zu zaubern, war ich etwas perplex.
Aber damit sind wir auch gleich bei der positiv Seite dieser "sich um weinig kümmern" Einstellung, ich mach diese Mini-Tests einfach nächste Woche. So sitze ich seit einiger Zeit vor meinem Laptop und zerbreche mir den Kopf darüber, wie ich 6-Jährige gleichzeitig fordern und nicht überfordern kann. Glaubt mir, plötzlich wirken die leichtesten Dinge schwer. Beispiel; ich werde sie Bilder ausmalen lassen, die Farben sind natürlich in Englisch gegeben. Findet einmal ein Bilde dessen Farbe nicht zu offensichtlich ist (Apfel, Sonne,...) das aber auch nicht unendlich viele Möglichkeiten bietet (T-Shirt, Regenschirm...). 
Prinzipiell zeigt das eigentlich nur die absurde Situation in der ich mich befinde. Ich unterrichte an eine Schule mitten im Nirgendwo von Ecuador Englisch, ohne jede Qualifikation, man hat mich nicht einmal gefragt ob ich einen Schulabschluss habe geschweigenden ob und wie gut ich Englisch spreche. Dann werde ich, alleine, da die eigentlich Englischlehrerin irgendwie weg ist, in die Klassen gestellt und soll unterrichten. Nur gut dass ich darin so unglaublich viel Erfahrung habe. Am besten ist es immer wenn die Klassenlehrer verschwinden und ich plötzlich für 2 Schulstuden alleine bin. Kinder dazu zu bringen aufzupassen und leise zu sein ist eine Herausforderung der meine Stimme nicht gewachsen ist.

Jaja, natürlich stelle ich alles überspitzt da. Logischerweise hatten die Leute hier eine gewisse Garantie, dass jemand kommt der hält was er verspricht. Ich bin ja nicht die erste Freiwillige.  Man darf auch nicht vergessen dass nichts von mir erwartet wird. Es heißt zwar immer ich soll Englisch unterrichten aber ich habe das Gefühl, sollte ich ein Jahr nur Bilder anmalen und Vokabeln abschreiben lassen, würde sich auch niemand aufregen. Es gibt nun einmal nur mich und wenn ich nicht vollkommen daneben liege hätten sie normalerweise nicht einmal Englisch. Jedenfalls in den unteren Schulstufen.
Eigentlich besteht, meinerseits, kein Zweifel daran, dass ich das alles irgendwie schaffe. Schon allein die Tatsache, dass ich sechs Wochen Unterricht hinter mir habe und weder ich den Kinder noch sie mir an an die Gurgel springen wollen hat doch etwas, oder? Also werde ich jetzt weiter nach Ausmalbildern suchen, mir kleine Rätzel überlegen und nebenbei versuchen diesen verdammten Wanda Ohrwurm loszuwerden der mir seit Tagen (danke für das Album nochmal) im Kopf herumspukt.

Samstag, 17. Oktober 2015

Was ich vermisse


Nach 48 Tagen in Ecuador wäre es ein Lüge zu behaupten, dass es keine Dinge, Menschen oder Alltäglichkeiten gibt die mir abgehen. Noch bin ich nicht soweit Luftspieglungen hinterherzulaufen oder von Albträumen verfolgt zu werden aber manchmal werde ich einfach von einer Sehnsucht nach Vertrauen überfallen. So bin ich beispielsweise durch all die kleinen Geschäfte in Arosemena gestreift, auf der Suche nach Schokolade, und habe schlussendlich kapituliert. Wo findet man hier ganz einfache Schoko-Tafeln? Ich erwarte ja nicht einmal besondere Qualität, nur Schokolade!

Davon lässt es sich auch gleich auf das offensichtlichste und größte Thema überleiten.
Ich will mein Schwarzbot, Salat der mit Kürbiskernöl abgemacht ist, generell Kürbis oder überhaupt mehr Gemüse wäre ein Traum. Ich will wieder in der Lage sein an Nüssen herumzuknabbern, Studentenfutter und Trockenfrüchte essen, frisch geknackte Walnüsse, Maroni oder Cashews. Ich liebe Chashews. Datteln, mein nachmittäglicher natürlicher süße-Kick. Müsli, gerne hätte ich wieder Granola, oder auch Haferflocken, mit Joghurt, frischem Obst und Honig. Kuchen oder Muffins, am besten selbstgemacht, oder Burgenländer vom Markt. Süßes, mir geht da vieles ab, gutes Kugeleis, Schokolade, Mannerschnitten und Drageekeksis (nur um ein paar Beispiele zu nennen). Andere Beilagen als Reis: Couscous, Quinoa, Polenta, egal was. Süßkartoffeln oder Butternusskürbis aus dem Ofen. 
Ich glaube ich sollte aufhören, mein Magen knurrt.

Ein andere großes Kapitel aus "was mir in Ecuador fehlt" sind Menschen. Es mag kitschig klingen aber ich will meine Eltern wieder umarmen. Einfach nur eine Umarmung, nicht einmal reden, das geht ja, aber spüren das sie da sind. Dasselbe gilt für meine Schwester, obwohl ich hier mehr auf reden, face to face, aus bin. Sie ist ein Mensch dem man alles aus der Nase ziehen muss, über Skype geht das mehr schlecht als recht. Dann natürlich meine Freunde, nur wiedersehen, reden, spaß haben, Gespräche führen die etwas tiefer gehen.
Ob es daran liegt, dass ich am Land bin, die Einstellung der Menschen generell anders ist oder mir einfach niemand komplexere Themen zutraut; ich habe seit Ewigkeiten keine ernsthaften Diskussionen mehr geführt. Egal ob über Politik, aktuelles Weltgeschehen, Geschichte, Lebenseinstellungen, von mir aus auch Ernährung, Bildung oder Sexismus, nur bitte, bitte, ich will wieder Diskutieren!

Neben diesen zwei großen "Überthemen" sind dann da noch ganz viele Kleinigkeiten:
Herbst, immerhin meine Lieblingsjahreszeit.
Bibliotheken.
Einmal wieder ins Kino gehen, Filme auf Englisch oder Deutsch sehen.
Schnelles Internet.
Mein Bett, bzw. meine Matratze.
Karate, verdammt wie sehr ich diesen Sport vermisse...

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Es regnet

Momentan kann ich eigentlich nur an eine Geschichte denken, die mir eine Freundin nach einem Auslandsjahr in Argentinien erzählt hat. Sobald es regnete, und seien es nur ein paar Tropfen, war ihre Schule leer. Jeder blieb zu Hause, teilweise sogar Lehrer. Ich weiß nicht ob das in Ecuador auch der Fall ist. Wie auch? Ich sitze in meinem Zimmer und nicht in der Schule.
Fairerweise muss man sagen, dass Regen in Ecuador nie einfach aus ein paar Tröpfchen besteht. Wann dann richtig, es schüttet. Zwei Minuten unter freiem Himmel und ich wäre durchnässt. Eigentlich habe ich mich auf die Schule gefreut, ich mag Chucapi (hoffen wir man schreibt es so) und nur zu Hause zu sein ist langweilig, vor allem bei solchem Wetter. Leider ist meine Mitfahrgelegenheit in diese Schule ein Vater einer der Schüler, mit seinem Motorrad. Selbst wenn er auftauchen würde, was ich dank meines mittlerweile einigermaßen vorhandenen Verständnis für die Menschen hier und ihre Einstellungen nicht recht glauben kann, wäre ich nach der zwanzig-Minuten-Fahrt durchnässt und halb erfroren. Trüge nicht gerade zu meiner wackeligen Gesundheit bei und unterrichten wäre auch eher mühsam.
So mache ich mir, auf den Ausdrücklichen Rat von Edwin hin, das Leben einfach.
Unser Dialog zu dem Thema (so ungefähr):

"Que voy a hacer? Hay demasiado llueve..."
"Ir a cama, dormir mas."
"ok..."
"Cuando vas a ir, vas a ser mojada"

Mal schauen wer sich die Mühe macht, das zu übersetzten.
Jedenfalls werde ich jetzt erst einmal ein bisschen Podcast hören, wenn ich schon einmal Zeit habe. Ne Stunde im Bett liegen und die Decke anstarren. Danach ist es dann 9... ich hasse Tage an denen man nix tun kann.