Freitag, 17. Juli 2015

Tag 1 - Von Flugplätzen, Seitengassen und Tourist sein


Gestern hab ich Tourist gespielt. Und mich darüber aufklären lassen, dass ich mir selbst ständig Hindernisse in den Weg stelle. Am Ende dann noch am ehemaligen Tempelhof Flughafen gepicknickt. So, aber bevor ich in Detail gehe, für alle die es nicht wissen: Im Moment bin ich für eine Woche in Berlin mit meiner Mama. Wir leben bei  einer Freundin von ihr, in Neukölln. Meine Mutter bekam das Gästezimmer, ich schlafe in der voll geräumten Werkstadt auf einer Matratze. Die Wohnung ist riesig, unaufgeräumt, voll gestellt. Ich liebe es. Ich glaube, ich würde mich in einem Fünf-Sterne Hotel nicht halb so wohl fühlen wie hier.

Mit dem Fahrrad durch Berlin, kaum zu glauben, dass so etwas geht. Von Neukölln weg, fast jegliche Verkehrszeichen oder Ampeln ignorierend, an fluchenden Autofahrern bzw. Fußgängern vorbei, in die Stadt hinein. Einen Schlenckerer über Kreuzberg, durch einen "kleinen" Park und dann zum Bundestag. Man merkt wo sich hier die alternative Szene angesiedelt hat. Anfang sieht man ein Caffee neben dem anderen, Secondhand Läden, Bio-Supermärkte, Frühstück bekommt man überall bis 16 Uhr. Die Leute sind Großteil jung, oder jung geblieben. Die Stimmung ist entspannt, mir scheint es, als müsste man schon nackt durch die Straßen laufen um komisch angeschaut zu werden. Obwohl, wahrscheinlich wäre nicht einmal das etwas Neues.
Es ist beinahe erschreckend nach Mitte zu kommen. Plötzlich fängt ein anderes Berlin an. Ein Berlin, das durch den Tourismus gekennzeichnet ist. Und durch eine "bessere Szene". Ein Starbucks reiht sich an den nächsten. plötz
lich schießen Designer-Läden aus dem Boden, Fastfood Ketten überall. Die Zahl der Touristen steigt, die der Autos auch.
Versteht mich nicht falsch,es ist kein Fehler hier unterwegs zu sein. Das Brandenburger Tor, der Bundestag, all das muss man auch gesehen haben. Das einzige, was ich nicht nachvollziehen kann, ist wie man in einer Stadt wie Berlin, einer Stadt in der man eine kulinarische Reise um die Welt machen kann, in der sich ein Secondhand Laden an den andere reiht, wie man hier zu Starbucks, McDonalds oder auch Vapiano essen gehen kann um danach in Kaufhäusern zu shoppen. Es ist Berlin.

Trotz der schieren Masse an Eindrücken kann ich doch irgendwie zwei Highlights aus gestern herausfiltern. Da war einmal ein kleiner Hinterhof inmitten des touristischen Mittes. Eh bekannter, man findet ihn in Reiseführern. Ein Hof, dessen Wände mit Graffiti voll geschmiert sind, in dem man noch alternative Clubs findest, der einfach anders und atmosphärisch wirkt. Auf Fotos kann man das schwer einfangen.




Und dann ist da noch Tempelhof. Ein riesiges, leer stehendes Flugfeld, in der Mitte der Stadt. Überall Menschen, die die Sonne genießen, Fahrrad fahren, Picknicken oder an Gärten arbeiten. So etwas hätte ich auch gern.

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