Gestern hab ich Tourist gespielt. Und mich darüber aufklären lassen, dass
ich mir selbst ständig Hindernisse in den Weg stelle. Am Ende dann noch am
ehemaligen Tempelhof Flughafen gepicknickt. So, aber bevor ich in Detail
gehe, für alle die es nicht wissen: Im Moment bin ich für eine Woche in Berlin
mit meiner Mama. Wir leben bei einer Freundin von ihr, in Neukölln. Meine
Mutter bekam das Gästezimmer, ich schlafe in der voll geräumten Werkstadt auf
einer Matratze. Die Wohnung ist riesig, unaufgeräumt, voll gestellt. Ich liebe
es. Ich glaube, ich würde mich in einem Fünf-Sterne Hotel nicht halb so wohl
fühlen wie hier.
Mit dem Fahrrad durch Berlin, kaum zu glauben, dass so etwas geht. Von
Neukölln weg, fast jegliche Verkehrszeichen oder Ampeln ignorierend, an
fluchenden Autofahrern bzw. Fußgängern vorbei, in die Stadt hinein. Einen
Schlenckerer über Kreuzberg, durch einen "kleinen" Park und dann zum
Bundestag. Man merkt wo sich hier die alternative Szene angesiedelt hat. Anfang
sieht man ein Caffee neben dem anderen, Secondhand Läden, Bio-Supermärkte,
Frühstück bekommt man überall bis 16 Uhr. Die Leute sind Großteil jung, oder
jung geblieben. Die Stimmung ist entspannt, mir scheint es, als müsste man
schon nackt durch die Straßen laufen um komisch angeschaut zu werden. Obwohl,
wahrscheinlich wäre nicht einmal das etwas Neues.
Es ist beinahe erschreckend nach Mitte zu kommen. Plötzlich fängt ein
anderes Berlin an. Ein Berlin, das durch den Tourismus gekennzeichnet ist. Und
durch eine "bessere Szene". Ein Starbucks reiht sich an den nächsten.
plötz
lich schießen Designer-Läden aus dem Boden, Fastfood Ketten überall. Die
Zahl der Touristen steigt, die der Autos auch.
Versteht mich nicht falsch,es ist kein Fehler hier unterwegs zu sein. Das
Brandenburger Tor, der Bundestag, all das muss man auch gesehen haben. Das
einzige, was ich nicht nachvollziehen kann, ist wie man in einer Stadt wie
Berlin, einer Stadt in der man eine kulinarische Reise um die Welt machen kann,
in der sich ein Secondhand Laden an den andere reiht, wie man hier zu
Starbucks, McDonalds oder auch Vapiano essen gehen kann um danach in
Kaufhäusern zu shoppen. Es ist Berlin.
Trotz der schieren Masse an Eindrücken kann ich doch irgendwie zwei
Highlights aus gestern herausfiltern. Da war einmal ein kleiner Hinterhof
inmitten des touristischen Mittes. Eh bekannter, man findet ihn in
Reiseführern. Ein Hof, dessen Wände mit Graffiti voll geschmiert sind, in dem man
noch alternative Clubs findest, der einfach anders und atmosphärisch wirkt. Auf
Fotos kann man das schwer einfangen.
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