Das Boot schwankt, aber nur ein bisschen. Dafür bin
ich dankbar, auch wenn ich mich teilweise festkrallen muss um nicht zur Seite
zu kippen. Das Boot schwank nicht, es steht schief. Wir segeln.
Segeln ist eigen. Man muss es nicht mögen. Es gibt
genug Menschen die ein solches Schiff nie betreten würden, die festen Boden
brauchen, denen der Gedanke am offenen Wasser zu sein, Angst macht. Ich kann es
nachvollziehen.
Während ich auf dem schiefen Bug des Bootes sitze und
mich mit eine Hand an der Reling festhalte verstehe ich jeden der solche
Situationen lieber vermeidet. Es vermittelt schon Respekt. Das Meer, die
Tatsache, dass jedes noch so kleines Stück Land viel zu weit weg ist um es ohne
Hilfsmittel zu erreichen. Und dabei sind wir nicht einmal am offenen Gewässern,
hinter dem sich scheinbar endlos vor uns erstreckendem Wasserteppich sehe ich
die Küste von Kroatien. Es ist eine Küste die aus grünen und braunen Hügeln
besteht, deren Bewuchs typisch für diese Region ist, wenig Bäume, viele
Büsche. Einige Dörfer sind zu erkennen, egal wie abgeschieden oder unwirklich,
überall drängen sich kleine Häuseransammlungen aneinander. Ich kann es ihnen
nicht verübeln, an so einem Ort zu leben muss viele Unannehmlichkeiten
ausgleichen.
Wieder eine größere Welle, für einen kurzen Moment
scheint das Boot zu schweben, ich kann direkt spüren wie wir abheben und
sinken. Der Bug kollidiert mit einer anderen Welle, das Wasser schwappt über
uns herein, kommt so schnell das es mir unmöglich ist zu reagieren. Meine
Jogginghose wird mit kaltem Salzwasser getränkt, ich fluche und lache. Segeln
ist eigen, mit so etwas war zu rechnen.
Unser Ziel liegt noch in weiter Ferne, seit mehreren
Stunden fahren wir darauf zu aber es scheint nicht näher zu kommen, immer noch
wirkt die Insel unverändert und endlos weit entfernt. Wasser trennt uns von
ihr, Wasser, das sich weigert ruhig zu bleiben. Die Wellen sind nicht groß,
aber groß genug um mir wieder zu verdeutlichen, dass ich vielleicht doch auf
das Festland gehöre.
Auch wenn segeln irgendwie frei macht. Auch wenn ich
in dieser Woche das Gefühl habe entspannter und mehr ich selbst zu sein als ich
es seit Monaten war. Auch wenn das Meer, trotz seiner respekteinflößenden
Wirkung auf mich, wunderschön ist. Mit seinen Wellen und der Sonne die sich auf
der Oberfläche spiegelt. Mit den Buchten die wie aus Werbeprospekten wirken,
deren Wasser so klar ist, dass ich mir teilweise nicht sicher bin ob sie real
sind.
Ich fühle mich anders und ich merke, dass ich
anders denke. Meine Gedanken sind strukturierter, als hätte der Wind alle Zweifel
und Unklarheiten weggeweht. Ich genieße den Moment, denke nicht an die Zukunft,
jedenfalls nicht ganz so oft. Ich bin mir darüber im Klaren was kommen wird und
mir wird bewusst was ich ändern muss.
Ja segeln ist eigen, segeln ist nicht für jeden. Aber
es entspannt, bringt ruhe, zwingt zur Geduld. Ich glaube es tut mir gut.
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