Freitag, 3. Juli 2015

Segeln

Das Boot schwankt, aber nur ein bisschen. Dafür bin ich dankbar, auch wenn ich mich teilweise festkrallen muss um nicht zur Seite zu kippen. Das Boot schwank nicht, es steht schief. Wir segeln.
Segeln ist eigen. Man muss es nicht mögen. Es gibt genug Menschen die ein solches Schiff nie betreten würden, die festen Boden brauchen, denen der Gedanke am offenen Wasser zu sein, Angst macht. Ich kann es nachvollziehen. 
Während ich auf dem schiefen Bug des Bootes sitze und mich mit eine Hand an der Reling festhalte verstehe ich jeden der solche Situationen lieber vermeidet. Es vermittelt schon Respekt. Das Meer, die Tatsache, dass jedes noch so kleines Stück Land viel zu weit weg ist um es ohne Hilfsmittel zu erreichen. Und dabei sind wir nicht einmal am offenen Gewässern, hinter dem sich scheinbar endlos vor uns erstreckendem Wasserteppich sehe ich die Küste von Kroatien. Es ist eine Küste die aus grünen und braunen Hügeln besteht, deren Bewuchs  typisch für diese Region ist, wenig Bäume, viele Büsche. Einige Dörfer sind zu erkennen, egal wie abgeschieden oder unwirklich, überall drängen sich kleine Häuseransammlungen aneinander. Ich kann es ihnen nicht verübeln, an so einem Ort zu leben muss viele Unannehmlichkeiten ausgleichen.
Wieder eine größere Welle, für einen kurzen Moment scheint das Boot zu schweben, ich kann direkt spüren wie wir abheben und sinken. Der Bug kollidiert mit einer anderen Welle, das Wasser schwappt über uns herein, kommt so schnell das es mir unmöglich ist zu reagieren. Meine Jogginghose wird mit kaltem Salzwasser getränkt, ich fluche und lache. Segeln ist eigen, mit so etwas war zu rechnen.
Unser Ziel liegt noch in weiter Ferne, seit mehreren Stunden fahren wir darauf zu aber es scheint nicht näher zu kommen, immer noch wirkt die Insel unverändert und endlos weit entfernt. Wasser trennt uns von ihr, Wasser, das sich weigert ruhig zu bleiben. Die Wellen sind nicht groß, aber groß genug um mir wieder zu verdeutlichen, dass ich vielleicht doch auf das Festland gehöre.
Auch wenn segeln irgendwie frei macht. Auch wenn ich in dieser Woche das Gefühl habe entspannter und mehr ich selbst zu sein als ich es seit Monaten war. Auch wenn das Meer, trotz seiner respekteinflößenden Wirkung auf mich, wunderschön ist. Mit seinen Wellen und der Sonne die sich auf der Oberfläche spiegelt. Mit den Buchten die wie aus Werbeprospekten wirken, deren Wasser so klar ist, dass ich mir teilweise nicht sicher bin ob sie real sind.
 Ich fühle mich anders und ich merke, dass ich anders denke. Meine Gedanken sind strukturierter, als hätte der Wind alle Zweifel und Unklarheiten weggeweht. Ich genieße den Moment, denke nicht an die Zukunft, jedenfalls nicht ganz so oft. Ich bin mir darüber im Klaren was kommen wird und mir wird bewusst was ich ändern muss. 
Ja segeln ist eigen, segeln ist nicht für jeden. Aber es entspannt, bringt ruhe, zwingt zur Geduld. Ich glaube es tut mir gut.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen