Donnerstag, 30. Juli 2015

Ecuador - Ich werde langsam nervös

Ich dürfte mich selbst ja nicht als Pessimistin bezeichnen, wenn ich wegen meinem bald anstehenden Auslandsjahr nicht unglaublich viele Bedenken hätte. Da ich, seit gestern, wirklich nur mehr ein Monat Zeit habe, fange ich langsam aber sicher an so richtig nervös zu werden. Oder, um die Wahrheit zu sagen, die Realität hat mich eingeholt und ich breche langsam in Panik aus.
Wie das bei mir halt so ist.
Ich bin kein Mensch der ruhig und gelassen bleibt.

Also, die Fakten: 
Am 29.08 fliege ich nach Ecuador und werde bis Anfang Juli 2015 dort bleiben. Das Ganze geht von keiner Organisation aus, ist als viel chaotischer. Wenn ich einmal dort bin darf ich an drei Volksschulen Englisch unterrichten. Und genau da liegt eigentlich das größte Problem: ich habe keinerlei Erfahrungen im Unterrichten.
Wie auch? Ich bin selbst gerade erst mit der Schule fertig geworden. Wahrscheinlich mache ich mir viel zu viele Gedanken. Mir wurde schon gesagt, dass alles nur halb so wild ist. Alles spielerisch angehen, viel zeichnen, singen, spielen und immer wieder wiederholen. Es sind ja 6-12 Jährige, die sind nicht so schnell. Und anscheinend bin ich immer noch besser dafür geeignet als die Lehrer vor Ort, weil ich zumindest Englisch spreche. Man merkt, dass ich nervös bin, oder? Wenn irgendjemand Tipps hat wie man Kindern am besten English beibringt, ich wäre dankbar.
Und sonst? Ich dachte nie, dass ich ein Problem damit haben würde weg zu sein. Ich hänge nicht an Orten, und diese Stadt habe ich langsam sowieso satt. Aber irgendwie ist es doch etwas anderes, ich wechsel nicht einfach schnell die Wohnung, ich gehe in ein fremdes Land, auf einen anderen Kontinent. Ich glaube, da darf ich ein bisschen Angst haben. Vor allem begreifen ich langsam doch, dass ich einige Menschen vermissen werde, mir ist bis jetzt zum Beispiel nie aufgefallen wie sehr mir meine Eltern manchmal bei kleinen Problemen weiterhelfen. Auf Österreich kann ich für 10 Monate verzichten (auch wenn mir z.B Schwarzbrot ziemlich abgehen wird) aber all die Menschen die mir so durchs Leben helfen, ich bin dann irgendwie doch das erste Mal so richtig allein. Allein und selbst für alles verantwortlich. Ich hab die Befürchtung, dass das alles komplett schief geht.

Ich weiß, dass es toll werden wird. Ich weiß, dass ich unglaublich viel lernen und einmalige Erfahrungen machen werde. Ich weiß, dass ich wahrscheinlich in drei Monaten auf das hier zurückblicken und lachen kann. Über mich selbst und meine Panik. Ich weiß, dass ich noch nie jemanden getroffen habe der meinte, dass ein Jahr im Ausland eine schlechte Idee wäre. Aber ich weiß auch, dass es nicht immer einfach werden wird, dass auf die Uni gehen und gleich studieren doch der naheliegendste und vor allem angenehmste Weg gewesen wäre. Ich weiß, dass ich noch ein ganzes Monat vor mir habe, ein Monat voller Sorgen und Stress, voller schlafloser Nächte und unnötiger Ängste. Ich kenne mich ja, ich weiß wie ich bin und wo meine Fehler liegen. Und darum weiß ich auch, dass ich das unbedingt durchziehen muss.

Dienstag, 28. Juli 2015

Schlafprobleme


Ich kann schon wieder nicht schlafen.
Das passiert mir in letzter Zeit immer öfters. Sobald ich im Bett liege fange ich an zu denken, mein Kopf weigert sich leise zu sein. Es mag kitschig klingen, aber all die Sachen die ich sonst erfolgreich verdränge werden plötzlich glasklar. Meistens endet das damit, dass ich wieder aufstehe, ich halte meine eigenen Gedanken auf lange Zeit nur schwer aus.
Die Konsequenz?
Ich gehe erst schlafen wenn ich so müde bin, dass ich meine Augen nicht mehr aufhalten kann. Nur meistens wird es dann nicht besser, Träume können auch ziemliche Arschlöcher sein. Und darum schlafe ich in letzter Zeit einmal wieder viel zu wenig. Denn selbst wenn ich einmal ausschalten kann, mein Kopf sorgt dafür, dass ich spätestens nach ein paar Stunden aus irgendeinem Traum hochschrecke und dann liege ich wieder da, in meinem Bett. Starre die Denke an, versuche zu schlafen aber beginne zu denken. 
Ich wünschte mein Gehirn würde einfach einmal leise sin. 
Ich benehme mich teilweise lächerlich.
Es ist ja nicht so, dass andere Menschen größere Probleme haben als ich.

Sonntag, 26. Juli 2015

Bücher in Berlin



Eine größten Überraschungen an der Woche in Berlin war für mich wohl, dass ich anstatt Souvenirs oder Gewand etlichen Büchern nach Hause brachte. Alles in allem hatte mein Koffer knappe vier Kilo mehr und in meinem Bücherregal befinden sich 9 neue Bücher. Wie kam es dazu? Darüber möchte ich heute reden und euch ein paar Orte vorstellen die man in Berlin nicht auslassen sollte, wenn man Bücher liebt.

Another Country
Ein kleiner, englischer Second-Hand Buchladen in Kreuzberg. Wird er betreten, fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Ein kleiner Raum, vollgestopft mit Büchern. An den Wänden reihen sich die Regale, Bücherstapeln auf Tischen und am Boden. In einer Ecke sitzt ein Mann hinter einem Schreibtisch, er blickt kaum auf wenn man den Laden betritt, lässt sich keine Sekunde aus der Ruhe bringen. Auf Fragen reagiert er freundlich, erklärt das System (Bücher können gekauft oder geliehen werden, ca eines in 10 Büchern steht nicht zum Verkauf frei, Preise variieren), spricht aber nur Englisch.

Was ist jetzt das Faszinierende an diesem Laden?
Erstens natürlich die Auswahl. Während sich im Obergeschoß Bücher der normalen Literatur stapeln findet man im Keller eine riesen Sammlung an Fantasy und Science-Fiction, und alles in Englisch. Zweitens, die Atmosphäre, man darf es sich nicht wie eine Buchhandlung vorstellen. Es wirkt fast als würde hier jemand wohnen. Zwischen den Regalen und den hunderten Büchern die überall verstreut herumliegen, befinden sich Stühle und Tische. Im Keller findet man zwei Kühlschränke mit Essen und Getränken, die Kunden werden gebeten sich doch etwas zu nehmen und oben zu bezahlen. Unter einem Tisch liegt eine Packung Vollkorntoast, in einer Ecke steht Geschirr. Es wirkt fast wie eine Wohngemeinschaft, es scheint egal zu sein ob man Bücher kaufen will oder sich einfach in eine Ecke setzt, eine Bionade trinkt und etwas schmökert.

Trotzdem, für Ordnungsfanatiker ist der Laden nichts. Auch für Menschen, die Wert auf neue und ungebrauchte Bücher setzte. Die gibt es auch, aber die meisten sind schon abgegriffen (dafür auch billig). Ich habe es genossen, drei Bücher für 12 Euro und das innige Bedürfnis diesen Laden nie mehr zu verlassen.

Dussmann:
Die klassische Buchhandlung, aber viel gewaltiger. Ein Geschäft, in dem man Stunden brauchen würde nur um das Erdgeschoss zu erkunden. Überall neue Seitenräume, es gibt hier nicht, dass es nicht gibt. Klassische Literatur, Fremdsprachen, Reiseführer, Kinderbücher, Mangas, Musik, Platten. Die Auswahl ist überwältigend und man bekommt, in einer Welt in der anscheinend kaum noch jemand liest, wenigstens teilweise das Gefühl, dass Bücher doch noch eine kleine Bedeutung im Leben vieler Menschen spielen.

Café Tasso
Ein Kaffee voller Bücher, schon vor dem Laden findet man Kisten mit den verschiedensten Werken, in einem Nebenraum und im Keller stapeln sich gefühlt Tausende weitere. Das Besondere an der Geschichte, jedes Buch kostet einen Euro. Es ist schwer sich zurückzuhalten, die Auswahl ist riesig. Und das Sahnetüpfchen, es gibt auch super Essen und Süßes.

La Rayuela
Nicht sonderlich groß oder spektakulär, aber irgendwie einzigartig. Ich war noch nie in einer rein spanischen Buchhandlung. Es ist etwas anderes und wenn mein Spanisch besser wäre, wahrscheinlich wäre ich ausgeflippt. Eine nette Verkäuferin die mich super beraten hat, eine tolle Atmosphäre und ein super Ort für alle, die gerne spanische Literatur lesen.

Donnerstag, 23. Juli 2015

Tag 4-6 Highlights

Also Reisejournalist sollte ich wohl nicht werden. Mit täglichen updates hab ich es nicht so. Darum kommt jetzt meine gekürzte Zusammenfassung von Berlin. Ganz einfach, als Highlight-Liste.

Dinge, die man in Berlin tun sollte:

  • Brunchen. Frühstücken kann man hier fast überall, und zwar immer bis mindestens 16 Uhr. Wir waren in der Zitrone, in Kreuzberg. Ein Traum von einem Buffet, jede Menge Pikantes, je später es wurde desto mehr Warmes kam dazu. Ich liebe Frühstücken und scheine hier zumindest nicht die einzige zu sein.
  • Second-Hand Läden. An jeder Ecke, mit einer Auswahl die klassisch über Mode und Schuhe bis hin zu Büchern, Geschirr und jeder Menge eigentlich unnötigem aber unfassbar genialem Zeug reicht. Ich habe hauptsächlich Bücher gekauft, aber darüber kommt noch ein extra Post. Jedenfalls kann ich aus dem Stehgreif mindestens ein Duzend Leute aufzählen die beim Anblick dieser Läden ausgeflippt währen.
  • Rad fahren. Ja, Berlin ist eine Stadt in deren Straßenbild das Fahrrad gar nicht so selten ist. Auch wenn man teilweise ganz schöne Strecken zurücklegt, es ist einfach unglaublich angenehm. Die Stadt besitzt keine Hügel, alles ist eben. Der Verkehr ist ertragbar und im Notfall kann man Räder immer mit in die U oder S-Bahn mitnehmen. Und damit gleich zum nächsten Punkt,
  • U/ S-Bahn. Nie wieder will ich in einer Stadt wohnen, in der es ausschließlich Busse oder Straßenbahnen gibt. So mühsam, so umständlich, so langsam und so heiß im Sommer. Die Ringbahn ist eine der besten Ideen die Berlin je hatte.
  • Parks. Berlin ist grün, das merkt man vor allem wenn man es von oben sieht. Ich kenne keine Großstadt die so viele Parks oder Grünflächen besitzt. Überall sind Bäume und Alleen, jeder noch so kleine Kiez scheint seinen Park zu haben. Und dann ist da natürlich das Tempelhofer Feld, einer der wahrscheinlich besten Orte in der Stadt. Das muss man gesehen haben.
  • Tourist spielen. Gehört doch irgendwie dazu, oder? Eine Bootsfahrt auf der Spree, zum Bundestag oder auf den Fernsehturm. Ein paar der etlichen Kirchen anschauen, oder ins Museum geben. Nicht die ganze Zeit, das ist mühsam. Aber ein paar Sehenswürdigkeiten? Wieso nicht?
  • Essen. Mag ja sein, dass ich viel zu viel über Essen nachdenke, aber auch dafür habe ich den perfekten Ort gefunden. In dieser Stadt kann man eine kulinarische Weltreise machen. Von Vietnamesisch, über Japanisch, Türkisch, Italienisch bis hin zu all den Veganen oder superbio-Läden. 
  • East-Side Gallery. Das längste erhaltene Stück Mauer, 1,3 Kilometer die mit den verschiedensten Kunstwerken bemalt sind. Noch schöner wäre es, wenn man die Allgemeinheit davon abhalten könnte jeden freien Zentimeter vollzuschmieren. Ein Bild wirkt nun mal nicht mehr ganz so toll wenn es mit Graffiti übermalt wurde.



Weitere Dinge die mir aufgefallen sind:
  • Also sooo viele Döner Läden gibt es jetzt in Berlin auch nicht.
  • Ab ca. 4 Uhr nachmittags scheinen die meisten Leute (zumindest die Studenten) mit Bier herumzurennen. Nein, wirklich, ich hab das Gefühl die hören nie auf zu trinken.
  • Es gibt auch andere, speziellere, Gerüche die man ständig wahrnimmt.
  • Es gibt duzende „Gemeinschaftsgärten“, jedenfalls würde ich es so nennen. In allen möglichen Höfen oder auch am Tempelhofer Feld, überall stehen Hochbeete.
  • Berlin ist eine Stadt in der man ohne ein Wort Deutsch auskommen würde. Vieles ist in English, fast jeder kann es und durch die tausenden Touristen bzw. Auslandsstudenten fällt man nicht einmal auf, wenn man kein Deutsch spricht.
  • Du bist allen Leuten egal. Berlin ist riesig, sowohl was die Fläche als auch die Einwohner angeht. Egal was du machst, wie dämlich du dich auch anstellst, niemand (außer vielleicht ein paar Touristen) wird auch nur mit der Wimper zucken. 

Sonntag, 19. Juli 2015

Tag 3 - Schiffsfahrt



Auf einem Schiff, wieder einmal. Nur leider nicht segeln, damit kann so ein großes Sightseeing Touristenschiff nicht mithalten. Vollkommen der Sonne ausgeliefert, hoffend nicht krebsrot nach Hause zu kommen, versuche ich die Aussicht zu genießen. Zwischen einer Masse aus anderen Touristen, deren Altersdurchschnitt ich wahrscheinlich sehr hebe (außer man zählt all die mehr oder weniger kleinen Kinder dazu). Es geht die Spree entlang, vorbei an allerlei super wichtiger Gebäude die mir bekannt sein sollten, am ehemaligen Hafen entlang, bei dem plötzlich die Kommentare des Guides aufhören obwohl er zumindest auf mich den größten Eindruck macht. Wieder einmal wirkt hier alles Berlin-typisch alternativ und man sieht mit Graffiti beschmierte Mauerreste. Dann den Landwehrkanal entlang zurück, durch meinen mittlerweile alten Bekannten Kreuzberg,  und mir wird wieder bewusst wie verdammt grün Berlin ist. Überall Bäume, Parks, Schatten. Gottseidank wird das 
Wetter schlechter, kaum zu glauben wie sehr man sich über Bäume und Wolken freuen kann.

Ich frage mich ob ich in Berlin als Tourist erkannt werde. Also wenn ich nicht grade mit meiner Mama an der U-Bahn Haltestelle stehe und darüber diskutiere in welche Richtung wir müssen. Oder mich auf keiner quasi-Touristenkreuzfahrt befinde. Da Aussehen in Berlin irgendwie keinen besonderen Stellenwert hat und ich immerhin die Sprache der Einheimischen spreche ( ich würde ja behaupten, dass ich keinen sonderlich starken Dialekt habe), könnte man ja meinen, dass ich ganz gut ins Bild passe. Mamas Freundin meinte gleich ich sollte hierher zurückkommen und studieren. In Berlin, das hätte schon was. Die Stadt ist wirklich der Wahnsinn, ich glaube ich habe noch selten einen Ort nach so kurzer Zeit so geliebt. Billig ist es auch, von den Noten her würde es gehen und zumindest meine Mutter würde es freuen. Ein weiterer Grund immer wieder hierher zu kommen. Die Frage wäre nur wie ich das allen anderen schmackhaft mache.
Eine weitere Frage, die sich im Laufe der Fahrt stellt, ist wie viele Leute bisher schon Schmerzenzgeld von den Veranstaltern verlangten, weil sie schlau genug waren unter Brücken aufzustehen. Jetzt werden wir alle gefühlten drei Minuten dazu aufgefordert nicht mehr sitzen zu bleiben. Wenigstens sind sie konsequent genug diejenigen, die diese Regeln nicht allzu ernst nehmen, sofort anzukeifen. Ich denke, hier wurden echt einige schlechte Erfahrungen gemacht.