Es gibt einen kleinen Weg an dem ich jeden Tag
vorbeigefahren bin. Früher. In die Schule, zu Karate, in die Stadt, immer
dieser eine kleine Weg. Ich wusste ungefähr wohin er führt, einen Hügel hinauf,
durch den Wald. Immer wieder waren hier Menschen unterwegs, Läufer, Spaziergänger,
Familien mit Kinderwägen. Und dennoch, nie wusste ich exakt wohin er mich führen
würde. Immer nur ein kleines Stück, immer
nur das letzte Ende, immer nur als Übergang. Nie habe ich ihn ganz beschritten,
die letzten 50 Meter waren, nein sind, mir so vertraut dass ich sie mit
geschlossenen Augen durchschreite könnte, aber der Rest? Ein Rätzel. Ein Geheimnis
das wohl nie gelöst werden würde.
Bis heute.
Es war nicht spektakulär, nichts außergewöhnliches,
kein weltoffenbarender Moment. Der Weg folgte dem Wald, ich musste Blättern,
Ästen und Schnecken ausweichen, einer Gruppe Frauen mit Hunden. Steil war
er, steil und mühsam zu befahren. Der Asphalt brüchig, alt. Nicht wichtig genug
um erneuert zu werden, aber eindeutig viel begangen. Der Weg war was ich
erwartet hatte und dennoch befiel mich eine gewisse Bitterkeit. Ein fahler Geschmack
in meinem Mund, das Gefühl, der Gedanke, das es mehr sein sollte. Das dieser
Weg, dieser eine Weg, der mir immer verborgen geblieben war, der mir nie
auffiel und dennoch immer da war, dieser Weg der eines der letzten kleinen
Geheimnisse in meinem Leben darstellte, das ausgerechnet er so sich als
gewöhnlich und unscheinbar herausstellte.
Diese Emotionen, die mich am Ende des Weges
einholten, mich innehalten ließen und für einen Augenblick meine ruhige und
angenehm harmonische Welt etwas verdunkelten, weilten nicht lange. Natürlich nicht. Schnell
wurde mir bewusst das es nur ein Weg war, ein kleiner Asphaltweg, eine
Abkürzung, eine Möglichkeit ein Stückchen Wald zu durchqueren.
Natürlich, das war die Realität, das ist die Realität. Es ist ein Weg, nicht
mehr und nicht weniger. Aber etwas an dieser Geschichte hat mich berührt, irgendetwas
hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Hat mich dazu gebracht innezuhalten, über den Weg nachzudenken, und ihn für das zu sehen was er ist.
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