Freitag, 28. August 2015

Es geht los

Morgen um diese Uhrzeit befinde ich mich über dem Atlantik. Ich werde in einem mehr oder weniger bequemen Sessel sitzen, vermutlich einen Film anschauen oder zu Mittag essen. Vielleicht habe ich einen angenehmen Sitznachbarn mit dem ich mich unterhalten kann oder der mich freundlich ignoriert. Vielleicht ende ich aber auch neben einem Hampelmann der nicht still sitzen kann, ständig aufsteht, auf die Toilette rennt, zwei, dreimal sein Getränk umstößt und sich lang und breit entschuldigt nur um schlussendlich einzuschlafen und laut zu schnarchen. Wer weiß? Ich hoffe auf das Beste.
Morgen um diese Zeit wird es vorbei sein. Die endlos langen Ferien die von meiner inneren Unruhe bestimmt wurden. Einem Drängen und Ziehen, ausgelöst durch die Gewissheit, dass ein Lebensabschnitt endet, dass nichts mehr so wird wie es einmal war. Je näher der Tag rückt desto unruhiger werde ich, vergleichbar mit dem Gefühl vor einem wichtigen Ereignis, ungeduldig, aufgekratzt, der Wunsch das es endlich los geht.

Ich habe keine leichten Wochen hinter mir, das Schicksal hat mir wieder einmal mehrere Steine in den Weg gelegt. Ein Arztbesuch endete ich Krankenhaus mit einer OP die mir meine Wanderwoche vermieste, mein Laptop ist gestorben und wieder auferstanden und allein der Gedanke mich noch einmal verabschieden zu müssen löst Übelkeit in mir aus. Ich habe mehrere kleine Nervenzusammenbrüche und Panikattacken durchgestanden, meinen Koffer etliche Male ein und ausgebackt, aus Frust und zur Ablenkung eine komplette Jugendbuchreihe ausgelesen für die ich eigentlich zu alt bin und zig Predigten, gut gemeinte Ratschläge und Versicherungen das alles gaaanz toll wird über mich ergehen lassen. Mittlerweile bin ich einfach nur dankbar, dass ich morgen abfahre, noch so eine Woche und ich müsste mich in eine Nervenheilanstalt einliefern lassen. 

Jaja, ich übertreibe. Aber alles fühlt sich so surreal an, ich fliege morgen nach Ecuador, ich werde 10 Monate am anderen Ende der Welt verbringen, ich werde heute das letzte Mal für lange Zeit in meinem Bett schlafen. Alles kommt mir so final vor, das letzte Eis, das letzte Mal Fortgehen, das letzte Mal meine Freunde sehen... Ich tendiere teilweise dazu Dramaqueen zu spielen, ich überziehe alles, stelle es größer und gewaltiger da als es ist. Denn ganz ehrlich, was sind schon 10 Monate?
Richtig realisieren werde ich die Situation wohl erst wenn ich angekommen bin, im Quito am Flughafen stehe, meinen Koffer in der Hand, den Rucksack am Rücken, das erste Mal auf mich alleine gestellt. Ich weiß nicht wann ich das nächste Update machen werde, bestenfalls am Sonntag.

Ich will an dieser Stelle noch einmal all den Leuten Danken die mir in den letzten Wochen geholfen haben, ich weiß nicht wie viele von euch meinen Blog lesen aber ihr solltet wissen wen ich meine. Danke, ohne euch wäre ich hierzu nicht in der Lage.


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