Samstag, 23. April 2016

Urlaub in Ayampe

Ich hab gerade meine Wäsche (oder zumindest einen kleinen Teil) in eine Wäscherei gebracht. Dieser Luxus... morgen kann ich eine saubere Jean anziehen, also wirklich sauber (!!!). Vielleicht geht sogar der eine oder andere Fleck heraus, eigentlich ist die Hose ja schon so verdrecktund durchlöchert, dass ich sie wirklich nicht mehr so intensiv tragen sollte. Ich glaube, in den 19 Jahren auf diesem Planeten habe ich noch nie ein Kleidungsstück so verdammt oft getragen.
Jetzt weiß ich auch wieso.

Nach 10 h Busfahrt, viel weniger als erwartet, bin ich von Guayaquil über Ambato, Baños und Puyo endlich in Tena angekommen. Einziger Nachteil, es ist halb 9 morgens. Da ich mir der Luxus einer Wäscherei leiste muss ich bis mindestens 12 hierbleiben, eher länger. Was macht man alleine einen halben Tag lang in Tena?
Blog nachschreiben, lesen und geil frühstücken gehen. Das ist der Plan.
Tja, und alten Freunden auf Baños über den Weg laufen während man gerade Schoko-Bananen-Pancakes isst. Manchmal denke ich, dass Ecuador kleiner als Österreich sein müsste, zu Hause habe ich nie so oft Freunde zufällig getroffen.

Die letzte Woche habe ich in Ayampe verbracht, der Plan Richtung Norden zu fahren wurde durch das Erdbeben verhindert aber man muss aus solchen Situationen das Beste machen. Ayampe ist klein, klein genug, dass man in 15 Minuten eine sehr großzügige Runde um das ganze Dorf machen kann. Es gibt außer der Hauptstraße die außen am Dorf vorbeigeht nur Schotterstraßen, davon ganze vier (wichtige) die Ayampe wie ein Kreuz durchziehen.
Mann geht von der Hauptstraße einige hundert Meter Richtung Meer bis man die einzige "große" Kreuzung erreicht, hier auch gleich ein Mini-Supermarkt mit leicht überteurten Preisen. Von dort geht es entweder den Weg weiter bis ans Wasser (Hostals und Strand), nach Rechts (ein paar Lokale, Hotels, mehr für Touristen), links (mehr Dorf und für Einheimische) oder umdrehen (mehr Restaurants und ein/zwei Hostals). Ich habe meine Zeit in einem Hostal direkt am Strand verbracht, hatte den einfallsreichen Namen "4 Estrellas" (4 Sterne). Leider hat das dem Standard nicht ganz entsprochen, irgendwie zahlte man dort doch für die einmalige Aussicht von den Terrassen und nicht für Service oder Zimmer, die waren doch leicht heruntergekommen. Aber zumindest die anderen Turis waren super nett. Freigeister, allesamt.

Ayampe ist ein Surferdorf, das Meer ist unruhig, wild, jede Menge große Wellen. Ein paar mal war ich mit Simon, einem Niederländer den ich im Hostal kennengelernt hatte, schwimmen,  eigentlich eher Wellenhüpfen und versuchen nicht allzuweit hinaus gezogen zu werden. Einmal ist das beinahe schief gegangen und als wir es endlich wieder in seichteres Wasser schafften brannten meine Arme und ich war außer Atem. Ansonsten kann man den Strand nur als wahnsinnig schön beshcreiben, ein paar Mal bin ich die ewig lange und menschenleere Küste entlang spaziert, hier fühlt man sich irgendwie gleichzeitig frei und einsam.
Nach zehn Minuten erreicht man die Mündung eines kleinen Flusses der ins Meer fliest. Hier tummeln sich Vögel in alles Formen und Farben, ganze Schwärme die zwischen Fluss und Meer hin und her fliegen. Einige Meter vom Meer entfernt, im Hinterland, dass doch so unglaublich grün ist, kann man weitere gefühlt hunterte Arten von Vögeln beobachten. Von kleinen, faustgroßen und knallgelben Tieren bis hin zu Pelikanen, einfach gesagt, beeindruckend.
Einmal bin ich auch auf einen Hügel hinauf spaziert, nicht die leichteste Angelegenheit, sehr steinig, rutschig, viel Geröll und ich in Flipflops. Das Zurückgehen war ein Albtraum, irgendwann ohne Schuhe, auf kleinen spitzen Steinen die meine nicht mehr an barfus gehen gewöhnten Fussolhen aufschreien liesen bis ich mich selbst und meine drang Dinge von oben zu sehen verfluchte. Aber die Aussicht war es wert, ein einmaliger Blick über Ayampe und darüber hinaus, das Meer mit seinen Wellen und den zig kleinen Surfern die sich auf ihnen tummeln.

Und damit wären wir auch bei dem Hobby das hier alle verflogen, surfen. In Ayampe trifft man unglaublich viele Leute die seit Wochen, ja Monaten in dem Dorf festhängen und den lieben langen Tag nichts anderes tun als essen, schlafen und surfen. Ich kann es nachvollziehen, surfen hat etwas eigenes, einzigartiges und befreiendes, aber dazu ein anderes Mal mehr. Ayamape strotz nur so von Individualisten, Alternativen, Naturliebhaber und Freigeistern. Wer hierher kommt sucht keine lauten Partys, Action oder Abwechslung. Hier entspannt man, lebt vor sich hin, die Sonne und den Strand genießen, ruhig, ohne allzuviel nachzudenken. Die Tage fließen ineinander über, man verliert den Überblick, vergisst das Datum, vergisst die Zeit. Man verfällt in eine Art Traumzustand in der irgendwie doch nichts mehr wichtig erscheint und das hier und jetzt, plötzlich das einzig Richtige ist.

Trage ich zu dick auf?
Wahrscheinlich, aber so kommt es mir im nachhinein vor.
Ich erinnere mich nicht mehr an die einzelnen Tage.
Ich weiß das ich oft Melonenmilkshake  trinken war (göttlich), ein paar Mal Muffin essen in Otra  Ola, dort auch Surft-Stunden genommen habe.
Ich weiß dass ich einmal mit Lars nach Puerto Lopez gefahren bin, mir einen neuen Haarschnitt geleistet habe der so spottbillig war dass ich es gar nicht glauben konnte, danach wieder gut Fisch essen (en salsa de Maracuya).
Ich weiß dass ich irgendwann einmal ein unglaublich geiles Sandwich hatte, einmal richtig gutes Ceviche, eine Art Burrito und teilweise sogar selbst gekocht.
Natürlich erinnere ich mich an die halb illegalen Lagerfeuer am Strand, das Steckerlbrot backen, die Tatsache dass das Feuer so heiß war, dass wir am nächsten Abend nur trockenes Holz auf die Glut legen mussten um es wieder zu entfachen.
Ich erinnere mich an die etliche Gespräche mit Leuten aus aller Welt, an all die Bekanntschaften und neuen Freunde, an den schrägen Abend des Erdbebens, an die Stunden die ich lesend in einer Hängematte verbracht habe, mit Blick über das Meer.
Ich kann die Sonne nicht vergessen, so stark dass ich das Gefühlt hatte sie würde mir die Haut von Körper brennen, immer 50+ Sonnencreme verwendet und dennoch leicht rot.
Wie könnte ich die Moskitos vergessen, diese kleinen Biester mit ihren hundertden kleinen Stichen die meine Beine bedecken aber seltsamerweise nicht jucken.
Und dann waren da die Sonnenuntergänge, von der Terasse, das Panorama geniesend und dieser roten, großen Kugel dabei zusehend wie sie im Meer verschwindet, währen vereinzelnde Surfer die letzten Sonnenstrahlen auskosten.
Ich erinnere mich an die Kokosnuss die wir eines Nachmittages verspeißten, denn brennend heißen Sand wenn man vom Meer zurück zum Hostal wollte, die Stunden am Abend auf der Terasse oder am Feuer, mit Lars, Simon, einer Schweizerin oder zwei Spaniern sitzend, über alles und nichts redent, das hier und jetzt geniesend.
All das und noch viel mehr war Ayampe für mich, eine schöne Woche, eine entspannende Woche, eine Zeit, eine Blase die dann doch so urplötzlich platze dass ich momentan nicht richtig weis, was ich mit mir anfangen soll, jetzt da die Realität mich wieder hat.
Eine Zeit, eine Ruhe, die ich dennoch nicht mehr verlieren werde, die ich immer noch zurückrufen kann, wenn ich die Augen schliese, mir das Meer, die Sonne, die Wellen vorstelle, das Salz in der Luft rieche, das brennen auf meiner Haut spüre, und wieder diesesn seltsamen Mix aus Freiheit und Einmalkeit spüre, den mir das Meer mit seinen entlosen Weiten gibt. 

Der Stand

"4 Estrellas"

Ayampe und Umland




Mini-Tienda

Bester Laden für Milkshakes ;)


Lagerfeuer


Sonnenuntergang
(Aussicht von Restaurant vor Erdbeben)

die eine kleine Kreuzung

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