Mittwoch, 20. April 2016

Erdbeeben in Ecuador

Mir geht es gut, ich glaube das wisst ihr mittlerweile alle. Ich hatte wirklich Glück, hier in Ayampe hat man das Beben zwar ziemlich gespürt aber es ist gottseidank nichts passiert.
Ich versuche nicht das Erdbeben herunterzuspielen, es war/ist eine ziemliche Katastrophe, hunderte Menschen gestorben, tausende Verletzt, ein Land im Chaos, Menschen in Aufruhr. Ich merke dass schon allein daran, dass ich aus Ayampe nicht mehr wegkomme. Der ursprüngliche Plan die Nordküste entlang zu fahren ist sowieso ins Wasser gefallen, nach Quito gibt es keine Busse. Ich muss über Guayaquil irgendwann wieder weg, jetzt sitze ich aber erst einmal hier fest. Langsam aber sicher nervt es mich auch, ich bin einfach niemand der ewig an einem Ort bleiben kann.
Aber egal, ich will einfach meine Erfahrung über das Erdbeben niederschreiben, damit auch wirklich alle im Bilde sind.
Samstagabend, nach einem Tag mit Surft-Stunden, viel relaxen und nichts tun beschlossen ich und Lars auf Empfehlung hin zu einem Restaurant/Hotel Ceviche essen zu gehen. Angeblich super gut, aber teuer, stellte sich beides als wahr heraus. Wir kamen an, setzten uns auf die Terrasse und durften einen wirklich wunderschönen Sonnenuntergang mit Blick über das ganze Dorf bewundern, das Ceviche war auch echt gut. Dann wurde es dunkel, wir wollten uns schon auf den Rückweg machen als plötzlich der Boden vibrierte. Ich hatte zuerst gar keinen Plan was los war, ist da ein Tier unter meinem Stuhl, bastelt gerade wer am Haus herum? Dann fing das Haus an zu wackeln, mein erster Gedanke war "da Sitz ein Tier am Dach". Als es immer stärker wurde und das Gebäude sowie die umliegenden Bäume zu schwanken begannen wurde auch mir klar was zur Hölle eigentlich los war.Dann, als das Gewackel seinen Höhepunkt erreichte war plötzlich der Strom weg, von der Teerasse konnte man schön beobachten wie in ganz Ayampe die Lichter ausgingen.
Nachdem wir uns etwas beruhigt hatten beschlossen wir, dass wir wieder zurück ins Dorf gehen konnten. Kaum hatten wir die Finca verlassen rannten wir in eine Gruppe von Leuten die wieder hinauf wollten. Wieso? Tsunami. Man redete uns ziemlich ins Gewissen und wir schlossen uns an und liefen wieder zurück. Noch ein/zwei Stunden später reichte es aber endgültig und es ging zurück nach Ayampe.
Dort fanden wir aber nur ein leeres und dunkles Hostal wieder, dass von seinen Besitzern gerade verlassen wurde, also packten auch wir unsere Wertsachen zusammen und es ging schon wieder los. Eigentlich bestand die ganze Nacht nur aus durch die Gegend rennen. Ich und Lars hängten uns an eine Gruppe Argentinier und liefen zu Straße zurück um dann ins "Hochland" zu wandern (im Endeffekt waren wir 30m über dem Meeresspiegel). Und das wars dann, die nächsten 3h saßen wir auf der Straße, erst mit den Argentinien, dann anderen Leuten vom Hostal die wir zufällig trafen, später eine Amerikanerin und eine Finnin, dann wieder die Argentinier. Auf der Straße sitzen, zwischen Panik und Belustigung, bin ich dann irgendwann leicht eingenikt.
Die Polizei sperrte dir Straße anfangs strikt ab, niemand durfte sich dem Dorf nähern, aber so um halb 12 herum hieß es nur mehr " tut was ihr wollt, wir haben keine Entwarnung aber wenn ihr zurück wollt geht ruhig". Also sind wir zurück ins Dorf und zum Hotel. Irgendwie ist mir dieses ganze "OMG es kommt eine Tsunami!!!" Gerede  aber doch unter die Haut gegangen und ich hab mich auf die Terrasse zum schlafen gelegt, da ich nicht alleine in mein Zimmer wollte. Wenn was kommt würde man mich sonst gar vergessen...
Irgendwann in der Nacht muss ich ins Bett gegangen sein. Danach ist eigentlich nichts mehr passiert, hier wurden keine Gebäude zerstört, niemand verletzt, wir spürten keine Nachbeben. Einzige ist, dass ich jetzt festsitze, mal schauen wie es weitergeht. Wie gesagt, wir hatten Glück, in Manta, Canoa, Guayaquil oder Pedernales schaut es ganz anders aus. Umso erschreckender wenn man bedenkt, dass ich genau da ursprünglich hinwollte.

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