Freitag, 30. September 2016

Weg von zu Hause

Alleine wohnen ist ganz anders und doch so ähnlich wie zu Hause sein.
Vielleicht fehlt die Aufregung weil ich das ganze letzte Jahr allein gelebt habe, nie so wie jetzt, mit all den Verpflichtungen, aber dennoch weg von zu Hause. Es gibt so vieles an das man nicht denkt wenn die Eltern die Herren im Haus sind. 
Einkaufen zum Beispiel. 
Was man alles braucht, allein um einfach zu kochen. Gewürze, Messer, Schneidbretter, ein Wasserkocher, Öl und Essig, so viele Alltäglichkeiten über die man in den alten vier Wänden nie nachgedacht hat. Die Unterschiede welche Geschäfte man besucht, welche Lebensmittel gekauft werden, was gegessen wird. Einkaufen fasziniert, es ist eine Kunst für sich. Nirgends kann man so viel Geld unwissend unnötig ausgeben.
Wer denkt auch an so etwas? Wer achtet auf diese Kleinigkeiten?

Putzen ist auch so eine Sache. Wenn es plötzlich keine Putzfrau gibt, die Eltern einem nicht mehr ständig an das etwas versaute Zimmer erinnern, wann rafft man sich auf und kümmert sich darum? Ist eine Woche ohne Staubsaugen zu viel oder gehen eigentlich auch zwei? 
Darf man Pfannen in den Geschirrspüler räumen? Wie oft sollten Fenster geputzt werden? 
Wie viele 19-Jährige wissen das schon?
Es geht, erstaunlich gut sogar, ich lebe nicht gerne im Dreck. Man muss nicht übertreiben aber ein wenig putzen hilft. 

Aber der erstaunlichste Unterschied ist, dass man sich nach niemandem mehr richten muss. Es klingt banal, ist aber herrlich. Na klar, ich habe meine Mitbewohner, aber das ist etwas anderes. Egal wie man es dreht und wendet, bei den eigenen Eltern ist man nie gleichberechtigt, es gibt eine gewisse Hierarchie. Aber hier kann ich an Dinge herangehen wie ich will, niemand bestimmt indirekt mein Verhalten. Und das ist ein wunderschönes Gefühl, ausziehen ist eine der besten Entscheidungen die man als junger Erwachsener treffen kann :D

Sonntag, 18. September 2016

Wie ich mit Melancholie umgehe

In letzter Zeit falle ganz oft in gedacht hinter mir gelassene Gewässer zurück.
Viel zu oft erwische ich mich dabei aus Fenstern zu starren, den Blick auf einen nicht festzumachenden Punkt in der Ferne fixiert, Gedanken schweifen lassend und in Tagträumend versinkend, so tief dass ich die Realität um mich herum gar nicht mehr wahrnehmen.
Es ist Melancholie.

"Ein bisschen Melancholie, ist manchmal ok
ein bisschen traurig sein, und den Grund nicht verstehn"
Um es mit den Worten von Kraftklub zu sagen, irgendwie hatte ich immer schon das Gefühl, dass sie meine Wahrnehmung dieser Gemütseinstellung ziemlich gut beschreiben. Ich bin nicht depressiv oder neben der Spur, ich weiß dass momentan alles nach Plan verläuft, mein Leben in eine neue, aufregende Richtung zusteuert und ich freue mich auf die Zukunft.
Aber ist es nicht normal abgeschlossenen Lebensabschnitten hinterherzutrauern?
Weinen wir nicht alle dem Vertrauten und Bekannten nach, wenn man sich kurz von einer noch nicht geöffneten Tür befindet?

Aber damit dieser Post nicht nur wieder eine Beschreibung meiner Gefühlswelt wird und ich beweisen kann das mein vorrangiges Ziel mittlerweile doch der Weg zum Optimismus ist, will ich hier ein paar meiner Wege verraten mit Melancholie umzugehen:
  • Heiße Milch mit Honig. Ob das jedem oder nur mir hilft weis ich nicht aber mich holt es immer wieder aus diesen seltsamen Stimmungen hervor. Alternativ funktioniert auch Chai mit viel Milch (und Honig)
  • Lesen, aber keine Liebesromane, Selbstfindungsbücher oder Lebensgeschichten. Am besten sind Thriller, Krimis oder eventuell Fantasy. Mir hilft John Grisham momentan erstaunlich gut.
  • Sport. Eine halbe Stunde laufen, einen Spaziergang machen, eine Runde mit dem Rad drehen. Egal was, wie kurz oder wohin, Sport vertreibt trübe Gedanken. 
  • Und von Sport kann man auch gleich auf den nächsten Punkt überleiten, das Haus verlassen. Einfach rausgehen, im besten Fall bei Sonnenschein. Hilft, immer.
  • Listen schreiben, Pläne machen, sich schöne Sachen für die Zukunft ausdenken. Aber auch Negativfälle durchegehen, sich worst-case-scenarios vorstellen und überlegen wie man damit umgehen könnte. Nicht um in Panik zu verfallen sonder damit man  realisiert, dass selbst der schlechteste Fall noch lösbar ist.
  • Einfach einmal eine halbe Stunde nichts tun, sich zwingen einen bequemen Ort zu suchen, eventuell Musik anmachen, und entspannen. Daligen, die Decke anstarren und das Leben, die Ruhe genießen. Wir tun das so selten.
  • Reden, mit vertrauten Personen offen Sprechen. Egal wie banal und dämlich manche Ängste klingen, es sind reale Ängste und Befürchtungen und sie auszusprechen tut immer gut.
  • Melancholie einfach zulassen, manchmal kann man nichts tun als eine Stunde aus dem Autofenster zu starren, leicht traurige Musik zu hören und in den eigenen Gedanken zu versinken. Es ist nichts dabei, es ist ok, solang man es nicht übertreibt.
    Melancholie kann auch schön sein, zu kreativen Ideen anregen und eine bittersüße Würze über einen Tag streuen.

Mittwoch, 14. September 2016

Auf nach Wien

Nur um all diejenigen die es noch nicht mitbekommen haben zu informieren;
ich ziehe nach Wien. 
Wien, die Hauptstadt von Österreich. Die einzige Metropole, Großstadt, fast 1,8 Millionen Einwohner. Im Vergleich wirkt Graz wie ein Dorf mit seinen 265.000. 
Ein Tapetenwechsel, ein Neuanfang, anders, aufregend.
Ich habe eine Wohnung mit zwei anderen Mädels, ich bin an der Boku inskrepiert, habe sogar einen Studentenausweis. In ein paar Wochen fängt die Uni an, nach mehr als einem Jahr muss ich wieder lernen, mich doch endlich einmal um meine Zukunft kümmern.
Freue ich mich?
Natürlich.
Habe ich ein bisschen Angst?
Logisch.
Glaube ich dass alles gut wird?
Ja, ich bin positiv. 

Heute geht es wieder einmal rauf, ein paar Möbel zusammenbauen, einrichten. Mein Zimmer ist komplett, es fehlen nur Kleinigkeiten, Pölster, eine Lampe, Deko, Vorhänge. Aber leben kann ich in Wien schon, sogar meine Matratze steht bereit.

Nur loslassen ist doch schwerer als gedacht. Jetzt wo ich weggehe fällt mir auf das Graz seine Vorteile hat, es ist klein, man kommt überall mit dem Rad hin, nicht zu viele Menschen, nicht zu viel Verkehr, es gibt genug ruhige Orte. Die Altstadt ist schön, der Schlossberg ist einmalig, aber ich glaube weggehen ist dennoch die beste Entscheidung. Immer am gleichen Ort bleiben und sich als Mensch weiterentwickeln passt einfach nicht zusammen.

Freitag, 9. September 2016

Ein Erklärungsversuch

Es ist drei Monate her.
Oder mehr? Weniger? Ich kann es nicht mehr sagen.
Auf dem Balkon in der Wohnung meiner Mama sitzend, die Sonne geniesend, das Wissen, dass sie nicht wie im letzten Jahr üblich um 6 untergehen wird, die Wärme in mich aufnehmend, welche in ein paar Wochen der Vergangenheit angehört, aus einer Stimmung heraus endlich den Mut aufbringend mich wieder diesem einem kleinen Hobby zuzuwenden, bin ich nun hier, nach Erklärungen ringend.
Wieso habe ich nicht geschrieben?
Nicht einmal einen letzten Post? Eine Verabschiedung, ein paar Fotos, einen kurzen Reisebericht, eine Erklärung? Ich habe nichts auser Ausreden vorzubringen, leider.

Kurz und einfach gesagt, ich war überfordert. Ich glaube nicht das irgendjemand ,der so etwas nicht in der gleichen Phase seines Lebens wie ich im letzten Jahr durchgemacht hat, verstehen kann wie ich mich fühlte und immer noch fühle. Das war ein Jahr voller neuer Erlebnisse, ein Jahr voller Aufs und Abs, voller neu zu bezwingender Stufen und altbekannten Hindernissen. Ein Jahr das mir meine eigenen Schwächen schmerzhaft vor Augen geführt hat und mich gleichzeitig zwang sie zu überwinden.
Habe ich mich verändert?
Ich weiß es nicht genau, irgendwie schon, aber nicht nur im Guten. Ich habe einiges Verloren, vieles gewonnen, aber ich bin froh weggegangen zus ein. Jeder Fehler war eine Möglichkeit Neues zu lernen, jede unangenehme Situation und jede vorführung meiner eignenen Schwächen hat mir gezeigt woran ich arbeiten muss.
Und jetzt bin ich wieder hier, und es kommt mir so vor als ob sich nichts geändert hat. Ja, meine Schwester ist größer und reifer, da sind die neuen Stühle bei meinem Papa, das neue Geschirr bei meiner Mama, Kleinigkeiten, aber im Endeffekt sind alle Menschen um mich herum die Gleichen. Es war so schön weg zu sein, von all dem Druck, dem Stress, der Frage nach der Zukunft und dem Leben die mich Momentan mit voller Härte trifft und ein im letzten Jahr so einfaches Leben wieder verworren und unverständlich macht. Es tut fast weh auf diese 10 Monate zurückzuschauen, es fühlt sich an als wären sie nicht echt, wie ein Tagtraum. Darum denke ich nicht oft zurück, es sind so wertvolle Erinnerunge, ich will sie nicht mit dieser seltsamen Traurigkeit und Melancholie bedecken die momentan über meinem Leben schwebt.

Werde ich zu sentimental? 
Wahrscheinlich.
Im Endeffekt will ich mich entschuldigen, für die Monate ohne Lebenszeichen, für die nicht gezeigten Fotos und geteilten Erinnerungen. Ich will weiter schreiben, über Wien, meine neue Wohnung, meine Mitbewohner, die Uni, das Studium. Ein neues Abenteuer, ich weiß. Jeder schwärmt von der Uni, ich hoffe ich erwarte nicht zu viel. 
Aber um in einem letzten Satz meine Abwesenheit zusammenzufassen, zu erklären, egal wie schön und aufregend die Uni wird, ich werde nie wieder so frei, so spontan, so unbekümmert durch mein Leben spazieren können wie im letzten Jahr. Und mir das einzugestehen ist schwer, schwerer als alles andere.
Ich hoffe ihr versteht das.