Freitag, 19. Juni 2015

Von verschwundenen Tagesdecken und leeren Taschen

Man kann meine Tagesdecke kaum noch sehen. Normalerweise ist mein Bett immer der einzige wirklich ordentliche Ort in meinem Zimmer. Eine hellblaue Tagesdecke, zwei Pölster, einer schwarz und einer dunkelblau, gelegentlich ein Buch, oft ein Laptop und im Hintergrund zwei petrolfarbene Wände.
Mein Bett ist immer gemacht, ich weiß nicht wieso. Ich denke, egal wie hoch die Papierstapeln auf dem Schreibtisch auch werden, wie viele T-Shirts oder Socken auf dem Boden liegen oder gebrauchtes Geschirr in den Regalen steht, solange zumindest das Bett gemacht ist gibt es eine gewisse Ordnung.

Aber jetzt?
Jetzt ist das Hellblau meiner Tagesdecke unter T-Shirts und Hosen, Jacken, Schuhen, Sportsachen, Badesachen, Sonnencreme, Kaugummi, einem Buch, verschwunden. Die Ordnung und farbliche Einfachheit die diese Ecke meines Zimmers so schlicht und schön macht, wurde verdrängt. Und davor eine Reisetasche. Schwarz, groß, einfache, praktisch, leer, wartend. Jedes Mal wenn ich sie ansehe fühle ich mich fast schuldig.
Wie viele Stunden hat sich diese Bild schon nicht mehr geändert?
Ein paar Handgriffe und die Welt wäre wieder in Ordnung. Aber ich weigere mich. Ich will nicht. Die Wahrheit ist, ich bin nicht schlecht im Einpacken. Egal ob es für zwei Tage nach Wien oder drei Wochen nach Griechenland geht, ich brauche immer maximal fünfzehn Minuten um mein Bett in den jetzigen Zustand zu bringen. Es ist nicht schwer zu entscheiden was man mitnimmt. Ich verstehe Menschen nicht die so tun als ob es eine große Herausforderung wäre zu entscheiden welche Jeans am besten geeignet ist, welches Jacke man unbedingt einpacken muss, ob ein Pulli nun doch eine gute Idee wäre oder nicht. Ich tendiere immer dazu zu viel mitzunehmen. Es schadet ja nicht.

Nein, das Problem ist nicht das Herrichten, das Problem ist das Einpacken. Der Moment in dem die Stapeln verschwunden sind, die Tagesdecke wieder sichtbar wird. Der Moment in dem sich die Tasche schließt, die alte Ordnung wieder hergestellt wurde. Dieser Moment hat etwas endgültiges, in diesem Moment kommen dann die Gedanken, das immer wiederkehrende "Habe ich auch nichts vergessen?" und "Habe ich das auch eingepackt?". Es mag banal, ja lächerlich, klingen, aber mich machen diese Gedanken wahnsinnig. Erst wenn man außer Haus, die Tür im Schloss und das Auto aus der Stadt ist, kann ich entspannen.
Lächerlich, oder? Das der Gedanke etwas zurückzulassen nur so lange aufregt solange man noch eine Chance auf einen Weg zurück hat. Ich will erst gar nicht wissen wie das in ein paar Monaten aussieht. Es ist eine Sache für sieben Tage zu packen, neun Monate sind eine andere Dimension. Wie packt man sein Leben in 23 Kilo? Wie schafft man es hier an alles zu denken, wie kann man sich so einschränken? 
Ich glaube ich sollte mich auf die nächste Woche konzentrieren. Sonne, Meer, Wellen, Eis, Ruhe, Entspannung, Spaß.  Was macht es da, wenn ich etwas vergesse? Solange es nicht mein Reisepass ist.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen