Montag, 29. Juni 2015

Blockaden

Jaja, ich weiß ich sollte jetzt, da ich zurück bin, einige Worte über die letzte Woche verlieren. Aber es ist schwer, alles in ein paar Worten zusammenzufassen. Ich reiche es nach, versprochen.

Aber jetzt geht es um etwas vollkommenes anderes; Blockaden. Dieser Moment in dem der Kopf einfach ausschaltet, man für eine, oder auch nur eine halbe, Sekunde gelähmt ist und einfach nicht weiß was zu Hölle man tun soll. Man bekommt alles mit, registriert, denkt, aber handelt nicht. Beispiel; Basketball. Ich stehe da, meinen Körper angespannt, bereit den Ball anzunehmen. Aber dann stürmt der Gegner auf mich zu, ich bemerke seine Größe, seine Entschlossenheit, die Kraft hinter dem Angriff, und ich schalte einfach ab. Panik, Angst, Überwältigung, Feigheit, alles auf einmal. Und trotzdem, irgendwo im Hinterkopf regt sich der Gedanke, der Wille etwas zu tun. Also strecke ich die Hand aus, setzt zum Sprung an, aber  es ist zu spät. Die verlorenen Sekunden rächen sich.

Problematisch ist das Ganze für mich nicht im Basketball. Ich und dieser Sport vertragen uns einfach nicht. Einmal abgesehen von meinem Unvermögen zu Zielen, geschweigenden zu Treffen, schaffe ich es entweder nicht fair und richtig oder überhaupt zu spielen. Nein, mich belasten diese Blackouts bei einer anderen Sportart die ich seit mittlerweile fünf Jahren betreibe; Karate. 
Wie sich nun jeder denken kann ist es in einem Kampfsport nicht gerade hilfreich zu zögern. In einem Freikampf, selbst wenn dieser unter Leuten stattfindet die sich eigentlich super verstehen, sollte man nicht eine Minute und fünf halbherzige Ansätze brauchen um anzugreifen. Es wird immer betont wie wichtig Dynamik ist, einfach explosionsartig, mit viel Geschwindigkeit nach vorne schießen und den anderen zu überraschen. Oder die fast einfachere Variante, Angriffe blocken und kontern. Aber diese geistige Blockade, diese ganzen Unsicherheiten, verhindern meistens, dass ich überhaupt irgendetwas mache.

Wahrscheinlich bin ich selbst schuld. Fünf Jahre habe ich mich vor Kumite (dem "klassische" kämpfen) gedrückt, Kata und Kihon waren immer reizvoller. Hier hat man keinen Wettkampf, es gibt keinen Verlierer. Und ich bin ein grauenvoller Verlierer. Dabei wäre es so reizvoll gut in Kumite zu sein. Obwohl, Durschnitt würde mir auch reichen. Aber meine derzeitige Art zu kämpfen, zwei Minuten herumhüpfen und vielleicht ein paar Techniken machen während ich dazwischen nur mit blocken beschäftigt bin, ist ziemlich uneffektiv. 
Warum mich das Ganze jetzt beschäftigt? Vielleicht weil ich mit Ende dieses Sommers gezwungen bin Karate für zumindest ein Jahr zu pausieren. Und wenn ich zurückblicke, hatte ich noch nie einen Sport bei dem ich so viel gelernt habe und der aus so viel Spaß macht. Ich bin zufrieden mit meinen Leistungen, immerhin habe ich den 3. Kyū (1 Braungurt), aber diese eine kleine Tatsache, mein Unvermögen geistige Blockaden aufzuheben, ist etwas das mich wirklich stört. Vor allem deswegen, weil ich es ohne Probleme hätte lösen können, mit ein bisschen mehr Disziplin und Anstrengung.

Freitag, 19. Juni 2015

Von verschwundenen Tagesdecken und leeren Taschen

Man kann meine Tagesdecke kaum noch sehen. Normalerweise ist mein Bett immer der einzige wirklich ordentliche Ort in meinem Zimmer. Eine hellblaue Tagesdecke, zwei Pölster, einer schwarz und einer dunkelblau, gelegentlich ein Buch, oft ein Laptop und im Hintergrund zwei petrolfarbene Wände.
Mein Bett ist immer gemacht, ich weiß nicht wieso. Ich denke, egal wie hoch die Papierstapeln auf dem Schreibtisch auch werden, wie viele T-Shirts oder Socken auf dem Boden liegen oder gebrauchtes Geschirr in den Regalen steht, solange zumindest das Bett gemacht ist gibt es eine gewisse Ordnung.

Aber jetzt?
Jetzt ist das Hellblau meiner Tagesdecke unter T-Shirts und Hosen, Jacken, Schuhen, Sportsachen, Badesachen, Sonnencreme, Kaugummi, einem Buch, verschwunden. Die Ordnung und farbliche Einfachheit die diese Ecke meines Zimmers so schlicht und schön macht, wurde verdrängt. Und davor eine Reisetasche. Schwarz, groß, einfache, praktisch, leer, wartend. Jedes Mal wenn ich sie ansehe fühle ich mich fast schuldig.
Wie viele Stunden hat sich diese Bild schon nicht mehr geändert?
Ein paar Handgriffe und die Welt wäre wieder in Ordnung. Aber ich weigere mich. Ich will nicht. Die Wahrheit ist, ich bin nicht schlecht im Einpacken. Egal ob es für zwei Tage nach Wien oder drei Wochen nach Griechenland geht, ich brauche immer maximal fünfzehn Minuten um mein Bett in den jetzigen Zustand zu bringen. Es ist nicht schwer zu entscheiden was man mitnimmt. Ich verstehe Menschen nicht die so tun als ob es eine große Herausforderung wäre zu entscheiden welche Jeans am besten geeignet ist, welches Jacke man unbedingt einpacken muss, ob ein Pulli nun doch eine gute Idee wäre oder nicht. Ich tendiere immer dazu zu viel mitzunehmen. Es schadet ja nicht.

Nein, das Problem ist nicht das Herrichten, das Problem ist das Einpacken. Der Moment in dem die Stapeln verschwunden sind, die Tagesdecke wieder sichtbar wird. Der Moment in dem sich die Tasche schließt, die alte Ordnung wieder hergestellt wurde. Dieser Moment hat etwas endgültiges, in diesem Moment kommen dann die Gedanken, das immer wiederkehrende "Habe ich auch nichts vergessen?" und "Habe ich das auch eingepackt?". Es mag banal, ja lächerlich, klingen, aber mich machen diese Gedanken wahnsinnig. Erst wenn man außer Haus, die Tür im Schloss und das Auto aus der Stadt ist, kann ich entspannen.
Lächerlich, oder? Das der Gedanke etwas zurückzulassen nur so lange aufregt solange man noch eine Chance auf einen Weg zurück hat. Ich will erst gar nicht wissen wie das in ein paar Monaten aussieht. Es ist eine Sache für sieben Tage zu packen, neun Monate sind eine andere Dimension. Wie packt man sein Leben in 23 Kilo? Wie schafft man es hier an alles zu denken, wie kann man sich so einschränken? 
Ich glaube ich sollte mich auf die nächste Woche konzentrieren. Sonne, Meer, Wellen, Eis, Ruhe, Entspannung, Spaß.  Was macht es da, wenn ich etwas vergesse? Solange es nicht mein Reisepass ist.

Donnerstag, 18. Juni 2015

Der erste Post

Es gibt zu viele Möglichkeiten für den ersten Post.
Die einfachste wäre die "Ich stelle mich hiermit einfach einmal vor"-Methode. Einige Worte über die eigene Person, Freunde, Familie und Zukunftspläne. Gedanken zu aktuellen Themen, Weisheiten über das Leben, Liebeserklärungen an Vorbilder. Dazu vielleicht noch ein paar Prahlereien über besondere Leistungen, die eine oder andere Schwäche zugeben, Fotos (am besten von lachenden Menschen oder romantisch-mystische Landschaftsaufnahmen) und schon hat man sich selbst im best-möglichem Licht präsentiert.

Noch leichter haben es natürlich Kritiker, Modeblogger, Reisejournalisten oder Menschen jeglicher Art die es schaffen sich auf ein Thema zu spezialisieren. Dann muss man sich nicht einmal Gedanken darüber machen, welchen ersten Eindruck man schafft. Jeder weiß was einen erwartet. Ein klares Thema vereinfacht das Leben. Manchmal sind Einschränkungen wohl doch ein Segen.

Will man wirklich kreativ sein, kann das ein Problem werden. Einfach losschreiben? Damit ist doch niemand zufrieden. Wenn nicht jeder Satz stimmt, sich die Worte nicht geschmeidig aneinanderfügen, kein stimmiges und einzigartiges Ganzes schaffen, hat man schon verloren. Teilweise tut es gut nicht zu denken. Gedanken können Menschen in den Wahnsinn treiben.

Oder man macht es so wie ich. Wählt eine weitere, zugegebenermaßen unkreative, Möglichkeit und macht sich Gedanken über den ersten Post. Darüber wie einfach und banal das Thema doch ist und dennoch so viel Bedeutung hineininterpretiert wird. Als wäre das Leben nicht schon kompliziert genug.
Es geht hier nicht darum kreativ oder neu und spannend zu sein. Ich führe kein besonders aufregendes oder außergewöhnliches Leben. Ich bin weder ein Genie noch habe ich besondere Fähigkeiten die ich mit anderen teilen möchte. Der Sinn des Ganzen, was genau aus dieser Seite wird, ist mir im Moment ein Rätzel. Ich habe weder ein klares Ziel noch bestimmte Menschen die ich ansprechen will.
Ich hoffe ich habe bis hierher nicht zu viele potentielle Leser abgeschreckt. Obwohl, da man aus dem Namen dieses Blogs meine "Lebenseinstellung" ablesen kann, ich gehe sowieso nicht davon aus, dass es allzu viele werden.